Sieben Ö1-Sendereihen feiern 20. Geburtstag

Wien (OTS) - Die am 30. November 1987 in Kraft getretene Schemareform brachte für Ö1 zahlreiche Innovationen wie den durchmoderierten Spätnachmittag, mehr Servicemitteilungen und neue Sendereihen. Sieben davon sind heute noch im Programm und haben nichts von ihrer Frische verloren: "Tonspuren", "Im Gespräch", "Radiogeschichten", "Terra incognita", "Ambiente", "Kunstradio -Radiokunst" und "Moment - Leben heute" feiern ihr 20-jähriges Jubiläum.

"1987 war ein wichtiges Jahr für Ö1", erinnert sich Senderchef Alfred Treiber. "Unter Generalintendant Teddy Podgorski fand sowohl eine organisatorische als auch eine inhaltliche Neupositionierung statt. Organisatorisch sollte ‚die Eigenverantwortung gestärkt und die Kontrolle der Hierarchie auf ein notwendiges Maß reduziert werden’. Inhaltlich war mit Langzeit-Hörfunkintendant Ernst Grissemann eine der größten Ö1-Programmreformen seit dem Rundfunkvolksbegehren von 1967 angesagt. In diesem Zusammenhang gab es jede Menge neuer Sendungen, die folgerichtig heuer ihr 20-jähriges Jubiläum feiern. Für mich persönlich ist dabei entscheidend, dass es viele dieser Sendungen aus gutem Grund auch heute noch gibt und dass sie nichts von ihrer Frische verloren haben."

"Tonspuren", Freitag um 22.15 Uhr und Sonntag um 21.15 Uhr

Um Literatur radiofon zu vermitteln, wurden 1987 die "Tonspuren" entwickelt. Seitdem präsentieren sie Woche für Woche "Hörbilder zur Literatur". Sendungsproducer Alfred Koch: "Über die Jahre sind die Sendungen eleganter, vielleicht auch perfekter geworden, der Einsatz von Klängen und Tönen ist wichtiger geworden. Neben einer Hörergemeinde, die uns über alle Sendeplatzveränderungen hinweg treu geblieben ist, ging in den letzten Jahren auch eine Serie von Preisen auf die Tonspuren nieder." Tonspuren klingen manchmal wie Musik, deshalb wurde auch die Musik an sich zum Thema. Seit 2006 sind hier auch Musik-Features zu hören. Eine Werkschau bietet die Jubiläumssendung "Zwischen Worten und Klängen. 20 Jahre ‚Tonspuren’" am 30. November um 22.15 Uhr in Ö1: Kafkas letzte Tage im Sanatorium. Bernhards Nachbarn in Ohlsdorf. Der letzte Flug des Antoine de Saint-Exupéry. Raymond Carvers Leben aus der Sicht seiner beiden Frauen. Literatur im Kontext ihrer Entstehungsbedingungen ist genauso wichtig wie fein gearbeitete literarische Porträts, von A wie Aichinger bis Z wie Zoderer. Porträts, die - zumindest von der Zielsetzung her - immer ein bisschen anders sein wollen als jene Lebensbeschreibungen, die "vorne anfangen und hinten aufhören". Im Laufe zweier Jahrzehnte hat diese vielfach ausgezeichnete Sendereihe nicht weniger als 551 Autoren porträtiert - ein Anlass, akustisch Bilanz zu ziehen.

"Moment - Leben heute", Montag bis Freitag ab 17.09 Uhr

Die erste Ausgabe von "Moment - Leben heute" am 30. November 1987 bot eine Reflexion von Michael Köhlmeier über den Ratgeberboom in den Buchläden, einen Bericht von Hubert Gaisbauer über den Kampf eines geschiedenen Elternpaares um das Sorgerecht für das Kind und eine Betrachtung von Alexander Bachl zum Thema "guter Käse ist nicht schön". - "Zwanzig Jahre später schmecken optisch makellose Käse noch immer selten gut, eine Generation später kämpfen weiterhin Eltern darum, ihren Kindern über die Grenzen von emotionalen und auch staatlichen Barrieren hinweg nahe zu sein, haben die Ratgeber über das Buchregal hinaus Printmedien, TV-Stationen und das Internet erobert. Der Alltag des Menschenlebens war, ist und bleibt ein tägliches Abenteuer. Die Menschen, ergo die Abenteurer des Alltags, stehen im Mittelpunkt von ‚Moment’. Die Mikrofone versuchen präzise jene Themen, Erlebnisse und Beobachtungen einzufangen, die abseits des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Tagesgeschehens liegen", erläutert der Sendungsverantwortliche Alexander Bachl.

"Im Gespräch", Donnerstag ab 21.01 Uhr

"Eigentlich müsste ‚Im Gespräch’ im McInfo-Zeitalter, in dem Information im Regelfall bloß SMS-Gehalt hat, längst das Publikum abhanden gekommen sein. Doch dieses erweist sich auch 20 Jahre nach Gründung der Sendung als resistent und hält dem Gespräch, der Urform der Kommunikation, unverdrossen die Treue. Franz Schuh meinte einmal, man könne bei ‚Im Gespräch’ Zuhören lernen. An der bewährten Form hat sich nichts geändert: ‚Zwei Menschen sitzen einander gegenüber und reden miteinander.‘ In Summe geht es in allen Gesprächen um die Suche nach Standorten, um die redliche Überprüfung der eigenen Haltung, ob Urteile tatsächlich Urteile und nicht bloß Vorurteile sind", so "Im Gespräch"-Leiter Michael Kerbler.

"Terra incognita", Donnerstag ab 11.40 Uhr

Friederike C. Raderer: "Wirklich schon zwanzig Jahre? Dabei kommt es mir wie gestern vor, dass ich meine erste ,Terra‘ gemacht habe, damals noch in der sehr aufwendigen Form, sowohl Musiker als auch Autoren aus derselben Weltgegend vorzustellen. Ich kann mich gut erinnern, dass mich Alfred Treiber fragte, nachdem er die erste Sendung, eine peruanische, angehört hatte: ‚Und, glaubst Du, es gehen sich mehr als zehn aus?‘ Die Bücher, die ich für ‚Terra incognita’ gelesen habe, ich kann sie nicht zählen. Aber feststeht, dass jedes einzelne, fröhlich oder ernst, mein Leben bereichert hat."

"Radiogeschichten", Montag bis Mittwoch, jeweils ab 11.40 Uhr

"In den ‚Radiogeschichten’ werden Originaltexte der Weltliteratur in ‚kleinen Dosen‘, in Form von Kurzgeschichten, serviert. Meist sind es unterhaltsame, spannende, berührende, manchmal auch irritierende Erzählungen aus aller Welt. Berühmte Schriftsteller der Vergangenheit - Maupassant, Tschechow, Twain, Schnitzler - kommen hier ebenso zu Wort wie Vertreter der zeitgenössischen Literatur jenseits der Grenzen - Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing, Ray Bradbury, Rafik Schami, Etgar Keret. Gelesen werden die Geschichten von bekannten Schauspielern und Schauspielerinnen. Und nicht selten passiert es, dass jemand nach dem Einparken noch einige Zeit im Auto verharrt, um das Ende der Geschichte, der Radio-Geschichte, zu erfahren", so Edith Vukan über das Sendungskonzept.

"Ambiente - Von der Kunst des Reisens", Sonntag ab 10.06 Uhr

Am 6. Dezember 1987 ging "Ambiente" erstmals auf Sendung. Damals war das heutige Reisemagazin noch eine bunt gemischte Wochenendbeilage zum sonntäglichen Radioprogramm. Über Reisen in die ganze Welt wurde aber auch schon damals berichtet. 20 Jahre später bietet "Ambiente" in seiner Jubiläumssendung am 2. Dezember (10.06 Uhr, Ö1) u. a. Kostproben dieser frühen Reisefeatures, ein Wiederhören mit dem ersten Moderator Dieter Dorner und eine Reise-Glosse von Reinhard Tramontana. Producerin Ursula Burkert:
"Seit 20 Jahren ist die Ambiente-Redaktion unterwegs, um die Vorstellungswelt der Ö1 Hörer/innen zu bereichern. Was die Journalist/innen suchen und zu vermitteln trachten, ist einfach und schwierig zugleich: das Besondere im Alltäglichen aufzuspüren und den Alltag in der Ferne zu erfahren, historische Zusammenhänge zu durchdringen um die Gegenwart zu begreifen, sowie das Reisen mit allen Sinnen - das Schauen, Riechen, Schmecken - wieder neu zu entdecken".

"Kunstradio - Radiokunst", Sonntag ab 23.05 Uhr

"Kunstradio arbeitet seit seinem Bestehen mit österreichischen und internationalen Künstler/innen aus den unterschiedlichsten Kunstbereichen intensiv zusammen. Radio wird zum Gegenstand der künstlerischen Reflexion, zum Instrument, zum Kommunikationsraum und gelegentlich im erweiterten Sinn über das Senden hinaus genutzt. Seit 1995 betreiben Künstler/innen die Website kunstradio.at, die als Ankündigungs- und Dokumentationsmedium dient und bei manchen Projekten einen der vernetzten Schauplätze darstellt. Der Großteil der gesendeten Radiokunstarbeiten wird extra für das Kunstradio produziert, seit 2004 auch im Format 5.1", erklärt Sendungsverantwortliche Elisabeth Zimmermann. Nähere Informationen zum Programm von Österreich 1 sind abrufbar unter http://oe1.ORF.at (ih, hb)

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