"KURIER"-Kommentar von Reinhard Göweil: "In den Sack lügen"

Die Regierung will Vollbeschäftigung. Sie schafft das mithilfe der Statistik.

Wien (OTS) - Seit 20 Monaten sinkt die Arbeitslosigkeit -
wunderbar! Fast wäre es gelungen, im Oktober unter 200.000 Arbeitslose - großartig! Die Lehrstellenlücke verkleinert sich signifkant - exzellent!
Die Sache hat nur einen Haken: Die Arbeitsmarktdaten werden erst durch statistische Feinheiten so richtig gut (siehe Bericht Seite 21). Der Fairness halber muss gesagt werden, dass die gute Wirtschaftslage den Arbeitsmarkt natürlich entlastet - die Arbeitslosenzahlen gehen in Summe nach unten. Aber eben nicht ganz so erfreulich, wie die offiziellen Zahlen zeigen. 120.000 haben - so das Wirtschaftsforschungsinstitut - im Jahr 2006 einen Job gesucht, ohne dass sie in einer Statistik vorgekommen wären. Da sich die große Koalition das Ziel gesetzt hat, 2010 auf unter vier Prozent Arbeitslosigkeit zu kommen (sie interpretiert dies - ebenfalls unscharf - als Vollbeschäftigung), muss im Ernstfall die Statistik herhalten, um das Ziel zu erreichen.
Politiker tendieren allerdings dazu, ihre eigenen Statistiken zu glauben, wenn sie diese nur oft genug erzählt haben. Dann werden "unsichtbare Arbeitslose" plötzlich zu Menschen, die vergessen worden sind. Und das ist um vieles unerträglicher und gesellschaftlich gefährlicher als das politische Spiel mit der Statistik.

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