Matznetter fordert die Einführung eines 10. Schuljahres

SPÖ-Enquete: Bessere Ausbildung schon vor der Lehre - bessere Durchlässigkeit nach der Lehre

Wien (SK) - Der Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands, Staatssekretär Christoph Matznetter forderte am Dienstag im Rahmen der Enquete "Perspektive Lehre" als eine der Maßnahmen zur Reform der Lehre ein 10. Pflichtschuljahr. Matznetter verwies darauf, dass eine Reform des 9. Schuljahres im Regierungsprogramm vereinbart sei. Mit der Einführung eines 10. Schuljahres und einer "mittleren Reife" sollen notwendige Grundkenntnisse für das Absolvieren einer Lehre erworben werden. Um die duale Ausbildung "fit für das 21. Jahrhundert zu machen", sind für Matznetter folgende flankierende Maßnahmen notwendig: bessere Ausbildung vor der Lehre und während der Lehre, eine Erweiterung der Berufsfelder, Öffnung der Durchlässigkeit auch zur Hochschulausbildung sowie Beseitigung der Lehrstellenlücke.****

Matznetter betonte, dass es das System der dualen Ausbildung war, das Österreich in den letzten 40 Jahren in den Spitzenbereich der OECD-Durchschnittseinkommen gebracht hat. Jetzt gelte es aber, die Lehrlingsausbildung und die Rahmenbedingungen dafür reformieren. Ein wesentlicher Punkt sei, dass die Lehre genügend Flexibilität für die Berufsanforderungen der Zukunft ermöglicht. Die Ausbildung in Berufsfeldern sei hier wesentlich und die Gestaltung der Ausbildung, "dass eine flexible Weiterentwicklung neben der Perfektion im eigenen Beruf möglich ist". Matznetter plädiert daher für eine Weiterentwicklung des dualen Systems hin zu einem trialen:
Berufsschule, Betrieb und ein Lückenschluss durch Bildungsinstitute, mittels derer jene praxisorientierten Lehrinhalte vermittelt werden sollen, die bisher nicht ausreichend abgedeckt werden.

Die Hauptlast der Lehrlingsausbildung wird von den Gewerbebetrieben getragen. 15.000 Lehrplätzen in der Industrie stehen 60.000 im Gewerbe gegenüber. Hier muss es einen finanziellen Lastenausgleich geben; auch ein stärkeres Engagement der öffentlichen Hand sei hier nötig.

Wandl: Lehrlinge von heute sind Experten und Fachkräfte von morgen

Der Geschäftsführer des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands, Günter Wandl, dessen Organisation die Enquete gemeinsam mit dem SPÖ-Klub durchgeführt hat, betonte, dass man in Gesprächen mit Selbständigen rasch beim Thema Lehre und Fachkräftemangel angelangt sei. "Denn die Lehrlinge von heute sind die Experten und Fachkräfte von morgen." Nationalratspräsidentin Barbara Prammer wies in ihrer Einleitung darauf hin, dass vor allem Mädchen, aber auch Burschen zumeist sehr einseitige Berufswahl unter einigen wenigen Berufen wählen. "Der Berufswahl kommt eine große Bedeutung zu - etwas, das viel zu wenig in der Schule behandelt wird." Hier müssen, auch im Sinne des Wirtschaftsstandorts Österreich, Auswege aus der Sackgasse gefunden werden.

Mahringer: Starke Konzentration auf wenige Berufsgruppen

Helmut Mahringer vom WIFO betonte, dass die duale Ausbildung in Österreich nach wie vor eine große Rolle spielt. 40 Prozent eines Jahrgangs von 15-Jährigen wählen diese Ausbildung, wobei es einen Überhang von 10 Prozent mehr Burschen als Mädchen gibt. Als Problembereiche sieht Mahringer eine starke Konzentration auf wenige Berufsgruppen, den Rückgang von qualitativ hochwertigen Ausbildungsplätzen in Großbetrieben, schlechte Anschlussmöglichkeiten zu anderen Bildungsschienen, eine Lehrstellenlücke von 6.100 Lehrstellensuchenden zu 3.600 offenen Stellen (2006), sowie einen deutlichen Zuwachs der Jugendarbeitslosigkeit. Mahringer spricht von 13 Prozent von im weiten Sinne arbeitslosen und arbeitssuchenden Jugendlichen. (Schluss) up

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