Mailath vergibt Preise der Stadt Wien 2007

Wien (OTS) - Heute, Mittwoch, wurden im Wiener Rathaus die mit je 8000 Euro dotierten Preise der Stadt Wien für das Jahr 2007 an Friedrich Achleitner, Gregor Eichinger, Christian Knechtl, Michael Mantler und Kurt Neumann verliehen. Zahlreiche Gäste waren erschienen, um an der Feierstunde teilzunehmen, darunter Stadträtin a. D. Ursula Pasterk, die Gemeinderäte Franz Ferdinand Wolf, Bernhard Dworak und Christoph Chorherr, Elfriede Gerstl, Peter Rosei und Alfred Dorfer.

Die Preise der Stadt Wien werden seit 1947 vergeben und spiegeln in ihrer Gesamtheit die Kunst- und Kulturgeschichte der Republik wieder, so Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny im Rahmen der Verleihung. Die Preise seien Anerkennung und Wertschätzung für das, was die Preisträger für Wien geleistet haben: "Denn es sind die Künstler und die Intellektuellen, die das Bild Wiens in der Welt prägen und gestalten".****

Germanistin Konstanze Fliedl spannte in ihrer Laudatio den Bogen von Friedrich Achleitners Anfängen als Mitglied der Wiener Gruppe, die sich gegen die restaurative Langeweile in der Gesellschaft wandte, bis zu seinem gegenwärtigen literarischen Schaffen: "Seine Dialektgedichte machen ihn zum Dichter dieser Stadt".

Als "Pioniere im innerarchitektonischen Geschehen" bezeichnete Walter Zschokke das Architektenduo eok, Gregor Eichinger oder Christian Knechtl. Sie setzen profilierte architektonische Statements bei der Gestaltung von Szene-Lokalen, von Verkaufsräumen, und widmen auch Kleinstprojekten ihre größte Sorgfalt. Jeder der beiden verwirkliche jedoch auch eigene Projekte.

"Seine Musik ist anspruchsvoll, schön und zeitlos", sagte Irene Suchy in ihrer Laudatio auf Michael Mantler. Sie würdigte auch Mantlers Aufbauarbeit im Bereich der Finanzierung, Organisation und Logistik durch Gründung eines eigenen Plattenlabels, Tonstudios und Musikverlags.

"Kurt Neumann erfindet und ermöglicht Literatur als öffentlichen Gesellschaftsprozess", so Thomas Eder, Germanist und Philosoph, in seiner Laudatio auf den "Kosmos Neumann". Insbesondere verwies er auf "30 Jahre Neumann Schmiede und 1000e Veranstaltungen mit seinen Einleitungen, Kommentaren, Rezensionen und Reden. "Größeres ist im Bereich der Publizistik nicht machbar", schloss Eder.

Biographie Friedrich Achleitner

Friedrich Achleitner wurde 1930 in Schalchen in Oberösterreich geboren. Nach der Matura im Jahre 1949 an der Höheren Bundesgewerbeschule in Salzburg, Abteilung Hochbau, besuchte er von 1950 bis 1953 die Akademie der bildenden Künste in Wien und erwarb sein Architekturdiplom bei Clemens Holzmeister. Von 1953 bis 1955 studierte er Bühnenbild bei Emil Pirchan.

Ebenfalls von 1953 bis 1955 arbeitete er zusammen mit Johann Georg Gsteu als freischaffender Architekt, wandte sich währenddessen aber schon der Literatur zu und bildete u.a. mit Konrad Bayer, Gerhard Rühm, Oswald Wiener, Hans Carl Artmann die sogenannte "Wiener Gruppe".

Achleitners wichtigste literarische Veröffentlichungen sind "hosn, rosn, baa" (1959 zusammen mit H.C. Artmann und Gerhard Rühm), die Werkdokumentation "prosa, konstellationen, montagen, dialektgedichte, studien" (1970), der experimentelle Text "quadratroman" (1973), "friedrich achleitner + gerhard rühm. super rekord 50 + 50" (1980), "Kaas" (1991), "Die Plotteggs kommen" (1995), "einschlafgeschichten" (2003) und "wiener linien" (2004).

Biographien Gregor Eichinger, Christian Knechtl

Gregor Eichinger wurde 1956 in Wels geboren. Er studierte 1975 bis 1980 Architektur an der Technischen Universität Wien.

Christian Knechtl wurde 1954 in Baden bei Wien geboren. Er studierte Architektur an der Technischen Universität Wien.

Zur Gründung der Bürogemeinschaft "Eichinger oder Knechtl" kam es 1982. "Eichinger oder Knechtl" entwarfen zahlreiche Konzepte für Ausstellungen und deren Gestaltung, sowie für Veranstaltungen der Kunst- und Kulturszene. Ihr Arbeitsbereich ist äußerst vielfältig, Kunst im öffentlichen Raum, sei es an einer Schallschutzwand in Krems Landersdorf oder ein Raumobjekt für die Berufsschule Theresienfeld, zählt ebenso dazu wie der Aus- und Umbau etlicher Gebäude, wie z.B. die Neugestaltung des Jüdischen Museums in Wien (1996) oder die Renovierungsarbeiten im Kloster Und (2003), sowie die Einrichtung zahlreicher Lokale. Hier eine kleine Auswahl der Wiener Lokale, die von "Eichinger oder Knechtl" gestaltet wurden: Café Stein (1985), Restaurant Stein´s Diner (1987), Restaurant/ Bar Wrenkh (1989), Unger & Klein Wine Shop (1992), Ron Con Soda/First Floor (1994), Café-Restaurant im Palmenhaus, Burggarten (1998/99), Café-Restaurant "Halle" im Wiener Museumsquartier (2002).

"Eichinger oder Knechtl" wurden unter anderem mit dem Staatspreis für experimentelle Tendenzen in der Architektur 1991 und im selben Jahr mit dem Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der Architekten ausgezeichnet.

Biographie Michael Mantler

Michael Mantler wurde 1943 in Wien geboren. Er studierte Trompete an der Wiener Musikakademie und Musikwissenschaft auf der Universität Wien und ging 1962 in die USA, um dort seine Studien fortzusetzen. Tätig in der New Yorker Avantgarde, u. a. mit Cecil Taylor und der Jazz Composer's Guild, gründete er 1968 die Jazz Composer's Orchestra Association (JCOA), eine Vereinigung mit dem Ziel, neue Kompositionen für Jazz Orchester zu beauftragen, zu präsentieren, und auf Platten zu veröffentlichen.

Vertriebsprobleme der JCOA-Platten brachten ihn dazu, 1972 das New Music Distribution Service zu etablieren, eine Gesellschaft die viele unabhängige Plattenlabels während der nächsten 20 Jahre unterstützte.

1974 gründete er seine eigene Firma WATT, zu der ein Plattenlabel, Tonstudio, und Musikverlag gehörten. Mit der Carla Bley Band, und auch mit eigenen Gruppen folgten weltweite Tourneen und zahlreiche Plattenaufnahmen.

1991 kehrte er nach Europa zurück, um in Dänemark und Frankreich zu leben und arbeiten.

Mantler erhielt mehrere Kompositionsförderungen sowohl vom Dänischen Kulturministerium als auch vom Österreichischen Bundesministerium für Kunst und Unterricht.

Im Dezember 2004 erhielt Mantler den vom österreichischen Bundeskanzleramt gestifteten Staatspreis für Improvisierte Musik im Rahmen des Hans Koller Preises.

Biographie Kurt Neumann

Kurt Neumann wurde 1950 in Gmunden geboren. Zunächst studierte er Medizin (Promotion 1976). Seit 1970 organisierte er gemeinsam mit Manfred Lischka ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm in Oberösterreich (Konzerte, Lesungen, Theater, Stadtfeste). 1981 gab er die Kulturarbeit in Oberösterreich aus Protest gegen die Kulturpolitik dieses Bundeslandes wieder auf.

Seit 1977 ist er für das Literaturprogramm der "Alten Schmiede" in der Schönlaterngasse verantwortlich. Zweck der Literaturwerkstatt ist die Förderung von lebenden AutorInnen und die Herbeiführung einer öffentlichen Resonanz für diese.

Seit 1982 publiziert Kurt Neumann eigene literarische Werke in Literaturzeitschriften, u. a. in "Neue Rundschau", "manuskripte", "Wespennest", "protokolle" und tritt auch als Herausgeber von Anthologien österreichischer Autoren in Erscheinung.

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