"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Europa gibt den Weg vor" (Von PETER NINDLER)

Ausgabe vom 16. November 2007

Innsbruck (OTS) - Die Südtirol-Politik hat so ihre Tücken. Daran hat sich auch seit der Streitbeilegungserklärung von 1992 nichts geändert. Reicht die Autonomie aus oder muss 89 Jahre nach der Zerreißung Tirols die Selbstbestimmung bzw. die Wiedervereinigung das erklärte Ziel sein?

Zwischen diesen Polen bewegt sich die durchaus emotionale politische Debatte - diesseits und jenseits des Brenners. Wenngleich es immer eine Frage der Perspektiven ist. Denn im Jahr 2007 ist Südtirol eine Erfolgsgeschichte. Die Grenzen sind keine Hürden mehr, die von der zentralistisch ausgerichteten römischen Zentralregierung hart erkämpfte Autonomie gewährleistet ein friedliches Zusammenleben der Sprachgruppen in Südtirol und ein Überleben der deutschsprachigen Minderheit in Italien.

Doch Innsbruck und Wien liegen Bozen unwiderruflich näher als Rom. Trotz der jahrzehntelangen Trennung und natürlicher Entfremdungstendenzen. Und Österreich bleibt nicht nur das Vater- und Mutterland, sondern auch der Schutzmantel für Südtirol. So gesehen ist die Frage nach einer Wiedervereinigung bzw. Selbstbestimmung nicht nur berechtigt - vielmehr ergibt sie sich zwangsläufig.

Ob eine Wiedervereinigung realistisch ist, muss hingegen bezweifelt werden. Denn das geeinte Europa erfüllt bereits zentrale Wiedervereinigungs-Forderungen. Die EU macht vieles obsolet, was noch vor 20 oder 30 Jahren Wunschdenken war. So tritt die Region Tirol gemeinsam auf und die Politik versucht, sie mit Leben zu erfüllen. Ein Weg, der nicht leicht ist, aber einiges leichter machen würde. Vor allem das gemeinsame Auftreten in Europa.

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