Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Holt sie doch herein!

Wien (OTS) - Polens Schüler haben neuerdings einen besonders starken Anreiz, eifrig zu studieren: Maturanten mit guten Noten und guten Englischkenntnissen können nämlich in ein Programm der Londoner Regierung kommen, das ihnen ein volles Studium in Großbritannien -samt Quartier - finanziert. Das ist nicht nur für junge Polen attraktiv.

Das ist zugleich ein kleines, doch signifikantes Beispiel, worum es in der Zuwanderungspolitik wie in der Bildungspolitik tatsächlich gehen müsste: um den Unterschied zwischen einer klugen und einer dummen Politik. Jedes Land braucht im Hightech-Zeitalter, das überdies von einem europaweiten Geburtenmangel geprägt ist, für seine Zukunft möglichst viele wirklich kluge, begabte und motivierte Köpfe. Wenn die heimische Bildungspolitik hingegen von leistungsfeindlicher Gleichmacherei beherrscht wird und jede Auslese verachtet, dann werden uns jene Staaten überholen, die sehr wohl gezielt "aussortieren".

Gleiches gilt für eine Ausländerpolitik nach Vorgaben der Grünen und einiger christlich-linker Nichtregierungsorganisationen. Unter deren Druck wurde jahrelang die Zuwanderung ohne jeden Blick auf den internationalen Wettbewerb forciert. Gerade die Fälle, welche diese Lobby selbst regelmäßig gezielt in die Öffentlichkeit bringt, sind ja der beste Beweis für diesen Vorwurf. Nicht einmal bei diesen ausgewählten Fällen kann Grün & Co. den Eindruck vermitteln, dass es um einen Zugewinn für Österreich ginge.

Dabei geht es ja ohnedies nie um diejenigen, deren Asylantrag angenommen wird. Die können selbstverständlich bleiben - obwohl auffällt, dass der heimische Verwaltungsgerichtshof statistisch gesehen viel freizügiger Asyl gewährt als die Richter aller anderen Staaten.

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Die Grünen haben oft kritisiert, wenn ein Aufsichtsrat Geschäfte mit der beaufsichtigten (Staats-)Firma macht, obwohl das rechtlich durchaus erlaubt ist. Angesichts so viel moralistischen Sauberkeitsempfindens der Grünen fällt ihre eigene Praxis doch recht seltsam auf: Keiner in dieser Partei findet etwas daran, dass ihr Abgeordneten-Kollege Wolfgang Zinggl gleichzeitig Aufsichtsrat eines staatlichen Museums ist. Dass er sich also als Abgeordneter selbst kontrollieren muss . . .

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