"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wer die Kuh nicht füttert, wird keine Milch bekommen" (von Frido Hütter)

Ausgabe vom 17.11.2007

Graz (OTS) - Der ORF hat es wirklich nicht leicht. Das
Senderangebot multipliziert sich monatlich, die einzelnen Reichweiten werden dementsprechend schmäler, die Werbetarife weisen nach unten, die Ausgaben für technische Innovationen steigen. Und statt demütig dem abendlichen TV-Hochamt entgegenzufiebern, schreiben sich die Kids SMS wie "C U 2night" - Seh dich heute Abend.

Die Lizenzen für Filme und Sportereignisse explodieren. Allein für Fußball-EM und Olympia muss der ORF heuer um die 30 Millionen Euro einsetzen. Um diese Summe hat man in den 70er-Jahren das gesamte Unternehmen ein Jahr lang finanziert. Ist der Österreichi-sche Rundfunk also am Anfang von seinem Ende? - Nein, aber nur, wenn er mehr Phantasie entwickelt und die Defensive verlässt.

Nehmen wir die Zeitungen, also auf Neudeutsch: die Printmedien als Beispiel dafür, wie so etwas gehen könnte. Die haben in den Jahren ihres Bestehens Attacken überwunden, die man ins Medizinische übersetzt als Pest, Cholera, Asiengrippe bezeichnen könnte.

Am Anfang war das Radio. Warum noch Nachrichten lesen,

wenn man sie schon gehört hat?! Dann kam das Fernsehen. Warum noch Nachrichten lesen, wenn man sie schon gehört und gesehen hat?!!

Dann kamen Internet, I-Pod, Mobil-Telefon, SMS etc. Warum also überhaupt noch eine Zeitung anfassen? Millionen Menschen tun es dennoch täglich. Gern sogar.

Die Gründe dafür sind mannigfaltig, hier ein paar davon: Viele Zeitungen gestalten sich als etwas, das man "Heimat für Leser" nennen könnte. Sie bieten selbst generierte Inhalte, die man hier und sonst nirgendwo bekommen kann. Neudeutsch: Content. Sie erobern mit diesen Inhalten neue technische Plattformen, die weit über Papier hinausreichen. Und sie stehen in enger Konversation mit ihren Lesern.

Nun würde sich der ORF schon wegen seines Gesetzesauftrags schwer tun, sich in Richtung Papier zu erweitern. Aber sonst sind ihm kaum Grenzen gesetzt. Auch ein elektronisches Äquivalent zu den Leserforen der Zeitungen zu schaffen, ist ihm unbenommen.

Am meisten kann das Fernsehen indes an Kreativität verdienen, die vorderhand kostet, im internationalen Rechtehandel aber viel bringen kann. Die US-TV-Industrie hat viele andere Wirtschaftssparten verblasen. Und für Teile des europäischen Privatfernsehens gilt Ähnliches.

Es geht um Inhalte. Dort zu sparen, heißt, der Milchkuh das Futter zu entziehen. Kein Bauer würde dies je tun. ****

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