Mitterlehner kritisiert Blue Card-Entwurf der EU-Kommission als zu wenig ambitioniert

Der Fachkräftemangel ist in vielen Ländern Europas deutlicher spürbar. Europa braucht dringend attraktive Rahmenbedingungen, um hoch qualifizierte Personen an zu locken

Wien (PWK804) - "Der heute von der EU-Kommission vorgelegte
Entwurf einer für Europa geltenden Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis ("Blue Card") liegt deutlich hinter den bisherigen ambitionierten Vorhaben zurück", erklärte Reinhold Mitterlehner, Generalsekretär-Stellvertreter der Wirtschaftskammer Österreich: "Die Blue Card soll nur mehr für einen Mitgliedsstaat und nicht mehr als Arbeitserlaubnis für die gesamte EU gelten. Beim Wechsel in ein anderes EU-Mitgliedsland muss dann wieder eine Beschäftigungsbewilligung eingeholt werden."

Für die Wirtschaftskammer Österreich ist diese Entwicklung enttäuschend: " Wir sollten die Chance nutzen und Europa mittels Blue Card als attraktive Region für hoch qualifizierte Migranten positionieren. Derzeit wandern 55 Prozent der weltweit migrierenden qualifizierten Arbeitkräfte in die USA ein, jedoch nur 5 Prozent in die EU. Europa braucht dringend attraktive Rahmenbedingungen, um hoch qualifizierte Personen an zu locken", so Mitterlehner. In Österreich besteht in vielen Branchen ein akuter Bedarf an gut qualifizierten Arbeitskräften: Gemäß einer im Frühjahr von market durchgeführten Unternehmerumfrage haben 2/3 der Betriebe das Gefühl, dass sich die Suche nach qualifizierten Arbeitskräften im Inland schwierig gestaltet.

"Wir bekennen uns dazu, den Bedarf an Fachkräften vorrangig über das im Inland verfügbare Arbeitskräftepotenzial zu decken", verweist Mitterlehner auf das kürzlich beschlossene Lehrlings- und Qualifizierungspaket der Sozialpartner. Die Regelungen zur Blue-Card stehen allerdings in keinem Zusammenhang zu diesem Paket, da es sich bei der Zielgruppe für die Blue Card um hoch qualifizierte Personen aus Nicht-EU-Ländern handelt.

Auch in Österreich ist eine öffentliche Debatte über ein zukunftsfähiges Zuwanderungssystem laut Mitterlehner überfällig:
"Derzeit beschränkt sich die Zuwanderung auf Familienzusammenführung, Schlüsselkräfte und Saisonniers. Den größten Anteil macht die Familienzusammenführung aus, wobei die nachziehenden Familienmitglieder meist ein relativ niedriges Bildungsniveau haben. Wir haben raschen Handlungsbedarf, sonst geht es uns wie bei den Fachkräften aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten: die besten sind meist schon weg." Nach Schätzungen von WKÖ und AMS fehlen bis zum Jahr 2009 rund 50.000 qualifizierte Fachkräfte in Österreich. Dieser Mangel kann höchstens zur Hälfte aus heimischen Ressourcen gedeckt werden. Mitterlehner: "Wir brauchen nach dem Vorbild Kanadas oder Australiens ein transparentes und flexibles Zuwanderungssystem, damit wir jene hochqualifizierten Immigranten nach Österreich holen, die wir am Arbeitsmarkt dringend benötigen." (FA)

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