Lemler: "In Sachen Ertragskraft spielt der Handel in der zweiten Liga, nicht in der Bundesliga"

Betriebswirtschaftliche Lage von 24% der Handelsunternehmen katastrophal, 11% top - Voithofer: "Bei Ertragskraft nach wie vor Aufholbedarf" - Polarisierung nimmt weiter zu

Wien (PWK809) - "In Sachen Ertragskraft spielt der Handel in Österreich in der zweiten Liga, nicht in der Bundesliga", so beschrieb Erich Lemler, Obmann der Bundessparte Handel der WKÖ, vor der Presse die betriebswirtschaftliche Lage des österreichischen Handels: Die Ertragskraft ist zwar seit dem Bilanzjahr 2001/02 kontinuierlich - wenn auch bescheiden - gestiegen, allerdings von einem sehr bescheidenen Niveau aus. Das zeigen aktuelle betriebswirtschaftliche Kennzahlen des heimischen Handels. Sie wurden heute Mittwoch von Handelsobmann Lemler und Peter Voithofer, dem stellvertretenden Direktor der KMU Forschung Austria, präsentiert. Der Auswertung liegen rund 22.000 auswertbare Jahresabschlüsse des Bilanzjahres 2005/2006 aus dem Bereich Handel durch die KMU Forschung Austria zu Grunde.

Handelsforscher Voithofer zu Detailergebnissen: "Die betriebswirtschaftliche Lage im Handel hat sich zwischen 2000/01 und 2005/06 ver¬bessert. Der Anteil der Top-Unternehmen hat sich um 3 Prozentpunkte erhöht, jener der überschuldeten Unternehmen mit katastrophaler Performance hat sich hingegen um Prozentpunkte verringert. Im Einzelhandel kam es im selben Zeitraum zu einer Erhöhung der Top-Unternehmen um 2 Prozentpunkte auf 9 Prozent, im Großhandel ist der Anteil der besten Unternehmen um 5 Prozentpunkte auf 16 Prozent gestiegen. Im Kfz-Handel blieb der Anteil unverändert bei 6 Prozent. Der Anteil der Unternehmen in einer katastrophalen betriebswirtschaftlichen Situation hat sich in allen drei Handelsbereichen um 5 bis 6 Prozentpunkte verringert und lag im Bilanzjahr 2005/06 im Einzelhandel bei 30, im Großhandel bei 14 und im Kfz-Handel bei 26 Prozent."

"Rund 39 Prozent aller Handelsunternehmen verfügen über kein Eigenkapital", führte Handelsforscher Voithofer aus: "Dass heißt, dass das Fremdkapital das vorhandene Betriebsvermögen übersteigt. Von einer buchmäßigen Überschuldung sind rund 46 Prozent der Einzelhandelsunternehmen, rund 41 Prozent der Kfz-Handelsunternehmen bzw. rund 27 Prozent der Großhandelsunternehmen betroffen." Der Anteil der Unternehmen ohne Eigenkapital sinkt mit zunehmender Unternehmens¬größe. Während rund 46 Prozent der Kleinstunternehmen eine Überschuldung ausweisen, sind es bei den Großunternehmen rund 8 Prozent.

Bei der Eigenkapital¬quote wird der betriebswirtschaftliche (Mindest-) Richtwert von 20 Prozent im Durchschnitt der österreichischen Handelsunternehmen knapp überschritten. Die Großhandelsunternehmen übertreffen diesen Wert mit rund 24 Prozent deutlich, während der Einzelhandel mit rund 17 Prozent und der Kfz-Handel mit durchschnittlich rund 13 Prozent deutlich darunter liegen. Einzig im Kfz-Handel ist die Eigenkapitalquote im Jahresvergleich gesunken. Tendenziell steigend präsentiert sich die Eigenkapitalquote mit zunehmender Unternehmensgröße. Den Sollwert von 20% überschreiten jedoch nur im Großhandel bereits die Kleinunterneh¬men, im Einzelhandel sind es erst die mittleren Unternehmen und im Kfz-Handel wird der Richtwert von keiner Größenklasse erreicht.

"Rund 54 Prozent der österreichischen Handelsunternehmen erzielen im Bilanzjahr 2005/06 ein positives Betriebsergebnis." Der Anteil der positiv bilanzierenden Unternehmen steigt mit der Unternehmensgröße -während mehr als die Hälfte der Kleinstunternehmen "rote Zahlen" ausweist, ist es bei den Großunternehmen rund ein Viertel. Diesbezüglich zeigt sich im Jahresvergleich eine Verschlechterung im Kfz-Handel.

"Die Umsatzrentabilität, das ist der Gewinn vor Ertragssteuern in Prozent des Umsatzes, beträgt im österreichischen Handel rund 2,1 Prozent", so Voithofer mit den Ergebnissen der aktuellen Erhebung. Im sektoralen Vergleich ist - wie in den vergangenen Jahren - die Ertragskraft der Großhandelsbetriebe mit rund 2,5 Prozent am stärksten, während der Einzelhandel mit rund 1,9 und der Kfz-Handel mit rund 0,7 Prozent unter dem Gesamtdurchschnitt des Handels liegen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich im Groß- und im Einzelhandel die Ertragskraft verbessert, im Kfz-Handel zeigt sich hingegen ein deutlicher Rückgang der Umsatz¬rentabilität.

Nach Unternehmensgrößenklassen differenziert weisen die Großunternehmen des Großhandels mit rund 3,3 Prozent die höchste Ertragskraft aus, gefolgt von den Großunternehmen des Einzelhandels mit rund 3,1 Prozent. Am anderen Ende der Reihung befinden sich die Kleinstunternehmen des Kfz-Handels (0,02 Prozent) sowie des Einzelhandels (rund 0,3 Prozent).

Im Branchenvergleich des Einzelhandels weist der Lederwarenhandel im Durchschnitt mit 4,1 Prozent die höchste Umsatzrentabilität auf. Am unteren Ende der Rangliste befindet sich der Spielwarenhandel, der im Durchschnitt einen Verlust in der Höhe von rund 2,3 Prozent der Betriebsleistung hinnehmen muss. Rote Zahlen mussten im Bilanzjahr 2005/06 weiters die Drogerien und Parfümerien schreiben.

"Trotz der Verbesserung der betriebswirtschaftlichen Situation von Handelsunterneh¬men gibt es allerdings nach wie vor Aufholbedarf: Bei den wesentlichen betriebswirtschaftlichen Indikatoren liegt der Handel nämlich weiter unter dem Durchschnitt der marktorientierten Wirtschaft", hielten Lemler und Voithofer abschließend fest. (JR)

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