"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Der verschlafene Postfuchs" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 16.11.2007

Wien (OTS) - Ganz aus heiterem Himmel ist die Kündigung der Paketzustellung durch Quelle/Neckermann und Otto/Universal-Versand für die Post wohl nicht gekommen. Post-General Anton Wais behauptet das zwar. Es ist aber hoffentlich nur ein ziemlich misslungener Versuch, sich zu rechtfertigen.
Hätte Österreichs oberster Postfuchs wirklich bis vor wenigen Tagen nicht geahnt, dass ihm ein Drittel des gesamten Paket-Zustellungsvolumens abhanden kommt, müsste ihn der Aufsichtsrat sofort feuern. Eine solche Ignoranz gegenüber den beiden Hauptkunden wäre unverzeihlich.
Nehmen wir also an, dass Wais gewusst hat, was auf ihn zukommt. Das macht seine Situation nicht viel besser: Die "Neupositionierung der Post im Inlandsmarkt" hätte längst angegangen werden müssen. Auslieferung von Paketen bereits am Tag nach der Aufgabe, mehrfache Zustellversuche statt der bloßen Hinterlegung eines Zettels, vielleicht sogar am Abend und am Wochenende: All das bieten die Konkurrenten bereits.
Post-Chef Wais hat diese selbstverständlichen Serviceleistungen an dem Tag angekündigt, an dem er mit einem Schlag ein Drittel des Paketvolumens verloren hat. Zuvor hatte er die Paket-Preise heftig hinaufgeschnalzt, weil er sich "auf keinen Preiskampf einlassen" wollte.
Das sagt eigentlich schon fast alles. Die Post ist zwar im Mai 2006 an die Börse gegangen, wie ein wettbewerbsorientiertes Unternehmen agiert sie aber noch lange nicht. Das mag auch daran liegen, dass ein erheblicher Teil der Mitarbeiter(innen) unkündbare Beamte sind. Die meisten agieren inzwischen zwar durchaus kundenorientiert, besonders flexibel macht es die Post aber nicht.
Fraglich ist auch, ob die Organisation wirklich so kostengünstig ist, wie das Management behauptet: Briefe aus Vorarlberg werden beispielsweise seit Anfang Juli erst über den Arlberg ins Verteilzentrum nach Hall in Tirol und dann wieder zurück an die einzelnen Zustellbasen im Ländle geschickt.
Zugute halten muss man der Post, dass sie mit der Pflicht zum Universaldienst, also zur flächendeckenden Zustellung bis zum abgelegensten Bauernhof, einen beachtlichen Mühlstein um den Hals hängen hat. Das ist aber keine Entschuldigung für Managementfehler. Bei der Autobahngesellschaft Asfinag war die Regierung jedenfalls nicht so zimperlich: Das komplette schwarz-blau/orange Management wurde mit beträchtlichen Kosten gefeuert, obwohl es keine groben Schnitzer begangen hat.
Der Postfuchs dagegen steht offenbar unter Artenschutz. So verschlafen kann er gar nicht daherkommen, dass ihm von Seiten der Eigentümervertreter Unbill droht. Dass Anton Wais am Beginn seiner beruflichen Laufbahn sieben Jahre lang Sekretär des damaligen (sozialdemokratischen) Handelsministers Josef Staribacher war, wird dafür hoffentlich nicht ausschlaggebend sein.

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