"2. Forum Zukunft der Arbeit" im Arbeits- und Wirtschaftsministerium

Staatssekretärin Marek sucht zur Gestaltung der Arbeitspolitik den Dialog mit den Praktikern - Diskussionsteilnehmer waren Unternehmer, Gewerkschaftsvertreter und Wissenschafter

Wien (BMWA-OTS) - "Telearbeit, Vereinbarkeit von Familie und
Beruf, 'Flexicurity' als Verklammerung von flexiblen Arbeitsformen und sozialer Absicherung, das sind die aktuellen Herausforderungen der Arbeitswelt, wo die Politik aus Gesprächen mit den Praktikern lernen muss." Das erklärte Staatssekretärin Christine Marek heute in ihrem Einleitungsstatement zum "2. Forum Zukunft der Arbeit" im Arbeits- und Wirtschaftsministerium. Es ging dabei darum, ob Arbeit oder Arbeitskräfte zur Mangelware werden oder wie sich die Grenzen zwischen Unternehmern und Arbeitnehmern entwickeln werden. Nach einem Impulsreferat von Dr. Hilmar Schneider vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit in Bonn gab es eine Podiumsdiskussion unter der Fachmoderation von Univ.-Prof. Michael Meyer (WU Wien), an der neben Staatssekretärin Marek Wolfgang Katzian (Vorsitzender der GPA-DJP), Mag. Thomas Kloibhofer (Geschäftsführer der Competence Call Center) und DI Dr. Markus Liebl (Generaldirektor der Brauunion Österreich AG) teilgenommen haben.

Marek verwies in ihrem Beitrag weiters darauf hin, dass das von Österreich in den Vordergrund gerückte "Flexicurity"-Prinzip inzwischen auch von der EU im Rahmen des Lissabon-Zieles als Chance gesehen werde , nicht nur mehr, sondern vor allem auch bessere Arbeitsplätze zu schaffen, führte Marek weiter aus. Die Entwicklung neuer Technologien und neuer Arbeitsprozesse verlange in immer stärkerem Ausmaß Mobilität inklusive der Bereitschaft zum Wechsel von unselbstständiger Beschäftigung zum selbstständigen Unternehmer und wieder zurück. Dazu müsse aber auch ein dichtes Sicherheitsnetz geknüpft werden, das Bewegungen ermöglicht aber einen Sturz durch die Maschen verhindert. Auf diesem Gebiet habe es in Österreich - nicht zuletzt dank des starken Engagements der Sozialpartner - durch die jüngst erfolgte Ausdehnung der Arbeitslosenversicherung und der Betrieblichen Mitarbeitervorsorge wichtige Fortschritte gegeben, betonte die Staatssekretärin. Verbesserungsmöglichkeiten sah sie noch bei der Gleichstellung von Männern und Frauen in der Arbeitswelt und beim Ausbau des lebenslangen Lernens, um die Beschäftigungsfähigkeit jedes und jeder Einzelnen zu sichern.

Dr. Hilmar Schneider vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit in Bonn ging in seinem Impulsreferat auf den "Spagat zwischen zu viel Arbeit für wenige und zu wenig Arbeit für zu viele" ein und stellte unter den historischen Verweis auf die Industrialisierung fest, dass die Arbeit nicht ausgehen sondern andere Formen annehmen und daher andere Ansprüche stellen werde. Es gelte daher, Antworten auf die Frage nach den Arbeitsbedürfnissen der Zukunft zu finden. Eine "organisatorische Revolution" habe zu einem Wandel der Arbeitsbeziehungen geführt, Teamstrukturen statt autoritärer Hierarchien geschaffen, Arbeitsanweisungen durch Zielvorgaben ersetzt und die Polarität Firmenleitung - Belegschaft drastisch reduziert. Notwendig werde es jetzt sein, Arbeitnehmer zu unternehmerischem Denken und in weiterer Folge entsprechendem Handeln zu motivieren. "Fördern ist gut, fördern und fordern ist besser. Eine nachhaltige Arbeitsmarktpolitik aktiviert Arbeitslose und attraktiviert Arbeit. Wir brauchen Workfare statt nur Wellfare."

Univ.-Prof. Michael Meyer von der WU Wien wollte als Moderator der Podiumsdiskussion "die Zukunft der Arbeit auf deren gloriose Vergangenheit" aufbauen. Geredet habe man genug, jetzt müsse man Taten setzen. Man dürfe die demographische Entwicklung nicht nur erkennen, man müsse auch die notwendigen Konsequenzen daraus ziehen und das Beschäftigungspotenzial älterer Menschen nützen.

DI Dr. Markus Liebl (Generaldirektor Brauunion Österreich AG):
bekannte sich in seinem Diskussionsbeitrag zu kontinuierlichen Veränderungen, in der Hierarchien eine wesentlich geringere Rolle spielen und Teamarbeit immer wichtiger werden als früher:
"Erfolgreiche Teamarbeit ist ein Schlüsselbegriff für die künftige Arbeitswelt. Nur wer über ein 'Erfolgs-Team' verfügt, wird im täglichen Wettbewerb bestehen können."

Wolfgang Katzian (Vorsitzender GPA-DJP) betonte, ein Veränderungsprozess werde nur funktionieren, wenn er von den Arbeitnehmer/innen mit getragen werden könne. Auf dem vielschichtigen Weg von der Produktions- über die Dienstleistungs- zur Wissensgesellschaft seien Wandel und Veränderung auf Sicherheit und Innovation angewiesen. "Mehr Schutz, Sicherheit und Lebensqualität für alle Arbeitnehmer/innen. Diese gewerkschaftlichen Ziele sind aktueller denn je."

Mag. Thomas Kloibhofer, Geschäftsführer des Competence Call Center und Organisator der Enquete, verwies darauf, dass noch nie zuvor so viele Menschen so frei ihre Ausbildung und ihren Beruf wählen konnten, es noch nie so viele Weiterbildungschancen gegeben hätte:
"Wer über die Zukunft der Arbeit redet hat zu verstehen, dass Arbeit Zukunft gibt. Und so wie unsere Zukunft gestaltbar ist, ist es auch unsere Arbeit." Die Regeln der Industrialisierungszeit seien heute nicht mehr konkurrenzfähig. "Arbeitskräfte wollen heute eigenverantwortliche Akteure in einer Wertschöpfungskette sein."

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