Unternehmensgewinne in Österreich steigen weiter rasant

Einkommensschere Management-Arbeitnehmer öffnet sich deutlich

Wien (OTS) - Eine Untersuchung der wichtigsten Kennzahlen der an
der Wiener Börse notierten heimischen Unternehmen zeigt: die Unternehmensgewinne steigen rasant weiter und haben sich in den Jahren 2002 bis 2006 auf fast 11 Mrd. Euro verfünffacht, die ausgeschütteten Dividenden wurden auf mehr als 2 Mrd. Euro verdreifacht. Beschäftigung und Investitionen dagegen hinken hinterher. Vor allem aber hat sich die Einkommensschere zwischen Management und Arbeitnehmern deutlich geöffnet: während sich die Vorstandsgehälter verdoppelt haben, ist der Personalaufwand je Mitarbeiter sogar leicht zurückgegangen. Die Arbeitnehmer trugen also zur zusätzlichen Wertschöpfung, profitierten aber nicht davon.****

Die jährliche Untersuchung der Geschäftsberichte der wichtigsten an der Wiener Börse notierten Unternehmen durch die "Österreichische Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung (ÖGPP)" ergab heuer zusammengefasst folgende Ergebnisse:

Gewinne auf 11 Mrd. Euro verfünffacht

Die Gewinne nach Steuern der knapp 40 wichtigsten Unternehmen sind von zusammen 2,28 Mrd. Euro im Jahr 2002 auf 10,96 Mrd. Euro im Vorjahr und damit um 380 Prozent angestiegen, haben sich also beinahe verfünffacht. Die Unternehmen mit den höchsten Gewinnen nach Steuern waren 2006 erneut die großen Banken und Energieunternehmen, darunter vor allem die BA-CA, die ERSTE sowie Raiffeisen International, weiters die OMV, der Verbund, aber auch die Telekom und die Voestalpine.

Dividenden auf über 2,1 Mrd. Euro verdreifacht

Auch die an die Eigentümer (Aktionäre) dieser Unternehmen ausgeschütteten Dividenden stiegen in diesen Jahren deutlich an - von 673 Mio. Euro im Jahr 2002 auf 2,138 Mrd. Euro im Jahr 2006. Das entspricht einer Steigerung von rund 220 Prozent bzw. einer Verdreifachung. Am großzügigsten waren bei Dividendenzahlungen 2006 die OMV, die BA-CA, die Telekom, der Verbund, die ERSTE und die Voestalpine.

Investitionstätigkeit lässt nach

Demgegenüber zeigten die ausgewiesenen Investitionen keine lineare Entwicklung: nach einer starken Zunahme in den Jahren 2002 bis 2004 (von 212 auf fast 680 Mrd. Euro) gingen sie 2005 und 2006 zurück und erreichten 2006 595 Mrd. Euro.

Beschäftigung weit geringer als Gewinne gestiegen

Wesentlich langsamer als die Gewinne der Unternehmen entwickelte sich auch die Zahl ihrer Beschäftigten: die Unternehmen beschäftigten 2002 zusammen 258.938 Arbeitskräfte, 2006 waren es 405.970 Menschen. Wobei in diesem Plus beispielsweise die Übernahme der rumänischen Petrom durch die OMV enthalten ist, die allein zu einer Mitarbeitersteigerung von 50.000 beitrug. Bei sieben der knapp 40 Unternehmen waren die Beschäftigtenzahlen 2006 sogar geringer als 2002.

Jeder Beschäftigte erarbeitete 29.000 Euro Gewinn

Stellt man die Gewinne nach Steuern in ein Verhältnis zur Zahl der Beschäftigten, so ergibt sich, dass jeder Beschäftigte im Jahr 2006 nicht nur seinen Lohn, sein Gehalt bzw. die Kosten des Unternehmens erarbeitete, sondern darüber hinaus auch noch einen Gewinn (nach Steuern) von durchschnittlich rund 29.000 Euro (im Jahr 2002 waren es noch 9.200 Euro).

Bezüge der Vorstände verdoppelt - Einkommensschere öffnete sich deutlich

Zwar ist auch der Personalaufwand im Untersuchungszeitraum in absoluten Zahlen um 62 Prozent (auf 13,9 Mrd. Euro) angestiegen, pro MitarbeiterIn und Jahr ist er allerdings von 34.509 Euro auf 34.270 Euro gesunken! Davon ausgenommen waren allerdings die Einkommen der Vorstände, die von durchschnittlich 440.000 Euro (im Jahr 2002) auf 841.000 Euro pro Person im Jahr 2006 angestiegen sind, womit sich die Einkommensschere zwischen Management und Mitarbeitern deutlich geöffnet hat: verdienten die Vorstände dieser Unternehmen 2002 noch das 12,7fache ihre Mitarbeiter, so war es 2006 bereits durchschnittlich das 24,5fache. Am meisten gaben im Vorjahr die ERSTE, Andritz und die OMV für ihre Vorstände aus.

Insgesamt muss angesichts dieser Zahlen festgestellt werden: den an der Wiener Börse notierten Unternehmen geht es hervorragend, Umsätze und Gewinne steigen rasant an, die Vorstände und AktionärInnen durften sich in den letzten Jahren über deutliche Einkommenssteigerungen freuen. Die Mitarbeiter dieser Unternehmen trugen wesentlich zum Unternehmenserfolg bei, es wirkte sich für sie aber nicht entsprechend finanziell aus. (Schluss)

Hinweis für die Medien:

Barbara Hauenschild, Andreas Höferl: Wichtige Kennzahlen börsenotierter Unternehmen in Österreich 2002-2006, Wien 2007

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