In the making: Verbindung zwischen Technologieförderung und dem Gesundheitssektor

Linking Biotech and Health Care Policy

Wien (OTS) - Gestern Abend diskutierten hochkarätige Experten im Wiener MARX Media Quarter über "Linking Biotech and Health Care Policy". Thematisiert wurde das Spannungsfeld Technologiepolitik und Gesundheitspolitik: Einerseits unterstützen europäische, nationale und regionale Initiativen der Technologiepolitik Life Science Start-ups und deren Produktentwicklungen. Andererseits gibt es gut begründete Einsparungsbestrebungen in der Gesundheitspolitik, natürlich vor dem Ziel, eine optimale Versorgung der Patienten zu ermöglichen. 160 Teilnehmer aus dem Biotech und Pharma Bereich zeugten vom großen Interesse an dieser spannenden Thematik.

"Unser Anliegen war es, mit dem diesjährigen LISA VR Life Science Circle einen ersten Anstoß für die Verbindung der Themenkomplexe Biotech und Gesundheit zu bieten. Wir wollten einerseits mehr über die aktuellen Trends in Europa erfahren und andererseits auch die spezifische Situation in Österreich beleuchten. Durch das Sichtbarmachen der Positionen von Technologieförderung, Biotech, Pharma, Zulassungsbehörde, Sozialversicherung und Health Technology Assessment leisten wir einen Beitrag zu einem Dialog, der über diesen ersten Schritt hinaus gehen soll", betont Michaela Fritz, Geschäftsführerin von LISA VR.

Sonja Hammerschmid, Leiterin des Bereichs Technologie & Innovation in der austria wirtschaftsservice: "Mit Förderprogrammen wie LISA unterstützen wir seit 1999 besonders innovative Biotech Unternehmen. Diese Anschubfinanzierung mit öffentlichen Mitteln dient vielfach der Entwicklung innovativer Medikamente und Impfstoffe. Junge Wiener Unternehmen sind recht erfolgreich darin, auch die privaten Mittel einzuwerben, die es für die langwierige und kostenintensive Arzneimittelentwicklung braucht. Das zeigen Beispiele wie die börsennotierte Intercell, Affiris, Austrianova, Fibrex Medical, Nabriva oder die kürzlich mit 6 Mio. Euro Venture Capital finanzierte f-star." Erst dadurch ist es diesen Unternehmen möglich, in aufwändigen klinischen Studien die Sicherheit und Wirksamkeit ihrer Arzneimittel zu demonstrieren. Immer mehr Arzneimittelkandidaten der in den vergangenen fünf bis zehn Jahren gegründeten Wiener Biotech Unternehmen schaffen den Schritt in die Phase der klinischen Prüfung. Um sicherstellen zu können, dass alle Voraussetzungen für die zentrale Arzneimittelzulassung durch die Europäische Zulassungsbehörde EMEA (European Medicines Agency) ordnungsgemäß erfüllt sind, bedarf es ausreichender Kapazitäten für professionelles Agieren und den Zukauf von Know-how. Der Gesundheitsbereich als Markt für Arzneimittel ist ein internationaler, großer Markt. "Uns Technologieförderern ist es ein Anliegen, dass die von uns geförderten Hochtechnologie-Unternehmen Erfolg am Markt haben. Dafür braucht es schon zu Beginn eines Entwicklungsprojekts nicht nur das entsprechende technologische und klinische Know-how, sondern auch ein Gespür für Marktlücken." , hält Sonja Hammerschmid fest. Vortrag und Podiumsdiskussion haben gestern verdeutlicht, dass es in Europa und so auch in Österreich auf der politischen Ebene kaum Verbindungen zwischen Technologieförderung und Gesundheitsfinanzierung gibt. Hammerschmid dazu: "Dass das aktuell nicht ausreichend passiert lässt sich am Beispiel eines Diagnostik-Produkts aus Wien erkennen, das eine hohe Exportquote nach Italien und Spanien aufweist, weil das Diagnostikum dort im Gegensatz zu Österreich von den Kassen erstattet wird." Mehr Interaktion zwischen dem Technologie- und Gesundheitsbereich wären auch deswegen interessant, weil öffentliche Nachfrage in diesem Sektor trotz des Diktats der Kostenreduktion ein interessanter Motor für innovative Ideen sein könnte. Arzneimittelentwicklung, Technologiebewertung, Finanzierung, Biotech, Pharma, Erstattung etc. bewegen sich jedenfalls in einem hoch komplexen Spannungsfeld, das zwischen Technologiepolitik, Gesundheitspolitik und weiteren Politikbereichen besteht. "Zu überlegen, welches Maß an Interessensausgleich zwischen diesen Kräftefeldern zielführend ist, stellt eine Herausforderung für die Zukunft dar. Aber hier ist die Politik gefordert, aktiv zu werden. Das ist ein Dialog, der jetzt begonnen werden muss", so das Fazit von Sonja Hammerschmid.

SHL: Trends in Europa und Diskussion über die Situation in Österreich

Andrea Rappagliosi stellte im Rahmen seiner Keynote Lecture als Vertreter des Europäischen Biotech-Industrieverbands EuropaBio Ansatzpunkte für die Verbindung von Technologie- und Innovationsförderung und dem Gesundheitsbereich auf europäischer Ebene vor. In der darauf folgenden Podiumsdiskussion wurden die kritischen Schritte innovativer Arzneimittel "made in Vienna" auf dem Weg zum Europäischen Markt diskutiert. Am Podium vertreten waren Hans-Georg Eichler (European Medicines Agency), Sonja Hammerschmid (Austria Wirtschaftsservice GmbH), Beate Hartinger (Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger), Rodger Novak (Nabriva Therapeutics GmbH), Barbara Valenta (Baxter Bioscience AG) und Claudia Wild vom Ludwig Boltzmann Institut für Health Technology Assessment. Oliver Lehmann moderierte.

SHL: Life Sciences in Wien und der österreichische Gesundheitssektor

Die Life Sciences bilden ein klares Stärkefeld der Wiener Forschungs-und Technologielandschaft. Laut einer Studie aus 2006 beschäftigen im Raum Wien etwa 170 Unternehmen 11.000 Mitarbeiter auf diesem Gebiet. Dazu kommen rund 4.300 Forscher an fünf Universitäten. Inhaltlich gesehen dominieren dabei der Bereich der medizinischen Biotechnologie und der Pharma-Bereich.
Der Gesundheitsbereich als Markt für Arzneimittel ist ein stark reglementierter, international gesehen auch stark fragmentierter und ausgesprochen großer Markt. Allein in Österreich wurden 2005 ca. EUR 25 Mrd. für den Gesundheitsbereich ausgegeben, das entspricht über 10 % des BIP. Was die Finanzierung dieser enormen Summe betrifft, so stammt der Großteil aus dem Sozialversicherungssystem und von Bund, Ländern und lokalen Akteuren. Knapp 14% der gesamten Gesundheitsausgaben entfielen 2004 auf Arzneimittel, der große Rest ging vor allem in die stationäre Versorgung (rund 39%) oder wurde für ambulante Leistungen (rund 23%) aufgewendet.

SHL: Über LISA VR

Life Science Austria Vienna Region (LISA VR) ist eine Arbeitsgemeinschaft der austria wirtschaftsservice und des ZIT -Zentrum für Innovation und Technologie GmbH der Stadt Wien. Nähere Informationen unter www.lisavr.at.

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