Ärztekammer: Keine Deckelung bei Honoraren

Steinhart erteilt Absage an Bittner: "Mehr Patienten, weniger Einkommen? Sicher nicht!"

Wien (OTS) - Ein klare Absage zur Deckelung der Kassenhonorare der niedergelassenen Wiener Ärztinnen und Ärzte erteilte heute, Dienstag, Johannes Steinhart, Vizepräsident der Ärztekammer für Wien. "Mehr Patienten, aber weniger Einkommen? Diesen Deal werden wir sicherlich nicht mittragen", betont Steinhart. Der Vizepräsident reagiert damit auf die neuerliche Beteuerung des Obmanns der Wiener Gebietskrankenkasse, Franz Bittner, die Kasse sei bankrott. Bittners Forderung nach einem Deckel der ärztlichen Honorare stoße bei ihm auf "absoluten Granit", so Steinhart. ****

Die Wiener Arztpraxen würden einen jährlichen Patientenzuwachs von 4 bis 5 Prozent verzeichnen. Die Zunahme an Leistungen müsse den Ärztinnen und Ärzten bezahlt werden, "wie in jedem anderen Beruf auch". Jeder Freiberufler und Gewerbetreibende werde pro Auftrag bezahlt, "warum sollte das bei uns Ärzten anders sein?", kann der Vizepräsident die Äußerungen Bittners nicht nachvollziehen. Es sei "absolut unverfroren", die Ärzte für die Finanzierung des Finanzlochs der Kasse zur Verantwortung zu ziehen, zeigt sich Steinhart verärgert.

Einerseits solle man den Patienten die beste Behandlung nach dem neuesten medizinischen Entwicklungsstand zukommen lassen, andererseits "ist es nicht klar, dass und wie viel wir künftig dafür bezahlt bekommen", so Steinhart. Der WGKK-Obmann "verlangt Unmögliches von den Ärzten", so der Vizepräsident. "Will Bittner nun den Patienten etwa verbieten, krank zu werden, oder sollen die Ärzte künftig unentgeltlich arbeiten?" Beides sei wohl nicht in die Realität umzusetzen.

"Politik muss endlich ihrer Verantwortung nachkommen"

Die Zeit sei "überreif dafür, dass die Politik eingreift". Es sei dringend notwendig, dass die Politik endlich "Geld in die Hand nimmt und dafür sorgt, dass der hohe Medizinstandard in der Bundeshauptstadt gewährleistet bleibt". Wenn dies nicht geschehe, müsse man den Ärztinnen und Ärzten wie auch den Patienten raschest mitteilen, welche Leistungen künftig privat bezahlt werden müssten und nicht mehr von der Kasse übernommen würden.

"Wir sind das drittreichste Land in der Europäischen Union. In einer Stadt wie Wien ist die Finanzierung einer anständigen Gesundheitsversorgung nach State of the Art keine Frage des Könnens, sondern des Wollens", so der Vizepräsident. In diesem Sinne verstehe er, Steinhart, auch nicht, dass sich die Spitzen der Bundespolitik bislang noch nicht in die Diskussion rund um die Finanzmisere der Krankenkasse eingeschalten hätten.

Der Einberufung eines Trafikantengipfels und der Besprechung von deren Problemen beim Verkauf von Zigaretten werde mehr Zeit eingeräumt als den gesundheitspolitischen Brennpunkten. "Wenn es darum geht, die medizinische Grundversorgung in unserem Land sicherzustellen, schweigen sich sowohl Kanzler als auch Vizekanzler aus", kritisiert der Vizepräsident. Für Steinhart ist dies ein neuerlicher Beleg dafür, dass "hierzulande Wirtschaftsinteressen schon lange die Oberhand gegenüber den Interessen der Menschen gewonnen haben". (kp)

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