ÖAMTC: Winter hat Ostösterreich im Griff - "Fahrendes Iglu" kann teuer werden

Abschleppfahrzeuge stehen entlang der Autobahn bereit, um im Stau stehende Fahrzeuge, denen Sprit ausgegangen ist, rasch aus dem Verkehr zu holen

Wien (OTS) - Starthilfe, Ketten anlegen, liegengebliebene
Fahrzeuge freischaufeln - die ÖAMTC-Pannenhilfe im Osten Österreichs arbeitet auf Hochtouren. Abschleppfahrzeuge stehen im Bereich der Wiener Außenringautobahn (A21) und der West Autobahn (A1) bereit, weil damit zu rechnen ist, dass den Fahrzeuglenkern, die schon die ganze Nacht im Stau stehen, der Sprit ausgeht. Ein eindringlicher Appell der Clubexperten an all jene Autofahrer, die gerade erst losfahren: Das Auto völlig frei von Schnee machen, "fahrende Iglus" sind gefährlich und, wer keine Winterreifen montiert hat, soll das Auto unbedingt stehen lassen.

ÖAMTC-Juristin Verena Pronebner gibt Tipps, um Ärger und Stress im Schneechaos so gut es geht zu vermeiden:

* Im Sinne der eigenen Sicherheit und aus Rücksicht auf die anderen Verkehrsteilnehmer sollte man in jedem Fall das Fahrzeug vor Fahrtantritt immer vollständig abkehren, appelliert die ÖAMTC-Expertin an die Autofahrer. Besonders Lkw-Lenker sollten sich ihrer gefährlichen Dachlasten, von denen sich auch Eisplatten und schwere Schneebrocken plötzlich lösen können, bewusst sein. Bei einem Unfall ist mit unangenehmen Folgen zu rechnen. Die eigene Haftpflichtversicherung kommt nach einem Crash zwar für die finanziellen Schäden auf, es droht aber eine Rückstufung Richtung Malus. Kommt es zusätzlich zu Personenschäden, drohen außerdem strafrechtliche Folgen. Auch die Polizeistrafe ist nicht ohne:
"Theoretisch ist eine Strafe von bis zu 5.000 Euro möglich", so die Club-Juristin. Kleine Gucklöcher in der Windschutzscheibe sind definitiv nicht ausreichend."

* Auch die Beleuchtung und das Kennzeichen müssen vor Fahrtantritt schneefrei und sichtbar gemacht werden. Abgesehen davon, dass nach wie vor die gesetzliche Verpflichtung besteht, auch tagsüber mit Licht zu fahren, sollte man gerade bei diesem das Licht einschalten.

* Sommerreifen auf Schneefahrbahn: Wer noch keine Winterreifen montiert hat, muss das Auto stehen lassen. Bei einem Unfall mit Sommerreifen bleibt der Versicherungsschutz allerdings aufrecht. Die Haftpflichtversicherung muss in jedem Fall zahlen und kann keine Regressansprüche an den Fahrzeugbesitzer stellen. Auch die Kaskoversicherung kann nur dann aussteigen, wenn dem Autolenker weitere grobe Unachtsamkeiten nachgewiesen werden können. Etwa dann, wenn der Lenker bei winterlichen Fahrverhältnissen mit Sommerreifen viel zu schnell unterwegs war. "Das sollte aber nicht als Freibrief gesehen werden, weil Fahren im Winter mit Sommerreifen immer ein Sicherheitsrisiko darstellt", sagt die ÖAMTC-Juristin.

* Haftung des Straßenhalters: Nur selten kann der Straßenhalter verantwortlich gemacht werden, wenn ein Autofahrer auf einer schlecht geräumten Straße einen Unfall hat. Bei Mautstraßen - und dazu zählen aufgrund der Vignettenpflicht auch alle Autobahnen - gilt eine Beweislastumkehr zugunsten der Autofahrer. Dem Straßenhalter muss der Beweis gelingen, dass er bei der Straßenräumung nicht fahrlässig gehandelt hat. Auf allen anderen Straßen kann eine Ersatzpflicht für "Rutschschäden" nur bei grob fahrlässiger Unterlassung der Streuung durchgesetzt werden. "Hier müsste der geschädigte Lenker beweisen, dass die Verantwortlichen untätig geblieben sind, obwohl eine Räumung und Streuung möglich gewesen wäre", fasst ÖAMTC-Juristin Pronebner die Problematik zusammen. Allerdings, selbst wenn ein solcher Nachweis gelingt, muss unter Umständen der geschädigte Fahrzeugbesitzer damit rechnen, dass er einen Teil der Kosten selbst tragen muss, etwa dann, wenn er mit einer nicht an die winterlichen Fahrbahnverhältnisse angepassten Geschwindigkeit unterwegs war.

* Macht ein Fahrzeug bei tieferen Temperaturen immer wieder Probleme und lässt sich schwer starten, sollten Verbraucher, die bei der Zündung Strom ziehen, wie Gebläse, Radio oder Sitzheizung, vor dem Starten deaktiviert werden. Alles auf einmal beansprucht die Batterie zu sehr. Besser zuerst die Scheiben freimachen, dann das Radio einschalten und zu guter Letzt die Sitzheizung aktivieren.

* Sind die Wischerblätter einmal festgefroren, auf keinen Fall den Scheibenwischer betätigen. Die Gefahr, dass die Scheibenwischerblätter und der Wischermotor beschädigt werden, ist besonders groß. Zum Lösen empfiehlt sich, auf die Wischerblätter ein Enteisungsmittel aufzutragen. Scheibenfrostschutz rechtzeitig einfüllen und die Pumpe mehrmals betätigen. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass der Frostschutz auch die Düsen erreicht und diese nicht zufrieren.

* Was im Winter keinesfalls im Auto fehlen darf: Handschuhe, Schneebesen, Eiskratzer und eventuell ein Starthilfekabel. Bei Fahrten in höher gelegene Regionen sind Schneeketten und eine Klappschaufel mitzuführen.

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