"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wer Daten-Sicherheit nicht ernst nimmt, bestraft sich selbst" (Von Manfred Neuper)

Ausgabe vom 3.11.2007

Graz (OTS) - Die Beziehung zwischen einem Baseballschläger und Bestandteilen des eigenen Heim-Computers sollte an sich keine besonders innige sein. Wenn es aber um gebrauchte Festplatten geht, die ausrangiert werden, wird Nutzern genau jenes brachial anmutende Sportgerät ans Herz gelegt - von Computerexperten der renommierten Harvard University. Im Zweifel für den Baseballschläger, heißt die Devise. Warum? Es ist die sicherste Methode, seine privaten Daten vor dem unerwünschten Zugriff durch Dritte zu schützen. Einem Zugriff posthum, wohlgemerkt.

Nicht zuletzt durch den Erfolg des Internet-Auktionshauses Ebay hat sich der Handel mit gebrauchten Computer-Komponenten zu einem blühenden Wirtschaftszweig entwickelt. Was dem einen schon zu alt erscheint, ist einem anderen noch gut genug. Wenn es jedoch um Festplatten geht, also den Hort der privaten Daten, kann das Verscherbeln, Verschenken oder auch das einfache Wegwerfen zum delikaten Problem werden. Das bloße Löschen oder Formatieren der Festplatte reicht nicht aus. Die Daten können wiederhergestellt werden. Es geht also schlicht um die Kunst des Zerstörens. Wer nicht weiß, wie man die Daten unwiederbringlich von seiner Festplatte entfernt, sollte den Rat aus der Harvard-Hausapotheke aufgreifen.

Das Prinzip "Aus den Augen, aus dem Sinn" ist jedenfalls nicht ratsam. Das Problem betrifft längst nicht nur den unbedarften Privatnutzer. Die Harvard-Experten starteten ein Forschungsprojekt:
Über Ebay und ähnliche Portale haben sie tausende ausrangierte Festplatten aufgekauft, und sie mit Programmen - die übrigens jeder Normalsterbliche kaufen beziehungsweise im Internet herunterladen kann - untersucht. Es gelang ihnen tatsächlich, Dateien wiederherzustellen. Sie fanden Kreditkartennummern, Finanzdaten, medizinische Informationen und sonstige Infos der Kategorie "sensibel". Das Problematische daran: Für diese Form des Stöberns sind gar keine Computer-Genies von Elite-Universitäten vonnöten. Das kann mit Hilfe einfach zu beschaffender und keineswegs illegaler Programme - salopp gesagt - jeder.

Was lernen wir daraus? Wenn es um elektronische Daten geht, herrscht vielerorts noch immer "laissez faire" vor. Wie sinnvoll ist es, geheime Konstruktionspläne im Firmensafe zu versperren, wenn sie dann in elektronischer Form durch die Welt geistern? In falschen Händen können diese Daten zum wirtschaftlichen Bumerang werden. ****

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