129. Vollversammlung der AKNÖ fordert vorgezogene Steuerreform

Gastreferent Egon Blum: Zukunft der dualen Ausbildung muss erhalten bleiben

Wien (AKNÖ) - Viel Gemeinsames fand AKNÖ-Präsident Josef Staudinger in den Aussagen von Regierungsbeauftragten Egon Blum: "Die Zukunft der dualen Ausbildung muss erhalten bleiben." Im Rahmen der 129. Vollversammlung der AKNÖ hielt Egon Blum ein Referat zur Situation der Lehrlingsausbildung. Egon Blum wies am Beispiel des jüngsten Sozialpartnerpakets darauf hin, dass gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretungen bereits viel bewegt worden sei. Er forderte in seinem Referat, dass die Zukunft der dualen Ausbildung erhalten bleiben und die Qualifikation junger Menschen noch mehr verstärkt werden müsse, um den Wirtschaftsstandort Österreich weiter auszubauen. Egon Blum nahm auch auf die demographische Komponente Bezug: "In Niederösterreich werden sich im Jahr 2015 um 4000 15jährige Menschen weniger auf dem Arbeitsmarkt befinden, als heute." Das bedeute, dass das Image und der Stellenwert der Facharbeit erhöht werden müsse, um Anreize für die Lehre zu setzen. Der Regierungsbeauftragte sieht in einer "Lehre mit Matura" auch in der "Schaffung von Ausbildungsverbünden" und in der Modifikation des "Blum-Bonus" geeignete Maßnahmen, diese Anreize zu setzen. Der Blum-Bonus solle in einen Zusätzlichkeitsbonus von 400 Euro nur im 1. Lehrjahr und in einen Qualitätsbonus von 2.400 Euro im 2. Lehrjahr nur bei Nachweis eines Ausbildungsfortschrittes zur Hälfte der Lehrzeit aufgeteilt werden. Blum erteilte auch dem oftmals strapazierten Begriff der "Null-Bock-Generation" eine klare Absage:
"Junge Menschen sind engagiert, wenn sie entsprechend motiviert sind." Er zeigte sich überzeugt, dass "Österreich keine Zukunft ohne Lehre" habe. Deshalb müsse die Zielsetzung lauten: "Die Jugend muss in den Mittelpunkt gestellt werden."

AKNÖ-Präsident Staudinger zeigte sich mit Egon Blum auch einer Meinung, dass die Hebung der Qualität der Lehrausbildung bereits seit Jahren eines der größten Probleme in der Berufsausbildung darstellt:
"In manchen Bereichen gibt es hohe Durchfallsquoten, beziehungsweise sind auch manchmal Klagen von Lehrlingen zu hören, dass sie mit ihrer Ausbildung nicht ganz zufrieden sind". Die andere Seite seien die AusbilderInnen, die einfach zu wenig Ressourcen haben, um die jungen Menschen umfassend zu betreuen. Das niederösterreichische Arbeiterparlament forderte daher AusbildnerInnenkurse, die auch die soziale Kompetenz fördern. Ebenso müsse die Kooperation zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb verbessert werden.

Der Präsident stellte die 129. Vollversammlung der AKNÖ auch unter das Zeichen "Adjustierung der Steuerpolitik". Er verwies auf die kürzlich erfolgte Einkommensanalyse der AKNÖ: "Das Stück des Kuchens, das die Beschäftigten am Volkseinkommen haben, ist noch immer viel zu klein." Das monatliche Bruttomedianeinkommen betrage 2006 in NÖ 1.713 Euro und sei damit im Vergleich zum Vorjahr nominell zwar um 45 Euro gestiegen. "Wenn wir uns das Einkommen netto anschauen, so schaut es schon wieder ganz anders aus: Die Nettorealeinkommen stiegen gegenüber 2005 um 6 Euro pro Monat - seit dem Jahr 2000 bedeutet dies eine Steigerung um 9,5 Euro!" Dennoch konnte Niederösterreich im Vergleich zum Jahr 2005 einen Platz gut machen und liegt im Jahr 2006 nun auf Platz 5. "Top Ten sind wir daher noch lange nicht", so Staudinger.

Nach wie vor gravierend seien die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern: Frauen verdienen noch immer um 34 % weniger als Männer. Der Präsident zeigte sich zwar über den kürzlich erfolgten KV-Abschluss der Metaller und des Handels erfreut, forderte aber einmal mehr eine Vorziehung der Steuerreform und Maßnahmen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie besser ermöglichen. Auch das Aufkommen vermögensbezogener Steuern belaufe sich in Österreich auf lediglich 0,5 % des Brutto-Inlands-Produktes. "Das ist ein Viertel des internationalen Niveaus", kritisierte der AKNÖ-Präsident. Hingegen laste auf den Schultern der Beschäftigten zwei Drittel der gesamten Abgaben in Österreich. "Wir fordern daher den Ausbau der Absetzbeträge mit Negativsteuerwirkung statt Freibeträge, eine Verfünffachung der Negativsteuer und eine verstärkte Besteuerung von Vermögen", sagte AKNÖ-Präsident Staudinger.

Im Rahmen der 129. Vollversammlung wurden auch verdiente Kammerräten und Dir. Stv. Adolf Csektis verabschiedet. Die 129. Vollversammlung der AKNÖ kürte auch eine neue Vizepräsidentin: Brigitte Adler (GdG) bekleidet ab 1. Dezember das Amt der Vizepräsidentin und folgt damit auf Alfred Kermer (VIDA), der das Amt des stellvertretenden Direktors in der AKNÖ einnehmen wird. Ausgeschiedene Kammerräte: Peter Weidinger (GMTN), Helmuth Lawitz (GPA/DJP) und Fritz Kourimsky (GdG).

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