Contergan-Skandal: Ehrenring der Sozialversicherung an Dr. Ingeborg Eichler

Wien (OTS) - Für ihre unschätzbaren Verdienste im Zusammenhang mit dem in Deutschland aufgetretenen "Contergan"-Skandal und dessen Verhinderung in Österreich wird die Pharmakologin, Frau Hofrat Dr. Ingeborg Eichler im Dezember dieses Jahres der Ehrenring der österreichischen Sozialversicherung verliehen werden. Dies beschloss in seiner gestrigen Sitzung der Verbandsvorstand des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger.

Frau Hofrat Dr. Eichler legte vor 50 Jahren, im Oktober 1957, als einziges Mitglied der Zulassungskommission für Arzneimittel ihr Veto gegen einen "rezeptfreien" Vertrieb der damals in Österreich unter dem Namen "Softenon" zugelassenen Arznei ein und verhinderte damit eine Potenzierung der in Österreich "überschaubaren" Katastrophe um ein Vielfaches. Die damals 34-jährige Jungmedizinerin berief sich auf noch ungesicherte Ergebnisse in Tierversuchen und setzte als einzige Frau dieser ministeriellen Zulassungsbehörde für Medikamente die ärztliche Verschreibungspflicht durch. Durch diese Beschränkung konnte - im Unterschied zur benachbarten Bundesrepublik Deutschland, wo eine rezeptfreie Abgabe praktiziert wurde - die Anzahl der in Österreich aufgetretenen Körperbehinderungen bei Säuglingen mit 12 Fällen in Grenzen gehalten werden. In der Nachbarrepublik Deutschland, deren Bevölkerungszahl zu dieser Zeit etwa das Zehnfache Österreich's betrug, wurden bis zum Jahr 1961, als das Medikament wieder vom Markt genommen wurde, rund 4.000 "Contergan-Fälle" verzeichnet. Die Reichweite und Dimension der Intervention dieser mutigen Frau lässt sich daraus erahnen.

Frau Dr. Eichler wurde 1923 in Znaim geboren, studierte ab 1943 Medizin und promovierte 1948 an der Universität Wien sub auspiciis präsidentis. Danach übernahm sie bald die Leitung der Bundesstaatlichen Anstalt für experimentell pharmakologische und balneologische Untersuchungen und wurde ab 1953 Mitglied der Rezeptpflichtkommission und der Zulassungskommission für Arzneimittel. 1983 trat Frau Dr. Eichler in den Ruhestand.

Die österreichische Sozialversicherung ist heute ein Garant dafür, die Interessen der Versicherten zu wahren und eine bestmögliche medizinische Versorgung zu gewährleisten, sodass sich eine medizinische Katastrophe wie in den 50-er Jahren des 20. Jahrhunderts nicht mehr wiederholen wird. Die Heilmittel-Evaluierungs-Kommission (HEK) als Fachbeirat des Hauptverbandes empfiehlt die Annahme bzw. Ablehnung von Angeboten der pharmazeutischen Industrie, nachdem sie die Prüfung neuer Produkte mit besonderer Sorgfalt vornimmt.

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Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger
Dr. Wilhelm Donner
Tel.: 711 32-1124

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