Initiative Film TV - Offener Brief an den Bundeskanzler

Wien (OTS) - OFFENER BRIEF AN DEN BUNDESKANZLER

Herrn
Bundeskanzler
Dr. Alfred Gusenbauer
Ballhausplatz 2
1010 Wien

Wien, am 21. November 2007

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler!

Ihre Medienpolitik ist dringend gefordert. Der österreichischen Filmwirtschaft droht das Aus, wenn nicht rasch Maßnahmen gesetzt werden, die die gegenwärtigen Trends umkehren.

Wir sprechen von noch 2500 Arbeitsplätzen und der medialen Wahrnehmung Österreichs im In- und Ausland.

Die Österreichische Filmwirtschaft hat am 16. November 2007 gemeinsam mit namhaften Filmschaffenden zu einer viel beachteten Pressekonferenz geladen. Dabei wurde vornehmlich auf die logischen Folgen für den österreichischen Film hingewiesen, die sich durch die Sparpolitik des ORF ergeben.

Das Geld wäre vorhanden: Die Österreicher zahlen jährlich 700 Mio. Euro an Rundfunkgebühren; davon erreichen nur 475 Mio. Euro den ORF. Der Rest wird von Bund und Ländern zweckentfremdet abgezweigt.

Österreichische Filme / Serien / Dokus benötigen:

- eine gesetzliche Zweckbindung von 25 % der Rundfunkgebühren

- einen starken, ausreichend finanzierten ORF

Das Volumen des ORF für österreichische Filme, Serien und Dokus wurde bereits in den letzten Jahren dramatisch reduziert (z.B. wurden die Fiction-Sendebudgets von 2001 bis 2007 halbiert!) und erreicht 2007 nur mehr ca. 40 Mio. Euro (= weniger als 5 % des ORF-Umsatzes). Durch die vom ORF für 2008/09 angekündigte Sparpolitik - allein beim Spielfilm sollen im nächsten Jahr weitere 10 Mio. Euro (von derzeit nur mehr 30 Mio. Euro) eingespart werden - droht zahlreichen österreichischen Filmfirmen der Konkurs und somit der unwiederbringliche Verlust von Infrastruktur und Personal. Damit verliert der ORF seine Existenzgrundlage und seine Gebührenlegitimation und wir laufen Gefahr, den wichtigsten Kulturträger des Landes zu verlieren.

Der ORF hat die Produktion fiktionaler Programme massiv zurückgefahren. Die Lücken füllt der größte Auftraggeber der heimischen Filmwirtschaft mit kurzsichtig eingekauften Programmen -und dies, obwohl wir wissen: Die österreichischen Programme haben die höchsten Quoten. Wo Österreichischer Rundfunk draufsteht, sollte auch Österreich drin sein!

In Zeiten globalisierter Medienrezeption wird es vor allem für kleine Länder immer wichtiger, ihre kulturelle Position grenzüberschreitend darzustellen, Eigenständigkeit zu behaupten und Identität zu bewahren. Die gegenwärtige Politik des ORF ist darauf gerichtet, die Bedeutung österreichischer Identität zu verkennen, die Stellung des heimischen Filmschaffens zu untergraben und damit auch die INNENPOLITISCHE BERICHTERSTATTUNG.

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, wir fordern Sie auf, die sich abzeichnende Entwicklung rasch zu stoppen. Als Regierungschef dieses Landes haben Sie zu verantworten, wenn nach jahrelangem Zusehen auch jetzt nichts geschieht.

Jetzt sind rasche Handlungen notwendig. Es liegt in Ihrer Hand!

Mit dem Ausdruck unserer vorzüglichen Hochachtung
für die Initiative Film TV:

FACHVERBAND DER AUDIOVISIONS- UND FILMINDUSTRIE

Dr. Werner Müller

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INITIATIVE FILM TV
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