"Kleine Zeitung" Kommentar: "Das Tempo des Reformzugs wird von den Mitreisenden bestimmt" (von Claudia Gigler)

Ausgabe vom 06.11.2007

Graz (OTS) - Es ist nur ein Türspalt, der sich gestern in Richtung Schulreform geöffnet hat. Aber immerhin: All jene, die eine Reform des Bildungssystems herbeisehnen, haben einen Fuß in der Tür.

Inhaltlich geht es darum, gemeinsame Schule schmackhaft zu machen. Ausprobiert ist sie längst. Funktionieren kann gemeinsame Schule nur dort, wo sich möglichst wenige abhängen vom Zug. Deshalb war die ÖVP-Forderung nach Vergleichsklassen an jedem Schulstandort unsinnig. Da wäre das Scheitern schon im System begründet gelegen.

Inhaltlich ist zwischen Organisation und Programm zu unterscheiden. Gemeinsame Schule als Organisationsform soll bewirken, dass Schule Nachteile kompensiert: Je später sich die Kinder auf eine bestimmte Bildungslaufbahn festlegen müssen, desto eher kann Schule Förderdefizite im Elternhaus kompensieren. Und je breiter der Zugang zu den entsprechenden Zertifikaten ist, wenn die Leistung stimmt, desto weniger wirken sich regionale Nachteile aus.

Gemeinsame Schule ist eine Frage der Gerechtigkeit. Sie ist ein politisches Ziel ohne Garantie auf Erfolg. Sie ist für sich allein gesehen noch kein pädagogisches Reformkonzept.

Um diese gemeinsame Schule zu einem pädagogischen Programm werden zu lassen, sind engagierte Lehrer, vor allem aber auch die nötigen Ressourcen gefragt. Ressourcen, mit denen die AHS-Unterstufe auch besseren Unterricht machen könnte als heute, aber eben nur für wenige. Das politische Ziel ist optimale Förderung für alle.

Die Einigung zwischen SPÖ und ÖVP lässt es zu, dass gemeinsame Schule entsteht. Das ist mehr, als in den letzten 30 Jahren möglich war. Nun ist die Überzeugungskraft derer gefordert, die sich zu den Fürsprechern des Neuen machten, und Bereitschaft, sich überzeugen zu lassen, bei jenen, die davon profitieren können.

In Kärnten und in der Steiermark ist auch in Details schon klar, wohin die Reise geht. Es liegt an Eltern und Lehrern, grünes Licht für die Modellregionen zu geben. Eltern, deren Kinder betroffen sein könnten, sollen Ja zu Neuem sagen, und entscheiden dann, durch konkrete Anmeldung, ob auch ihr Kind davon betroffen sein soll.

Und Lehrer, die das Kollegium der interessierten Schulen bilden, sollen bereit sein, das Neue zuzulassen - womit sie auch dazu beitragen, dass es an diesen Schulen zusätzliche Ressourcen gibt -mehr Lehrer, sozialpädagogisches Personal.

Die Weichen sind gestellt. Das Tempo des Reformzuges wird von den Mitreisenden bestimmt. ****

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