Creditreform Insolvenzstatistik 1. bis 3. Quartal 2007: Neue Rekorde bei den Insolvenzen

Geteiltes Österreich: Entwicklung zwischen Privat- und Unternehmensinsolvenzen total gegenläufig

Wien (OTS) - Die Insolvenzstatistik von Creditreform mit den endgültigen Zahlen der ersten drei Quartale 2007 zeigt ein verstärktes Auseinanderklaffen der Entwicklung bei Firmen- und Privatinsolvenzen. "Das Insolvenzland Österreich ist zweigeteilt:
Während die Unternehmensinsolvenzen annähernd auf das Niveau von 2004 zurückgingen, verzeichneten die Privatinsolvenzen einen neuen Rekord", sagt Rainer Kubicki, Geschäftsführer von Creditreform Österreich. 4.841 Unternehmensinsolvenzen stehen nunmehr bereits 6.481 Privatinsolvenzen gegenüber. Während die Zahl der Firmeninsolvenzen um 4% zurückging, stieg jene der insolventen Privatpersonen um 15,3% auf einen neuen Rekordwert. 11.322 Gesamtinsolvenzen (+6,1%) seit Beginn des Jahres sind ebenfalls neuer Rekord.

35 Privatinsolvenzen pro Werktag

Die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren ist um 17,4% auf 5.473 Fälle gestiegen, die mangels Masse abgewiesenen Insolvenzanträge um 4,8% auf 1.008 Fälle. Damit wurden in Österreich 35 Privatpersonen pro Werktag insolvent.
Im Bundesländervergleich ist Wien mit 2.064 (+26,2%) Privatinsolvenzen am stärksten betroffen. Die größten Zuwächse verzeichneten das Burgenland (+27,8% auf 138 Fälle) und Tirol (+26,3% auf 755 Fälle). Lediglich in Kärnten gingen die Privatinsolvenzen zurück (-25,8% auf 471 Insolvenzen).

13 von 1.000 Unternehmen werden insolvent

Als Niederschlag der guten Konjunktur ist die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen weiter gesunken (-4%, 4.841 Insolvenzen) und befindet sich somit auf dem niedrigsten Wert seit 2004. Während die eröffneten Insolvenzverfahren leicht um 1,7% auf 2.277 Fälle angestiegen sind, sind die mangels Masse abgewiesenen Verfahren um 8,6% auf 2.564 zurückgegangen. Der dem Ausgleichsverfahren innewohnende Sanierungsgedanke fand lediglich bei 36 Verfahren eine Chance auf Umsetzung (-52%) und hat somit weiterhin an Relevanz in der Insolvenzabwicklung verloren.

Im Bundesländervergleich verzeichneten Tirol (-19,1%, 361 Fälle), Oberösterreich (-14,2%, 574 Fälle) und die Steiermark (-7,5%, 594 Fälle) signifikante Rückgänge. In Niederösterreich (+6,2%, 818 Fälle) und in Salzburg (+1,2%, 333 Fälle) stiegen hingegen die Insolvenzen.

Die "typische" Insolvenz

Ein Blick auf die Rechtsform und das Gründungsdatum zeigt, dass bei jeder zweiten Insolvenz (2.525) ein kleiner Gewerbebetrieb betroffen ist und dass 47,6% der insolventen Unternehmen fünf Jahre oder jünger sind (Gründungsjahr 2002 oder jünger). Die durchschnittlich angemeldete Forderung pro Gläubiger beträgt bei Firmeninsolvenzen
ca. Euro 11.000.

Insolvenzquote: Der objektive Vergleich

Setzt man die Zahl der insgesamt bestehenden Unternehmen in einem Bundesland ins Verhältnis zur Zahl der Insolvenzen, erhält man die relative Insolvenzquote. Die höchste Insolvenzbetroffenheit weisen Wien (18,1 je 1.000 Unternehmen), Burgenland (13,5) und Kärnten (13) auf. Im Bundesländervergleich behält Wien auch absolut betrachtet mit 1.499 insolventen Unternehmen die Spitzenposition.
Die geringste Insolvenzbetroffenheit haben Oberösterreich mit 10,5 und Tirol mit 10,6 von 1.000 Unternehmen.

Branchenranking

Die gute Konjunktur schlägt besonders bei den Branchen "Unternehmensbezogene Dienstleistungen" (-14,6%, 1.254 Insolvenzen) und "Sachgütererzeugung" (-10%, 323 Insolvenzen) zu Buche. Das als "Sorgenbranche" geltende Bauwesen konsolidierte sich ebenfalls weiter (-4,5%, 762 Insolvenzen). Der Handel verzeichnete hingegen einen Anstieg um 4% auf 1.010 insolvente Unternehmen.

Conclusio 1. bis 3. Quartal 2007

Mit einem Wirtschaftswachstum von zuletzt 3,7% (Euro-Zone: 2,5%) ist Österreichs Wirtschaft auf gutem Kurs. Dies gilt auch in Hinblick auf die Entwicklung der Firmeninsolvenzen. Den heimischen Unternehmen ist aber zu raten, dieses Konjunkturhoch verstärkt zu nutzen, um für schlechtere Zeiten gerüstet zu sein. Spare in der Zeit, dann hast du in der Not, könnte ein Motto sein, sich verstärkt um Eigenkapitalquoten, Erschließung neuer Finanzierungsquellen und Liquiditätssteigerung zu kümmern. Ebenso müssen Unternehmen ständig an ihrer Effizienz und Wertschöpfung arbeiten, um nicht in Krisenzeiten vom Markt gedrängt zu werden.
Lässt man bei den Privatinsolvenzen die vis major (Höhere Gewalt in Form von Unfall, Krankheit, Scheidung) als Insolvenzursache außer Acht, ist festzustellen, dass insbesondere der sorglose Umgang mit Geld in Kombination mit fehlendem Finanzwissen für das rasante Ansteigen der Privatinsolvenzen verantwortlich zeichnet. Abhilfe kann hier nur eine umfassende Information und Aufklärung schaffen. Wie in Großbritannien in diesem Schuljahr begonnen, sollten schon Volksschüler neben Rechnen und Schreiben die Grundzüge des privaten Wirtschaftslebens erlernen: Wie eröffnet man ein Bankkonto? Wie gehe ich mit meinem Einkommen um? Was bedeuten Zinsraten und Pensionsfonds? Dieses Basiswissen muss als Prophylaxe und "key life skill" schon den Jugendlichen vermittelt werden. Die Beschäftigung mit Zahlen und das Wissen um die eigene wie auch um die Bonität des Geschäftspartners ist sowohl bei Unternehmen als auch bei Privatpersonen das Um und Auf der Insolvenzprävention.

Creditreform ist seit 1889 in Österreich tätig und Teil von Europas führendem Anbieter von Wirtschaftsinformationen. Über 4.500 Mitarbeiter in 19 Ländern Europas erbringen für 165.000 Kunden professionelle Dienstleistungen "rund um den Kredit", von Wirtschaftsauskünften über das Risiko- und Forderungsmanagement (Inkasso) bis zu Unternehmensratings und Marketingdatenbanken.
Seit 1. Juni 2007 ist der Österreichische Verband Creditreform als staatlich bevorrechteter Gläubigerschutzverband im Bereich der Insolvenzvertretungen tätig.

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