Bartenstein: "Wir nähern uns weiter der Vollbeschäftigung"

Den zwanzigsten Monat in Folge sinkt im Jahresvergleich die Zahl der Arbeitslosen - Maßnahmen gegen Fachkräftemangel - Steigerung der sozialen Sicherheit

Wien (BMWA-OTS) - "Seit dem Frühjahr 2006 verzeichnen wir sinkende Arbeitslosenzahlen - mit einem Rückgang von 4,6 Prozent ist der vergangene Oktober der zwanzigste Monat in Folge. Das ist ein kleines und zugleich erfreuliches Jubiläum", sagte Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein heute bei einer Pressekonferenz zu den neuesten Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. Mit einer Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent - um 0,3 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr - nähere sich Österreich weiter der Vollbeschäftigung. "Der Rückgang der Arbeitslosigkeit zeigt gemeinsam mit dem Zuwachs an als offen gemeldeten Stellen, dass die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt ungebrochen anhält. Mit einer Beschäftigungsquote von 70,2 Prozent gehört Österreich jedenfalls zu den beschäftigungsintensivsten Ländern Europas", betonte Bartenstein. "Auch die Lehrstellenlücke ist im Oktober gegenüber dem Vorjahresmonat signifikant geschrumpft - um 23,4 Prozent auf 1.882."

Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel

"Der Mangel an Fachkräften ist nicht nur ein österreichisches, sondern ein europäisches und auch ein globales Phänomen", so Bartenstein. Österreich müsse daher vor allem selbst für die ausreichende Qualifikation seiner Arbeitskräfte sorgen. Dazu sei es vordringlich, mit dem bewährten österreichischen System der Lehre als duale Ausbildung in den Unternehmen und der Berufsschule die Jugendlichen zu Fachkräften zu machen. Hier habe die Bundesregierung mit dem Jugendbeschäftigungspaket, der Lehrlingsausbildungsprämie und dem Blum-Bonus wichtige Vorsorgen getroffen.

Als zweiten Schritt nannte der Minister die Qualifizierungsoffensive des AMS: hier seien als arbeitsmarktpolitische Maßnahme der Bundesregierung zusätzliche Mittel bereitgestellt worden, die zum Beispiel dem AMS das "Projekt 10.000" ermöglicht hätten: eine Qualifizierung von 10.000 Personen (doppelt so vielen wie im Vorjahr) zu Metallfachkräften.

Die dritte Möglichkeit sieht Bartenstein im Zuzug von Fachkräften aus dem Ausland, die aber den Mangel lediglich lindern, nicht nachhaltig schmälern oder gar eindämmen könnten. Hier habe man gute Erfahrungen mit Pflege- und Schlüsselkräften, Forschern und Fachkräften in bisher drei Metall verarbeitenden Berufen (Schweißer, Dreher und Fräser) gemacht. Mit der neuen Fachkräfte-Verordnung werde daher die Berufsliste auf 50 erweitert und die Kontingentierung aufgehoben. Bartenstein wertet es als ein "gutes Signal", dass Arbeitnehmervertreter prinzipiell hinter der schrittweisen Öffnung des Arbeitsmarktes stehen.

Für 2009 geht Bartenstein weiterhin davon aus, dass die Öffnung des Arbeitsmarktes für Fachkräfte und Akademiker kommen sollte.

Weitere Schritte zu rascheren Integration arbeitsloser Ausländer in den Arbeitsmarkt

"Wir wollen aber auch weitere Schritte zur Integration von arbeitslosen Ausländern in den Arbeitsmarkt setzen", fuhr Bartenstein fort. Dazu gehöre vor allem eine Intensivierung der Deutschkurse. Bislang besuchen jährlich rund 9000 Menschen vom AMS veranstaltete Deutschkurse. Das soll nun verstärkt werden: Mit Gruppenunterricht von maximal zehn Personen im Ausmaß von vier Unterrichtsstunden pro Tag über einen Zeitraum von acht bis zwölf Wochen sollten ab Jänner des kommenden Jahres 5.000 Personen Deutschkenntnisse vermittelt werden. "Das ist ein ganz konkreter Beitrag zur Verbesserung der Chancen im Arbeitsmarkt, das ist gelebte und praktische Integration", so Bartenstein.

Umfassendes "Flexicurity"-Paket zur sozialen Absicherung

Bartenstein ging sodann auf das am Mittwoch im Ministerrat beschlossene "Flexicurity"-Paket für eine umfassende soziale Absicherung auch für "Freie Dienstnehmer" und Selbstständige ein. "Hier ist - nicht zuletzt dank der konstruktiven Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern und einer Konsens-orientierten Mitarbeit der SPÖ -ein Meilenstein gelebter Flexicurity und in der Umsetzung des Konzepts 'Gute Arbeit' gelungen", sagt der Minister.

Künftig werden die "Freien Dienstnehmer" in die Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentgeltsicherung mit einbezogen und für Selbstständige die Möglichkeit einer Arbeitslosenversicherung (auf freiwilliger Basis) eingerichtet. Nach dem Erfolgsmodell "Abfertigung neu" wird es auch eine betriebliche Vorsorge in Zukunft für alle geben, die einer Beschäftigung nachgehen.

Zur Attraktivierung der Bildungskarenz werde das Weiterbildungsgeld von bisher 436 Euro auf das jeweils gebührende Arbeitslosengeld erhöht, das derzeit durchschnittlich 738 Euro beträgt, kündigte Bartenstein an. Außerdem werde die Mindestbeschäftigungsdauer von drei Jahren auf ein Jahr herabgesetzt. Auch Saisonbeschäftigte, die beim selben Arbeitgeber innerhalb von vier Jahren mindestens zwölf Monate gearbeitet haben, werden künftig Bildungskarenz in Anspruch nehmen können.

Modernisierung der Zumutbarkeitsbestimmungen

Ein weiterer Teil des Flexicurity-Pakets gelte der Modernisierung der Zumutbarkeitsbestimmungen, führte Bartenstein weiter aus. Dazu gehöre die präzise Definition der Mindestverfügbarkeit - mindestens 20 Wochenstunden bzw. 16 Stunden, wenn keine Betreuungsmöglichkeiten für Kinder bis zum zehnten Lebensjahr oder bei behinderten Kindern gegeben sind - und die Festlegung zumutbarer Wegzeiten mit zwei Stunden täglich für Hin- und Rückweg bei Vollbeschäftigung (eineinhalb Stunden bei Teilzeit, bei Betreuungspflichten Verkürzung möglich). Weiters müssen auch Stellen angenommen werden, die von AMS-Partnern vermittelt werden, sowie Arbeitsverhältnisse, die im Rahmen eines Sozialökonomischen Betriebes oder eines Gemeinnützigen Beschäftigungsprojektes angeboten werden. Die Sanktionen gegen pfuschende Arbeitskräfte werden verschärft.

Eckdaten zum Arbeitsmarkt

Im Oktober 2007 ist die Zahl der Arbeit suchend gemeldeten Personen um 4,6 Prozent bzw. 9,766 auf 204.840 gesunken. Nach vorläufiger Fortschreibung des AMS liegt die Arbeitslosenquote nach EUROSTAT-Methode derzeit bei 4,2 Prozent - 0,3 Prozentpunkte besser als im Oktober 2006 - und damit Österreich auf Basis letzt verfügbarer Werte an fünfter Stelle im europäischen Vergleich. Bei gleichzeitigem Sinken der Arbeitslosenzahlen ist auch die Zahl der Schulungsteilnehmer rückläufig: Ende Oktober waren im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent bzw. 8.802 Menschen weniger in Schulungsmaßnahmen des AMS. Insgesamt ergibt das für die Zahl der Arbeit Suchenden einen Nettoeffekt von minus 18.568 (-6,7%).

Die Zahl der Beschäftigten ist nach einer Schätzung des BMWA um rund 60.000 (+1,8 Prozent) im Vergleich zu Ende Oktober 2006 auf rund 3.380.000 angestiegen. Offene Stellen waren im Oktober 2007 mit 37.862 um 3,6 Prozent (+ 1.324) mehr gemeldet als ein Jahr zuvor. Darüber hinaus haben von den 204.840 vorgemerkten Arbeitssuchenden 35.951 eine Einstellzusage und erwarten aktuell keine Vermittlung durch das AMS. Die Zahl der Langzeitarbeitssuchenden ist um 19,1 Prozent bzw. 1.367 Personen zurückgegangen. Die Dauer der Arbeitssuche beträgt durchschnittlich 91 Tage und hat sich damit um vier Tage gegenüber dem Vorjahr verkürzt.

Der Rückgang der vorgemerkten Personen zieht sich durch alle Bereiche: Bei den Männern sind es minus 5.297 (- 4,9 Prozent), bei den Frauen minus 4.469 (- 4,2 Prozent). Inländer: minus 5,1 Prozent (- 8.954), Ausländer: minus 2,2 Prozent (- 812). Bei den über 50-jährigen Personen waren im Oktober 2007 um 334 weniger als Arbeit suchend vorgemerkt als im Vorjahr, was einem Rückgang von 0,8 Prozent entspricht.

Bei den Jugendlichen ist die Zahl der Arbeit Suchenden im Jahresabstand um 2.850 oder 7,7 Prozent auf 34.349 zurückgegangen. Das bedeutet in dieser Altersgruppe eine Arbeitslosenquote von 8,0%. Damit liegt Österreich innerhalb der EU an drittbester Stelle (hinter den Niederlanden und Dänemark, die Quote für die gesamte EU liegt bei 15,1%). 5.670 Jugendliche, um 412 oder 6,8 Prozent weniger als vor einem Jahr, haben Ende Oktober eine Lehrstelle gesucht. Dem stehen 3.788 als offen gemeldete Lehrstellen gegenüber (+163/+4,5%), das bedeutet, dass die Lehrstellenlücke massiv um 23,4% oder 575 Stellen auf 1.882 geschrumpft ist.

Entwicklung in den Bundesländern

Den stärksten (relativen) Rückgang der Zahl der Arbeit Suchenden verzeichnet Oberösterreich mit minus 7,6 Prozent. Danach folgen Salzburg (-6,5 Prozent), Wien (-6,4 Prozent), Burgenland (-5,4 Prozent), Vorarlberg (-5,1 Prozent), Niederösterreich (-3,1 Prozent), Steiermark (-2,3 Prozent), Kärnten (-2,3 Prozent) und Tirol (-0,5 Prozent).

Entwicklung nach Branchen

Nach Branchen betrachtet verzeichnet die Sachgütererzeugung mit minus 7,3 Prozent den stärksten relativen Rückgang. Danach folgen der Handel (-5,5 Prozent), das Bauwesen (-3,8 Prozent), der Fremdenverkehr (-3,3 Prozent) sowie unternehmensbezogene Dienstleistungen (-0,4 Prozent).

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