Frauen verändern das Bild der Frau in Kunst und Geschichte Prammer für neue Wege bei der Präsentation von Kunst im Parlament

Wien (PK) - Zwei Bücher, ein historisches Werk über Frauenbilder und Feminismus im Zusammenhang mit der nationalen Frage am Ende der Habsburgermonarchie und eine Dokumentation zum Wiener Künstlerinnenfestival "Her position in transition" vom März 2006 standen heute im Mittelpunkt einer Abendveranstaltung im Abgeordnetensprechzimmer des Parlaments, zur der sich auf Einladung von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer ein zahlreiches Publikum mit viel weiblicher Prominenz aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft eingefunden hatte.

Präsidentin Prammer dankte den Autorinnen, Künstlerinnen und Herausgeberinnen für die beiden spannenden Bücher. Das eine leuchte die österreichisch-ungarische Monarchie aus der Perspektive des Feminismus aus. Das zweite zeige, welchen Raum die Frauen in der Kunst einnehmen und welchen Einfluss sie auf die Gesellschaft ausüben. Angesichts der Installation "Europa", mit der Malgorzata Bujnicka in der Säulenhalle das Thema Grenzen und Offenheit thematisierte, kündigte die Nationalratspräsidentin an, neue Wege bei der Präsentation zeitgenössischer Kunst im Parlament gehen zu wollen. Sie sehe die Chance, die vielen BesucherInnen des Parlaments mit Kunst vertraut zu machen. Selbstverständlich werde sie dabei auf Geschlechter-Ausgewogenheit achten und den Blick auch auf das Thema Frauen öffnen. Dazu fühle sie sich als Nationalratspräsidentin verpflichtet, sagte Barbara Prammer

Universitätsdozentin Karin Liebhart stellte zunächst das von Waltraud Heindl, Edit Kiraly und Alexandra Millner herausgegebene Buch "Frauenbilder, feministische Praxis und nationales Bewusstsein in Österreich-Ungarn 1867-1918" vor, das die Diskussion über die Geschlechterbeziehungen in den letzten Jahrzehnten Österreich-Ungarns beschreibt. Es zeigt, wie Schriftstellerinnen erstmals die soziale und politische Hegemonie der Männlichkeit in Frage stellten und den Zusammenhang von Geschlecht, Sexualität und Macht ins öffentliche Bewusstsein rückten.

Dann präsentierte Liebhart die im Wiener Verlag Löcker erschienene Dokumentation "Performance Politik Gender" von Margit Niederhuber, Katharina Pewny und Birgit Sauer, ein Sammelband zum Wiener Künstlerinnenfestival "Her position in transition" vom März 2006. Sie hob hervor, dass viele der historische Problemstellungen in Zeiten von Globalisierung und Neoliberalismus nach wie vor aktuell sind. Frauen als Kunstschaffende entwickeln ästhetische Strategien und reflektieren, wie sie ihre eigene künstlerische, soziale und politische Rolle entwickeln können und welcher gesellschaftliche Raum dafür zur Verfügung steht.

Anschließend stellten Universitätsprofessorin Waltraud Heindl, Edit Kiraly und Alexandra Millner die Beiträge des von ihnen herausgegebenen Sammelbandes in ausgewählten Zitaten und Illustrationen dar. Die Entstehung des Materialienbandes zum internationalen Künstlerinnenfestival "Her position in transition" wurde von den Herausgeberinnen Margit Niederhuber, Katharina Pewny und Birgit Sauer erläutert. Sie hoben hervor, dass sie sich von diesem Buch Anstöße zu weiteren künstlerischen Arbeiten und Diskursen erhoffen. Beispiele aus Guna Kalnacas fotographischer Dokumentation des Festivals waren per Powerpoint zu sehen.

Feminismus und nationales Bewusstsein in Österreich-Ungarn 1867-1918

Ein zentrales Thema der intellektuellen Diskussion in den letzten Jahrzehnten Österreich-Ungarns war die überkommene Ideologie der Geschlechterbeziehungen. Die Literatur hatte wesentlichen Anteil daran, dass die Frage nach Geschlecht, Sexualität und den daraus entspringenden Machtverhältnissen ins öffentliche Bewusstsein gerückt wurde. Erstmals begannen zu Ende des 19. Jahrhunderts Schriftstellerinnen die soziale und politische Hegemonie der Männlichkeit in Frage zu stellen. Die männlichen Domänen Politik und Wissenschaft reagierten auf die Frauenbewegung mit Abwehr und dem Versuch, die männliche Dominanz unter Berufung auf die "naturgegebene" Geschlechterdifferenz zu rechtfertigen. Im multiethnischen Raum der Monarchie war es auch unvermeidlich, dass die regionalen Frauenbewegungen sich in vielfältiger Weise mit dem Komplex der jeweils dominierenden "nationalen Frage" verknüpften.

Edit Kiraly (Budapest) und Alexandra Millner (Wien) haben den einleitenden wissenschaftstheoretischen Essay "Feministische Praxis in Österreich-Ungarn um 1900" beigesteuert. Ausgangspunkt für die Entstehung des vorliegenden Bandes war die Beteiligung der Autorinnen am Forschungsprojekt "Herrschaft, ethnische Differenzierung und Literarizität. Fremd- und Selbstbilder in der Kultur Österreich-Ungarns 1867-1918", in das sie die Frage der Geschlechterideologie einbrachten. Kiraly/Millner berufen sich auf einen fächerübergreifenden und kulturwissenschaftlichen Ansatz, der es erlaubt, die Frage nach der Interferenz von zwei Thematiken zu stellen, die lange Zeit von der Forschung separat abgehandelt wurden, nämlich Genderkonstruktionen einerseits und die Konstrukte nationaler Identität andererseits. Sie stellen dazu den gemeinsamen historisch-kulturellen Bezugsrahmen der Nationalbewegungen und Frauenbewegungen der Habsburgermonarchie her.

Das Buch basiert hauptsächlich auf Ergebnissen einer von Kiraly und Millner im März 2003 in Wien organisierten Tagung, "Genderfragen und kollektive Identitäten in der Habsburger Monarchie 1867-1918".
Die Aufsätze gliedern sich thematisch in einen kulturwissenschaftlichen und einen historischen Teil. In ersterem behandeln sechs Beiträge Repräsentationen des "Weiblichen" in bildender Kunst, Presse und Psychoanalyse, im zweiten Teil beschreiben sieben Autorinnen Aspekte der ungarischen, tschechischen, slowakischen, slowenischen, polnischen und ukrainischen Frauenbewegung in der Habsburgermonarchie.

Performance Politik Gelder - Künstlerinnen und Globalisierung

Wie reagieren Künstlerinnen auf die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Veränderungen im Zuge der Globalisierung? - Im März 2006 war dies die zentrale Frage der Ausstellungen, Installationen, Performances, Tanz und Workshops beim Wiener Künstlerinnenfestival "Her position in transition". Die Künstlerinnen arbeiteten spartenübergreifend mit Neuen Medien, überschritten Grenzen zwischen Kunstgattungen, mischten Formen, machten sich auf die Suche nach ihren Wurzeln und gingen neue ästhetische Wege. Frauen setzten in Performances ihren Körper radikal ein und erprobten neue Methoden bei der Eroberung des öffentlichen Raumes. So wurde ein "Frauentaxi" etwa zum Ort der Auseinandersetzung mit Themen wie globale Migration oder Gewalt.

Performance-Künstlerinnen entlarvten Geschlechterrollen als soziale Konstruktionen. "Das Bild der Frau haben Männer geschaffen", heißt es in Valie Exports Manifest "Woman's Art". Wissenschaft, Kunst, Wort und Bild, Kleidung und Architektur, gesellschaftlicher Verkehr und Arbeitsteilung sei den Frauen verweigert worden. "Gebt den Frauen das Wort, damit sie zu sich kommen können", schreibt Valie Export, die eine Kunst weiblicher Selbstbestimmung fordert, von der sie sich auch neue Werte für die Kunst erwartete.

In "The Female Philosopher" stellt Eva Maria Gauss die Frage, warum der "Philosoph" mit der (männlichen) Bronzefigur Rodins oder Aristoteles-Büsten verbildlicht werde. Die Performerin zeigt eine Philosophin bei der Arbeit und versucht, den Sinn von Begreifen-Wollen, Gedanken-Fassen, Denken-Formen, Nicht-Verstehen-Können, Schreiben-Müssen zu erfassen.

Das Buch enthält theoretische Überlegungen zum Kontext von Kunst, Feminismus und Politik. Themen des Festivals "Her position in transition" waren Wandlungen in Gesellschaft und Staat durch Globalisierung und Neoliberalismus sowie die damit einhergehenden Veränderungen im Verhältnis zwischen den Geschlechtern.

Alexandra Weiss beschreibt die Sphäre der Kultur mit Bezug auf Antonio Gramscis Theorie als Angelpunkt und zentrale Arena sozialen Wandels. Laut Weiss habe sich die Frauenbewegung dank ihrer Vielfalt und ihres weiten Politikbegriffs als kontinuierlichste aller sozialen Bewegungen seit den sechziger Jahren behauptet. Weiss' Kritik gilt jede Reduktion der Frauenbewegung auf ein enges Politikverständnis und "maskulinistischen Akzenten" in der Antiglobalisierungsbewegung.

Unter dem pointierten Titel "Die Wonnen der Prekarität" enthüllen Elisabeth Mayerhofer und Monika Mokre Widersprüche in der neuen "Kreativindustrie". Obwohl die Kultur längst als zentraler Wachstumsmotor gelte, der schon 1995 drei Millionen Menschen in der EU beschäftigte, leben in Europa "super creatives" ungeachtet ihrer überdurchschnittlichen Ausbildung, Flexibilität und Arbeitsmotivation meist schlecht. Während die Werke einiger weniger Künstler enorme Preise erzielen, erwarte man von den meisten KünstlerInnen paradoxerweise, für geringen Lohn zu arbeiten, schreiben Mayerhofer und Mokre.

Die beiden Bücher

"Performance Politik Gender", herausgegeben von Margit Niederhuber, Katharina Pewny und Birgit Sauer im Wiener Verlag Löcker ist ein Materialienband zum Internationalen Künstlerinnenfestival "Her position in transition", das im März 2006 in Wien stattfand. Auf 298 Seiten findet der Leser Interviews, Diskussionsprotokolle, Text- und Fotodokumentationen, Illustrationen und wissenschaftliche Texte.

Waltraud Heindl/Edit Kiraly/Alexandra Millner (Hg.): Frauenbilder, feministische Praxis und nationales Bewusstsein in Österreich-Ungarn 1867-1918. A Francke Verlag Tübingen und Basel, 2006 (Schluss).

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie - etwas zeitverzögert - auf der Website des Parlaments im
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