Wabl:. "Biosprit ist nicht automatisch Klimaschutz"

Der Klimaschutzbeauftragte von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer fordert die Zertifizierung von Biokraftstoffen

Wien (OTS) - Andreas Wabl, Klimaschutzbeauftragter von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer forderte gemeinsam mit Univ. Prof. Bernhard Freyer (BOKU) in der heutigen Pressekonferenz im Bundeskanzleramt die Zertifizierung von Biokraftstoffen.

"Biosprit, wie er heute produziert wird, kann unsere Probleme mit dem Klimawandel nicht lösen!", warnt der Klimaschutzbeauftragte von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Denn Biosprit wird zwar aus erneuerbaren Stoffen wie Raps oder Sonnenblumen (Biodiesel), Mais oder Weizen (Bioethanol) oder Holz und Gras (Biogas) gewonnen, doch das sage gar nichts darüber aus, ob die Bilanz für die Umwelt positiv ist.

"Biotreibstoff", besonders "Biodiesel" setze zwar weniger Kohlendioxid frei, doch sei man in Europa selbst bei einer Verdoppelung der bisherigen Anbaufläche für Energiepflanzen weiterhin auf die Einfuhr pflanzlicher Öle angewiesen. Dadurch würden Anreize geschaffen, in Südostasien, Mittel- und Südamerika Anbauflächen für Energieträger zu nützen. Die Folge seien Brandrodungen großen Stils, Trockenlegungen von Feuchtgebieten, was wiederum zu erhöhten Emissionen und Umweltbelastungen führe. Hinzu komme noch der notwendige Energieaufwand für Verarbeitung und Transport. "Es sind die Ärmsten, die dadurch noch ärmer gemacht werden!", berichtet Wabl. In Indonesien, Kolumbien und Brasilien sei es bereits zu Vertreibungen von Indigenen gekommen, um Anbaugebiete zu gewinnen. Auch die Grundnahrungsmittel würden dadurch knapp und teuer. " Die Lebensmittelpreise sind im letzten Jahr weltweit um 40 Prozent gestiegen!", so Wabl.

Beim Anbau in Regionen mit gemäßigtem Klima, ist die Ökobilanz des "Biosprits" aufgrund des Einsatzes von klimaschädlichem Kunstdünger und fossiler Energie bei der konventionellen Bewirtschaftung ebenso negativ. Dazu kommen Probleme der Bodengesundheit und des Landschaftsschutzes.

Österreich habe dennoch die Biokraftstoff-Richtlinie der Europäischen Union mit einem beschleunigten Zeitplan ins nationale Recht übernommen. In Österreich müssen bereits ab dem 1. Oktober 2008 mindestens 5,75 Prozent der fossilen Kraftstoffe durch Biokraftstoffe ersetzt werden. Die geplante Steigerung der alternativen Treibstoffe im Verkehrssektor soll auf 10 Prozent bis 2010 und auf 20 Prozent bis 2020 erhöht werden. "Durch das Landwirtschaftsministerium und die Europäische Union wird die Produktion von Biosprit massiv gefördert -allerdings nur zum Wohle der konventionellen Landwirtschaft.", kritisiert Wabl, "die Chance, die österreichische Landwirtschaft konsequent zu ökologisieren wird dabei vergeben."

Wabls Fazit:
• Biosprit ist nicht automatisch Klimaschutz. Ökologisch sinnvoll ist der Einsatz nur dann, wenn die gesamte Produktionskette nachhaltig ist. Dies muss in der Landwirtschafsförderung endlich seinen Niederschlag finden.
• Abbau der Förderungen für die nicht nachhaltig produzierende Agrarindustrie auf nationaler und europäischer Ebene.
• Auf EU-Ebene muss Österreich sich für die Einführung eines Zertifizierungssystems für die Biospritproduktion einsetzen. Dieses muss nicht nur die konkreten Auswirkungen des Verbrauchs, sondern auch der Produktion von Biosprit auf Mensch und Umwelt mit ein beziehen.

Die Unterlagen zur Presskonferenz können unter www.klimaschutz.bka.gv.at nachgelesen werden.

Rückfragen & Kontakt:

Bundeskanzleramt/Bundespressedienst
Tel. (01) 531 15 - 0

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NBU0002