SPÖ-Jugend-Talk: Rudas: "Junge Menschen wissen selber, was sie von der Politik wollen"

Kuntzl: Neue Mittelschule Gebot der Stunde

Wien (SK) - Zum zweiten Mal hielt die SPÖ am Dienstag einen Talk mit Jugendlichen und jungen Menschen über ihre Wünsche und Forderungen an die Politik ab. Getreu ihrem Motto "Nicht über sondern mit jungen Menschen sprechen", lud SPÖ -Kinder- und Jugendsprecherin Laura Rudas zum Jugend-Talk mit Justizministerin Maria Berger, SPÖ-Klubobmann Josef Cap und SPÖ-Familiensprecherin Andrea Kuntzl. "Wir haben bewusst nicht irgendwelche 50-jährigen Jugendexperten hierher gebeten, sondern junge Menschen, die selbst am besten wissen, was sie wollen und welche Sorgen, Ängste und Visionen sie haben", sagte SPÖ-Jugendsprecherin Laura Rudas. Die Wünsche der jungen Menschen umspannten die Bereiche Gesamtschule, direkte Auszahlung der Familienbeihilfe an über 18-Jährige, billigerer Führerschein, mehr Mitsprache in der Schule, weniger Rassismus und bessere Chancen für Jugendliche, die einmal auf die schiefe Bahn geraten sind.****

"Man ist kein schlechter Mensch, wenn man schlechte Noten hat", betonte etwa Matthias, der den Leistungsdruck an den Schulen beklagte und forderte, dass ein Weg gefunden werden müsse, die SchülerInnen besser aufzubauen und zu fördern. Eine Kollegin verlangte mehr Mitspracherechte in der Schule - "dann ändert sich auch am Leistungsdruck was". Markus betont, dass es sehr kostenintensiv und zeitaufwendig ist, nach der Lehre berufstätig zu sein und noch eine Abendschule zu besuchen. Ein Großteil der Wortmeldungen betraf die Gesamtschule. "Dass sich ein Leben schon mit den Noten in der Volksschule entscheiden soll ist Schwachsinn", meinte einer der SchülerInnen. Auch wurde die soziale Ausgrenzung beklagt, die durch die Trennung in Hauptschule und Gymnasium entsteht. Auch per Internet kamen Anfragen. So wollte jemand wissen, ob die SPÖ auch glaubt, das damit, dass alles gratis wird (Gratisliftkarten, -parkplätze) - wie die ÖVP das will - die Geburtenzahlen steigen.

Berger: Anderer Umgang bei straffälligen Jugendlichen als bei Erwachsenen

Justizministerin Berger bedauerte die Abschaffung des Jugendgerichtshofs in Wien und betonte, dass aufgrund der Jugendgerichtsbarkeit Jugendliche "nicht gleich beim ersten Blödsinn in Haft genommen werden". Im Gegenteil, es werde meist lange versucht, andere Maßnahmen zu setzen. Mitunter auch zu lange, denn in manchen Fällen sei "ein Schuss vor dem Bug" sinnvoll. Wobei die gemeinnützige Arbeit für Berger ein probates Mittel und zu forcieren sei.

Allerdings gebe es auch eine andere Seite des Jugendstrafvollzugs. "Jugendliche, die aus desolaten Verhältnisse kommen, haben mit dem Resozialisierungsprogramm oft erstmals wirklich eine Chance", sagte Berger und betonte: "Es gibt hier auch tolle Erfolge." Die Justizministerin nannte hier etwa den Fall eines straffälligen Jugendlichen, der im Jugendstrafvollzug eine Ausbildung zum Koch absolviert hatte und nun Manager einer Hotelkette ist.

Cap: SPÖ steht für Vielfalt im Familienleben

Die ÖVP hänge noch immer am traditionellen Familienbild des 19. Jahrhunderts. "Wir sind für die Vielfalt im Familienleben, die Menschen sollen so leben können, wie sie wollen". Natürlich gebe es Frauen, die zuhause bleiben wollen, die sollen das auch können. Aber es darf kein Druck auf die Frauen ausgeübt werden, die Familie haben und arbeiten wollen.

Als "Scherzbolde" bezeichnete SPÖ-Klubobmann Josef Cap diejenigen in der ÖVP, die Gratisliftkarten und Gratisparkplätze für Mütter fordern. Denn, so Cap, "um in den Genuss einer Gratisliftkarte zu kommen, muss man sich erstmal einen Schiurlaub leisten können. Und für einen Gratisparkplatz braucht die Jungmutter ein eigenes Auto, wahrscheinlich ein Zweitauto". Diese Liste habe die ÖVP aus schlechtem Gewissen erstellt, weil die SPÖ seit Jahren für die Familien den Ausbau der Kinderbetreuungsplätze fordert, damit die Frauen Chancen auf Arbeitsplätze haben.

Zu den vielen Fragen der jungen Leute zur strikten Ablehnung der ÖVP zur Gesamtschule hielt der SPÖ-Klubobmann fest: "Das vertritt vor allem der hartgesottene Kern der ÖVP, der noch immer im 19. Jahrhundert angesiedelt ist. Die treffen sich einmal pro Woche und schauen sich Bilder aus dem 19. Jahrhundert an", merkte Cap an. Es muss für die Kinder die Chance geben, dass nicht schon mit 10 Jahren selektioniert wird. Denn es gebe welche, die "werden erst später wachgeküsst, dafür umso stärker". Hier gebe es einen Grundkonflikt mit der ÖVP, der heute entschieden werde.

Kuntzl: Neue Mittelschule - Gebot der Stunde

"Es ist kein Zufall, dass in euren Beiträgen Fragen der Bildungschancen eine große Rolle spielen. Heute ist ein Schicksalstag, es entscheidet sich, ob man mit der Neuen Mittelschule weiterkommt, oder nicht", reagierte SPÖ-Familiensprecherin Andrea Kuntzl auf die Fragen der Jugendlichen. In Europa gebe es nur mehr zwei Länder, Österreich und Deutschland, in denen Kinder mit 10 Jahren getrennt werden. "Überall wird gesagt, dass die Neue Mittelschule das Gebot der Stunde ist, nur ein paar Chefideologen in der ÖVP wollen das anders", kritisierte Kuntzl.

Kinder werden mit 10 Jahren einfach auseinandergerissen, nachdem LehrerInnen nach zufälligen Kriterien entscheiden, ob AHS ja oder nein. "Das ist eine hartherzige Entscheidung", unterstützt Kuntzl die Kritik der Jugendlichen am derzeitigen frühen Selektionssystem. "Die Neue Mittelschule ist ja nur die Spitze des Eisberges, ihr habt ja noch viele andere kritische Punkte im Bildungssystem angesprochen, wie etwa den Zeitdruck unter dem SchülerInnen oft leiden", zeigte Kuntzl Verständnis für die Sorgen der jungen Leute.

Kuntzl forderte, dass die Lehrpläne auf Zeitmäßigkeit durchforstet werden. Denn es könne nicht angehen, dass SchülerInnen oft unter größerem Zeitdruck als ihre Eltern und vor allem LehrerInnen leiden. "Bitter ist auch, dass bereits in den Volksschulen 40 Prozent der Kinder Nachhilfeunterricht brauchen. Das ist ein Armutszeugnis für das österreichische Schulsystem". Schon in der Volksschule brauchen Kinder mehr Unterstützung, das darf nicht von der Geldbörse der Eltern abhängen, so Kuntzl.

Zur Behauptung auf der ÖVP-Homepage, dass die SPÖ gegen Familienpolitik ist, betonte Kuntzl, das sei eine "reine Schmutzkübelkampagne". "Familie ist nicht nur Vater, Mutter, Kind, sondern viele andere Lebensformen auch, von der Alleinerzieherin bis zur gleichgeschlechtlichen Partnerschaft", erklärte die SPÖ-Familiensprecherin abschließend.

"Die jungen Menschen werden von uns ernst genommen", betonte Rudas und versprach abschließend, dass es sich hierbei nicht um eine "Bla-Bla-Bla- und Schön war's-Veranstaltung" handelt. "Wir werden euch auf dem laufenden halten, wo wir uns durchsetzen konnten und ich freue mich auf das nächste Gespräch." (Schluss) up/sl

Rückfragen & Kontakt:

SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Tel.: 01/53427-275,
Löwelstraße 18, 1014 Wien, http://www.spoe.at/online/page.php?P=100493

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SPK0007