WirtschaftsBlatt-Leitartikel: AUA - Der Mut zur Nische wird belohnt

Offen bleibt, ob die Airline ewig eigenständig bleiben kann

Wien (OTS) - Grösse ist nicht alles - so lautet die Hymne der Kleinen. Oft gehört, selten geglaubt. Denn viele kleine Unternehmen sind schon von der "Economies of scale"-Keule erschlagen worden. Zu hohe Stückkosten, weil die Menge zu gering ist; zu teure Overhead-Kosten, weil der Umsatz nicht mitwächst - die Antwort darauf ist die weltweite Globalisierung, die in Wahrheit ein Duell um Kostenführerschaft durch die Ausnützung von Mengeneffekten ist. "Small is beautiful" klingt da stark nach Durchhalteparole; so wie man besonders laut pfeift, wenn man nachts einen dunklen Wald durchqueren muss und sich Mut macht.

Doch jetzt liegt das aktuelle Quartalsergebnis der Austrian Airlines vor. Und siehe da: Grösse ist wirklich nicht alles. Die AUA hat seit dem Frühjahr wichtige Fernstrecken aus dem Programm genommen, hat sich unter anderem von Schanghai, Australien und Phuket verabschiedet. Der Umsatz ist daraufhin zwar geschrumpft, der Gewinn aber gestiegen. Plötzlich scheint am Horizont sogar das Zauberwort "positives Jahresergebnis" auf; ein Ziel, dass die AUA mit ihrem Tiefflug in den vergangenen Jahren klar verfehlt hat.

Die Zahlen geben den AUA-Strategen also recht. Und das ist erfreulich, nicht nur für die AUA-Aktionäre. Denn die Entscheidung zur Redimensionierung ist in einer Zeit, in der alle von Grösse reden, mutig. Und dieser Mut wird jetzt belohnt.

Langstrecken sind teuer und besonders anfällig für hohe Kerosinkosten. Um den Deckungsbeitrag zu erzielen, den ein Passagier auf der Strecke Wien-Bukarest bringt, müssen mindestens drei Reisende nach Asien geflogen werden. Da spricht vieles für Osteuropa, wenig für Asien.

Dennoch war die Entscheidung des AUA-Vorstandes umstritten. Schliesslich bedeutet der Rückzug in die Nische bei der Langstrecke auch eine Degradierung zum reinen Zulieferer für die internationalen Carrier. Das sieht nicht jeder gern. Doch wer mangels Masse mit den Airline-Schwergewichten wie Lufthansa und British Airways nicht konkurrieren kann, ist besser dran, wenn er einen überschaubaren Markt möglichst gut besetzt.

Kleiner und dafür feiner - das ist ein gutes Business-Konzept, allerdings eines mit Nebenwirkungen. Ob die AUA als eigenständige Airline ewig bestehen kann, ist eine offene Frage. Je besser positioniert und gewinnträchtiger die Airline ist, desto eher ist sie ein leckerer Happen für die Grossen der Branche. Die AUA-Strategie verbessert nicht nur das Ergebnis, sie erhöht auch die Übernahmefantasie.

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