"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der herbeigeredete Krieg" (von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 18.11.2007

Graz (OTS) - Österreichs Pensionisten bekommen 2008 nicht nur die Teuerung abgegolten, sondern ein bisserl was dazu. Weil die Älteren in unterschiedlichen Welten leben, hat der Gesetzgeber das Bisserl ausdifferenziert. Bei den Mindestpensionen macht es 2,9 Prozent aus. Die Betroffenen brauchen es bitter, wissend, dass es sie nicht aus ihrer Welt herausführen wird. Die Not bleibt. Das Plus schmilzt mit der Höhe der Pension. Den oberen ASVGlern und den ruhenden Beamten bleiben brutto 36 Euro mehr im Monat. Oben wurde nicht mehr feindifferenziert, obwohl das auch noch einmal zwei Welten sind.

Selbst wenn man sein ganzes aufrührerisches Potenzial freilegt: Als eine Zumutung, wie das die Sozialexperten behaupten, kann man diese Pensionserhöhung aus der Sicht eines Jüngeren nicht empfinden. Weder die 36 Euro brutto noch die 2,9 Prozent für die Mindestrentner taugen als "Anschlag auf die Jungen". Diese mutwillige Militarisierung findet auf der Gefühlsebene keine Entsprechung. Sie ist Unfug und Gift für den Zusammenhalt.

Wer vom "Krieg der Generationen" redet, unterstellt Alt und Jung Schlechtigkeit und niedere Instinkte: Weder neiden die Jüngeren der Elterngeneration die Teilhabe am Wohlergehen, noch sind die Senioren ein selbstsüchtiges, raffgieriges Kollektiv, das sich hedonistisch mit fetten Pensionen auf Kosten der Kinder und Kindeskinder austobt. Viele der Älteren geben weiter, was sie sich erarbeitet haben. Sie geben es an die Jungen weiter. Ihr Los ist ihnen nicht gleichgültig. Das lehrt die Erfahrung.

Es gibt also keinen Grund, einen Konflikt, der im Zusammenleben nicht existiert, anzuheizen und der älteren Generation ein moralisch schuldhaftes Verhalten anzudichten.

Der Konflikt besteht einzig auf der Ebene der Versicherungsmathematik, und für dieses Fach ist die Politik zuständig. Sie schwänzt es beharrlich.

Die Jüngeren sichern mit ihren Beiträgen die Pensionen der Älteren, im Vertrauen darauf, dass auch sie dereinst von den Nachkommenden getragen werden. Der demografische Wandel höhlt das System aus und das Vertrauen. Die Jungen spüren: Sie leben in einer entsicherten Welt. Das gilt für die Jobs, die Beziehungen, die Zukunft. Sie sollen für sie Vorsorge treffen und scheitern an der Gegenwart. Die Politik ist kein Bündnispartner, sie tut nur so. Sie beseitigt nicht die Privilegien und Schlupflöcher des Pensionssystems. Sie macht es nicht wetterfest für die Jungen, sondern wiegt diese in falscher Sicherheit, zuvorderst der Sozialminister und Jugendversteher.

Das ist es, was die Jungen erzürnt. Und nicht die 36 Euro für den Großvater. ****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001