Handke schreibt Theaterstück über Kärntner Partisanen

Kritik an Kärntner Politik

Wien (OTS) - Peter Handke, der am 6. Dezember 65 wird, bereitet
ein Theaterstück über die Kärntner Partisanen im Kampf gegen Hitler vor. Das erklärt der österreichische Schriftsteller in einem Interview für die morgen erscheinende NEWS-Ausgabe.. Handke: "Ich möchte im nächsten Jahr einmal ein ganz traditionelles Stück versuchen, über das Kärntner Partisanenproblem, aber mit weltweiter Gültigkeit. Ich grüble seit Jahren darüber, wie man das allgemeiner machen kann, dass es nicht nur zwei Völker und eine Landschaft betrifft. Wie kann man den Widerstand dramatisch erzählen? Wie eine Tragödie schreiben? Ich habe noch nie eine richtige Tragödie geschrieben, ,Kaspar’ vielleicht ausgenommen. Ich bin im Grund feig, aber jetzt möchte ich mich dem Tragischen aussetzen. Ich als antitragischer Mensch möchte mich auf den Weg machen, das Tragische zu erforschen. Anhand oder an den Füßen des Widerstands gegen Hitler in Kärnten, der ja der einzige bewaffnete Widerstand eines Volkes auf dem Bodes des sogenannten Dritten Reichs war. Über den Tod der beiden Brüder meiner Mutter im Zweiten Weltkrieg bin ich seit je darauf gestoßen. Ich träume auch davon. Und es ist immer ein Zeichen, dass man das Recht hat, über etwas zu schreiben, wenn man davon geträumt hat."

Für Kärnten spüre er trotz der politischen Lage nach wie vor starke Heimatgefühle, sagt Handke im Interview: "Wenn ich in Kärnten bin, spüre ich diesen Antagonismus nicht. Ich will ihn auch nicht sehen, Ich sehe drüber hinweg. Ich sehe meine Freunde, meinen Bruder, die Natur. Wenn ich kann, dann wandere ich. Ich sehe die Leute aus meinem Dorf, und die identifiziere ich nicht mit dem offiziellen Kärnten. Ich kenne niemanden, den ich mit dem Schlagzeilenkärnten zusammenbringe." Handke weiter: "Es ist lächerlich, wenn sie die Ortstafeln einmal abschaffen und dann in drei Sprachen wieder aufstellen wollen, mit Friulanisch dazu. Eine Lächerlichkeit, die tötet. Leider tötet sie nicht sich selbst, denn Leute, die so etwas vorschlagen, sind schon seelisch tot. Aber sie töten mit ihrer toten Lächerlichkeit die Seele der anderen, die Seele des Landes. Es ist eine Lächerlichkeit, die das Land tötet."

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