WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Post - Unheilvolle Allianz der Unflexiblen - von Angelika Kramer

Auch die Gewerkschaft muss in die Pflicht genommen werden

Wien (OTS) - Bei der Post ist in den vergangenen Monaten so
ziemlich alles schief gelaufen, was schief laufen kann. Daran ändern auch die gestern präsentierten Neun-Monats-Zahlen, die leicht über den Erwartungen liegen, nichts mehr.

Das Post-Management reagiert auf dieses Debakel auf die in Österreich übliche Weise: Man schnürt ein kleines Notpaket - Dividende inklusive -, das die ärgerlichsten der Aktionäre beschwichtigen soll, und zum Drüberstreuen dreht man ein klein wenig an der Personalschraube. Problem gelöst?

Nein, denn die wahren Sorgen des Unternehmens bleiben so unangetastet: Eine davon ist, dass die Post immer noch wie ein monopolistischer Staatsbetrieb geführt wird, in dem Service und Freundlichkeit nicht gerade gross geschrieben werden. Dass es im Paketbereich seit Jahresbeginn ein gänzlich neues Marktumfeld gibt und auch bei den Briefen das Ende des Monopols naht, merkt man als Kunde nicht. An den Öffnungszeiten der Postämter wird eisern festgehalten. Lediglich Bankfilialen und Apotheken reichen hier in ihrer Unflexibilität an die Postämter heran. Und vermitteln nicht viele Postler ihren Kunden das Gefühl, dass diese sich glücklich schätzen können, überhaupt beliefert bzw. bedient zu werden?

Dahinter steckt ein gravierendes Managementproblem: Die Post-Führungsriege hat es schlichtweg verabsäumt, ihre Mitarbeiter rechtzeitig auf die geänderten Marktbedingungen vorzubereiten.
Es wird der Eindruck erweckt, als sei man vom Wettbewerb überrascht worden. Dabei hat sich die Konkurrenz im Paketbereich nicht gerade versteckt, sondern von Beginn an die Karten auf den Tisch gelegt und zur Offensive auf den Monopolisten geblasen.

Für dieses eklatante Führungsproblem müsste ein verantwortungsvoller Vorstand einstehen und nicht erklären, es gebe jetzt andere Prioritäten. Und ein verantwortungsvoller Aufsichtsrat müsste den Vorstand dazu drängen, die Konsequenzen aus seinen Fehlern zu ziehen.

Aber auch Gewerkschafter und Betriebsräte müssen an dieser Stelle in die Pflicht genommen werden: Gerade die Post-Gewerkschaft ist bekannt dafür, dass sie beharrlich auf ihren Pfründe hockt und sich
einer modernen Unternehmensführung verschliesst. Sie ist mitschuldig daran, dass die Post nicht wettbewerbsfähig ist und den Entwicklungen eines modernen Marktes hinterher hechelt. Hätte man schon früher im Sinne des Unternehmens und der Mitarbeiter gehandelt, müssten jetzt nicht vielleicht 700 Jobs abgebaut werden.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0003