Greenpeace: Lkw-Nachtfahrverbot wird systematisch missachtet

Stichproben ergaben, dass jeder (!) Lkw zu schnell unterwegs ist

Wien (OTS) - Wiederholte Geschwindigkeitsmessungen des Lkw-Nachtfahrverbotes entlang der Wiener Außenring-Autobahn haben gezeigt, dass sich nicht ein einziger der von Greenpeace kontrollierten Lkw an die vorgeschriebenen sechzig Stundenkilometer gehalten hat.

"Das Tolerieren der systematischen Missachtung von Gesetzen fördert und begünstigt den Lkw-Verkehr in Österreich, der seit Jahren massiv zunimmt", betont Niklas Schinerl von Greenpeace. "Nur eine strengere Handhabung des Gesetzes würde dazu führen, dass der Transport auf der Straße unattraktiver wird", erläutert Schinerl.

In Österreich gilt zwischen 22 Uhr und 5 Uhr in der Früh ein Lkw-Nachtfahrverbot. Von diesem Verbot sind lärmarme Lkw allerdings ausgenommen. Für die gilt im selben Zeitraum eine Geschwindigkeitsbeschränkung von sechzig km/h. Da inzwischen aber fast alle Lkw als lärmarm eingestuft werden, ist das Nachtfahrverbot de facto wirkungslos geworden.

Bei Geschwindigkeiten um die sechzig km/h entsteht die Lärmemission nicht durch das Motorengeräusch, sondern vorwiegend durch das Abrollgeräusch der Reifen auf den Straßen. Durch diese kaum kontrollierten Geschwindigkeitsüberschreitungen steigen die Lärm-Emissionen permanent um etwa fünf Dezibel an. Zum Vergleich:
Bereits zehn Dezibel empfinden Menschen als Halbierung des Lärm-Niveaus. Gerade in der ansonsten lärmarmen Nacht, die der Regeneration dienen sollte, ist dieser Unterschied für Anrainer massiv spürbar.

Viele Frächter-Firmen profitieren von der Missachtung der Gesetze im Bereich der Sozialvorschriften, der Gewichtsbeschränkungen und der Höchstgeschwindigkeiten. Die Consulting-Agentur Herry hat für die Arbeiterkammer in der Studie "Auswirkungen der Nichteinhaltung von geltenden Regelungen am Transportmarkt" errechnet, dass bei einem "einigermaßen" Einhalten der Sozialvorschriften die Transportkosten auf der Straße um beinahe fünfzig Prozent steigen würden. Diese hätte zur Folge, dass der Straßenverkehr durch eine Verlagerung auf die Schiene um fünfzehn Prozent sinken würde.

Greenpeace wird seine Geschwindigkeitsmessungen in den kommenden Wochen österreichweit fortsetzen. Sollte von Minister Platter keine Zusage kommen, den Lkw-Verkehr stärker als bisher in die Pflicht zu nehmen, wird Greenpeace alle Übertretungen dokumentieren und jeden einzelnen Fall in Form einer Sachverhaltsdarstellung bei der jeweils zuständigen Behörde anzeigen. "Wenn sich Minister Platter schon in seiner Rolle als Mann des Gesetzes gefällt, hätte er hier einmal eine sinnvolle Gelegenheit dazu", ermutigt Schinerl den Innenminister.

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niklas.schinerl@greenpeace.at

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