Wilhelm Exner Medaille 2007 an Dr. Peter Palese (2)

Der Österreichische Gewerbeverein ehrt den Spitzenforscher Palese

Wien (OTS) - Sperrfrist: 18.11.2007 11:00
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Der Österreichische Gewerbeverein (ÖGV) hat die Wilhelm Exner Medaille 2007 an Univ.-Prof. Dr. Peter Palese, der nicht nur ein hervorragender Vertreter der akademischen Spitzenforschung ist, er hat sich auch sehr intensiv mit den medizinischen Anwendungen seiner Erkenntnisse befasst. So kann er auf 40 erteilte Patente verweisen. Er hat mehrere Biotechnologie-Firmen gegründet, einschließlich der Firma AVIRON, die in der Folge von MedImmune und zuletzt von AstraZeneca erworben wurde. Peter Palese hat somit an der technologischen Entwicklung von Impfstoffen namhaften Anteil und zeigt vor allem durch seine jüngsten Arbeiten über Influenza-Pandemien seine enge Verbundenheit mit den aktuellen Problemen der medizinisch-industriellen Praxis.

Mit Univ. Prof. Peter PALESE zeichnet der ÖGV einen weltweit anerkannten Spitzenforscher auf dem Gebiet der Virologie aus. Peter Palese, Jahrgang 1944, hat an der Universität Wien Pharmazie und Chemie studiert und wurde in seiner wissenschaftlichen Anfangsphase von Professor Hans Tuppy als Molekularbiologe ausgebildet. Seine steile wissenschaftliche Karriere begann 1970 in den USA, als er zunächst als Postdoctorand an das international hoch angesehene Roche Institute of Molecular Biology in Nutley, New Jersey, ging. Das war damals die Zeit, als die Molekularbiologie einen enormen Aufschwung erlebte und vor allem die biologische und medizinische Forschung ganz wesentlich veränderte.

Peter Palese wurde dann in rascher Folge Assistant Professor, Associate Professor und bereits mit 34 Jahren Full-Professor für Mikrobiologie an der weltberühmten Mount Sinai Medical School in New York, wo er seit 1987 auch die Position des Chairman des Departments für Mikrobiologie bekleidet.
Sein Spezialgebiet in der Forschung waren und sind RNA-Viren. Sehr früh begann sich Peter Palese mit der Molekularbiologie und genetischen Analyse der Influenzaviren zu befassen. Er erstellte die ersten genetischen Karten für die drei Influenzavirus-Typen A, B und C und befasste sich mit der Aufklärung der vielfältigen Funktionen der Virusgene und deren Produkte. So war er der erste, der die Funktion für die virale Neuraminidase und die Möglichkeit zur Hemmung dieses Enzyms und somit auch die Hemmung der Virusvermehrung zeigen konnte. Warum ist die Inhibition der Neuraminidase so wichtig bei der Bekämpfung von Grippe? Bei einer Infektion bindet das Influenzavirus zunächst über spezifische Moleküle auf seiner Hüllschicht an die Oberfläche von Wirtszellen, dringt in der Folge in die Zellen ein und vermehrt sich dann im Zellinneren. Die neu gebildeten Viren knospen dann an der Zelloberfläche aus, bleiben aber so lange über Rezeptoren an die Produktionszelle gebunden, bis diese Bindung mit Hilfe der viralen Neuraminidase gespalten wird. Erst durch die Freisetzung der Viren können weitere Zellen infiziert werden. Ganz entscheidend war nunmehr die Erkenntnis, dass, mit Hilfe von Neuraminidasehemmern, die Freisetzung der zellgebundenen Viren unterbunden bzw. verlangsamt werden kann und somit die neu gebildeten Viren auch nicht im Körper zur Ausbreitung kommen können. Die Neuraminidasehemmer (dazu gehört beispielsweise TAMIFLU) sind heute die Medikamente der Wahl gegen Influenzaviren und werden weltweit zur Bekämpfung einer potentiellen Pandemie vorrätig gehalten.

Ein zweiter Schwerpunkt betrifft die Entwicklung eines Verfahrens, das es ermöglicht, Influenzaviren zu rekonstruieren. Das von Palese entwickelte Verfahren ist bahnbrechend und hat die Influenzaforschung revolutioniert. So lassen sich nunmehr gleichsam maßgeschneidert im Reagenzglas ganz spezifische Influenzaviren für die Impfstoffproduktion herstellen. In letzter Zeit gelang es auch, aus genetischen Bruchstücken, die übrig geblieben waren, das Influenzavirus aus dem Jahr 1918 zu rekonstruieren. Dieses Virus hat ja die größte dokumentierte Influenza-Pandemie (die so genannte Spanische Grippe) ausgelöst. Das Verstehen der molekularen Ursachen für die Intensität der Grippeepidemie von 1918 ist auch entscheidend für mögliche präventive Maßnahmen in Zusammenhang mit dem vermuteten Auftreten einer neuerlichen Epidemie durch die gegenwärtig auftretende N5H1-Variante des Vogelgrippevirus.

Ungeachtet seiner hervorragenden Stellung in den USA, welche durch zahlreiche Auszeichnungen und unter anderem durch die Wahl in die National Academy of Sciences der USA im Jahre 2000 und dem Ehrendoktorat der Mount Sinai School of Medicine 2006 dokumentiert ist, hat Peter Palese seine Beziehung zu Österreich stets aufrecht erhalten. Er ist beispielsweise in ungewöhnlich intensivem Ausmaß als Gutachter und Berater des FWF und der Bundesregierung tätig.

Seine Leistungen wurden daher auch in Österreich gewürdigt. So erfolgte 2002 seine Wahl in die Österreichische Akademie der Wissenschaften als korrespondierendes Mitglied im Ausland und 2005 die Verleihung des Österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst. Eine international besonders herausragende Auszeichnung wurde ihm 2006 mit der Zuerkennung des Robert Koch-Preises zuteil.

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