Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Die Zerstörer der Schulen

Wien (OTS) - Unsere Schulen sind krank. Die Ursache der Krankheit sind gut meinende Pädagogen und Politiker aller Couleurs, doch auch etliche Lehrer. Sie wollten den Schülern alle Chancen offenhalten und schraubten deshalb das Schulniveau ständig herunter.

Zuerst wurde die Aufnahmsprüfung in die AHS einfach durch die Volksschulnoten ersetzt; die Folge: Die lieben Volksschullehrer geben fast nur noch Einser (in Wien-Donaustadt, wo sie besonders lieb sind, bekommen schon 60 Prozent der Viertklassler lauter Einser); dann wurden in den Hauptschulen A- und B-Zug abgeschafft; dann wurden Zeugnisse zu Bescheiden, die man mit allen rechtlichen Mitteln bekämpfen kann; dann wurden die Schulferien im Laufe der Zeit um fast zwei Wochen verlängert; dann wurde der Samstag schulfrei; dann hatten Ministerinnen keine andere Sorge als die Limitierung der Hausaufgaben; dann übten Direktoren und Stadtschulräte Druck auf leistungsorientierte Lehrer aus, nur ja keine negativen Noten zu geben; dann wurde die Ersetzung von Wissenserwerb durchs soziale Kompetenzen gepredigt; dann wurde individuelle Leistung durch die Forcierung von Gruppenarbeit lächerlich gemacht; und schließlich wurde wieder ständig von einer Entrümpelung der Lehrpläne geredet, also auch diese lächerlich gemacht.

Über allem aber prangt das Motto: Nur nicht zu viel verlangen! Nehmt doch den armen, durch Computer, Fernsehen und Freizeitstress belasteten Kindern nicht die Zukunftshoffnungen! Als ob sich Zukunft auf schöne Zeugnisse bauen müsste und nicht auf Wissen und Können gründen müsste . . .

Aber irgendwann kommt im wirklichen Leben immer die Rechnung: Die Maturanoten werden von den meisten Arbeitgebern meist gar nicht mehr angeschaut; die aufblühenden Fachhochschulen, Lehrgänge und Privatuniversitäten, zunehmend auch die Staatsuniversitäten setzen eine eigene Aufnahmsprüfung oder K.O.-Tests an den Beginn des Studiums; auch die mageren Ergebnisse bei Pisa- und sonstigen Tests sind eine Folge dieses ständigen Trommelfeuers auf die schulische Leistung (und der hohen Ausländerquote). Dennoch taktieren die Zerstörer der Schulen weiter genial: Sie verkaufen uns nun die Gesamtschule als Therapie gegen die von ihnen mitverschuldete Nivellierung nach unten. Obwohl sie dessen endgültige Einzementierung wäre.

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