"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Peinliche Polizei-Affäre" (Von MARIO ZENHÄUSERN)

Ausgabe vom 27./28. Oktober 2007

Innsbruck (OTS) - Die Alkohol-Affäre im Wachzimmer Zell am Ziller sorgt für Turbulenzen innerhalb der Tiroler Polizei. Zuerst brachte der Satz eines der Betroffenen - "Bei uns wird nicht mehr getrunken als in anderen Wachzimmern auch!" - den ganzen Stand zu Unrecht in Misskredit. Und jetzt lässt eine interne Mail auch noch Zweifel an der Objektivität der Ermittlungen aufkommen. Die Aufforderung, einer Putzfrau mit Entlassung zu drohen, sollte sie nicht spuren, ist an Deutlichkeit nicht zu überbieten. An Peinlichkeit für den verantwortlichen Offizier auch nicht.

Wenn die Polizisten in Zell über die Stränge geschlagen haben, ist das zu ahnden. Daran darf es keinen Zweifel geben. Wenn aber die Beweise für das Fehlverhalten auf derart dubiose Weise zustande kamen, braucht sich niemand darüber zu wundern, dass so etwas Kritik auslöst.

Die Affäre im Zillertal beschäftigt die Polizei zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die Stimmung unter den mehr als 1800 Beamten im Land ist angespannt. Sie sind gerade dabei, sich an die Auswirkungen der am 1. Juli 2005 erfolgten Zusammenlegung von Polizei und Gendarmerie zu gewöhnen. Ein zähes Ringen und die Fortschritte sind kleiner, als so mancher Reform-Planer sich vorgestellt hat.

Rein äußerlich ist die Reform abgeschlossen: Die Fusion hat aus Gendarmen und Innsbrucker Polizisten die Mitglieder der neuen Tiroler Polizei geformt. Aber es wird noch Jahre dauern, bis sich diese sinnvolle Maßnahme auch in den Köpfen aller Beteiligten festsetzt. Vorfälle wie jene in Zell sorgen nicht dafür, dass sich diese Frist verkürzt.

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