MedUni Wien: Keine Obduktionen ab 1.1.2008 im Gebäude der Gerichtsmedizin

Rektor Schütz bedauert diesen gravierenden Schritt setzen zu müssen

Wien (OTS) - Mit 1.1.2008 können in den Räumlichkeiten des Departments für Gerichtliche Medizin (DGM) an der Medizinischen Universität Wien keine Obduktionen mehr vorgenommen werden. Am Department angestellte und als Sachverständige tätige Fachärzte können ab diesem Zeitpunkt Obduktionen nur noch in außeruniversitären Krankenanstalten bzw. Pathologien durchführen, auch eine Lagerung von Leichen für diese Zwecke ist am DGM von da an nicht mehr möglich. Angesichts der mittel- bis langfristig betriebswirtschaftlich vorauszusehenden Entwicklung und angesichts der derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Vergabe, Verrechnung und Vergütung von gerichtlich beauftragten Obduktionen im Rahmen des DGM ist eine Fortführung des Betriebs im bisherigen Ausmaß nicht mehr möglich.

Der dringend notwendige Neubau bzw. die Sanierung des DGM aus den Mitteln der universitären Generalsanierungsprojekte wurde u.a. aus diesen Gründen aufgrund einer Empfehlung des Rechungshofes bereits Anfang des Jahres von der MedUni Wien gestoppt. Die Notwendigkeiten für die zentralen universitären Aufgaben für gerichtsmedizinische Forschung und Lehre an der MedUni Wien sind trotz dieser Einschränkungen aber weiterhin sicher gestellt.

Rektor Wolfgang Schütz: "Das Rektorat der Medizinischen Universität Wien bedauert, nach jahrelangen Bemühungen um den Fortbestand der Wiener Gerichtmedizin diesen gravierenden Schritt in einer mehr als 200-jährigen universitären Tradition setzen zu müssen. Aus wirtschaftlicher Sicht wäre die Fortsetzung des bisherigen Umfangs an Dienstleistungen des Departments für Gerichtliche Medizin mehr als fahrlässig. Die baulichen, hygienischen und ausstattungsmäßigen Zustände würden einen völligen Neubau erfordern. Mit dem kontinuierlichen Rückgang von Gerichtsobduktionen, dem gänzlichen Abzug aller sanitätsbehördlichen Obduktionen durch die Gemeinde Wien und mit der letzte Woche im Ministerrat verabschiedeten Neuordnung der Gebührenanspruchs-Ordnung ist allerdings die wirtschaftliche Basis für den Fortbestand in der derzeitigen Form weggefallen. Wir haben vor dieser Entwicklung gemeinsam mit vier weiteren Rektoren mit gerichtmedizinischen Instituten bereits im Mai 2006 eindringlich gewarnt. Im Moment sehen wir aus eigener Kraft keinen anderen Weg mehr."

Der Obduktionsbetrieb für gerichtliche beauftragte Obduktionen ist in der jüngeren Vergangenheit um 25% zurückgegangen, vor wenigen Monaten beschloss zudem die Gemeinde Wien - einer Empfehlung des Rechnungshofs folgend - auch die bisher jährlich rund 1500 sanitätspolizeilichen Obduktionen nicht mehr am DGM durchzuführen. Mit einer weiteren Schmälerung der Einnahmen des DGM wäre das Inkrafttreten der letzten Mittwoch im Ministerrat neu geregelten Gebührenanspruchs-Verordnung verbunden, da der Gesetzgeber künftig wesentlich niedrigere als die von der Medizinischen Universität Wien berechneten und gemäß UG 2002 erforderlichen Kostenersätze für die Inanspruchnahme von universitärer Infrastruktur für die Abwicklung von Obduktionen vorsieht.

Bereits im Mai 2006 haben die fünf Rektoren von Universitäten mit gerichtmedizinischen Einrichtungen in einem Brief an die zuständige Bundesministerin Gehrer auf die strukturellen Probleme beim Betrieb aller! gerichtsmedizinischen Institute hingewiesen und darauf aufmerksam gemacht, dass ohne Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen bis Ende 2007 der Betrieb aus finanziellen Gründen problematisch sei, und dass dort, wo die Kosten-Einnahmen-Schere extrem auseinanderklafft, die Gefahr von einzelnen Institutsschließungen bestünde. Bis zum heutigen Tag wurde keiner der im Schreiben aufgezeigten Lösungsvorschläge umgesetzt, die MedUni Wien sieht sich nun aus gesamtuniversitärer Verantwortung zum dringenden Handeln genötigt.

Zentrale Forderung der Rektoren waren u.a. die vertragliche Vereinbarung der Kosten zwischen Bund (Justiz) und Universitäten für zu erbringende gutachterliche Leistungen sowie die Notwendigkeit einer zentralen Beauftragung von Obduktionen direkt an die Universitäten - anstatt wie jetzt an die Sachverständigen "ad personam".

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