Spindelegger wünscht sich Ideenwettbewerb der Parteien

Familien-Diskussion gestern Abend im ÖVP-Parlamentsklub

Wien (ÖVP-PK) - Eine phasenweise durchaus kontroversielle Debatte erlebten rund 100 Besucher gestern, Montag, Abend im ÖVP-Parlamentsklub, als sich unter dem Titel "Kinder - Bereicherung oder Belastung?" die NÖ-Landesrätin für Frauen, Familie und Generationen, Mag. Johanna Mikl-Leitner, der Grazer Stadtrat und Obmann von "Wiki Steiermark", Werner Miedl, die Bundesgeschäftsführerin des Österreichischen Familienbundes, Alice Pitzinger-Ryba, und Mag. Paul Mazal als Vater mit Karenzerfahrung zur Diskussion einfanden. ****

Letzterer berichtete zu Beginn über seine Erfahrungen und sagte, dass Kinder sowohl Bereicherung als auch Belastung seien: "Ich habe als Religionslehrer das Glück gehabt, dass ich in Karenz gehen konnte. Ein Beispiel für die Bereicherung ist aber, dass ich nach der Karenzzeit durch die Erfahrung mit meinen eigenen Kindern besser ausgebildet in meinen Job zurückgekehrt bin."

Landesrätin Mikl-Leitner, selbst Mutter von zwei Kindern, verwies darauf, dass sie selbst auf beruflicher Ebene vom privaten Engagement ihres Ehemannes profitiere. Man müsse Rollenbilder überdenken und auch die Verantwortung der Väter betonen, angesichts einer 40-prozentigen Rate kinderloser Akademikerinnen müsse man aber vor allem Bewusstseinsbildung betreiben: "Es gibt keinen Job auf dieser Welt, der es Wert ist, auf Kinder zu verzichten." Es brauche, um den Menschen Mut zum Kind zu machen, Unterstützung auf finanzieller aber auch auf organisatorischer Ebene: "Nicht die Familie soll sich an der Wirtschaft orientieren, sondern die Wirtschaft an der Familie."

Stadtrat Werner Miedl regte an, über betriebliche Förderungen verstärkt nachzudenken und berichtete über die Einrichtungen von Wiki Steiermark, einem gemeinnützigen Verein mit dem Schwerpunkt Kinder-und Jugendbetreuung. Wichtig sei eine hohe Ausbildungsqualität aller Betreuungspersonen und das Verständnis dieser als "familienergänzende Institutionen": "Da gibt es auch Kinder, die zeitlich in der Früh gebracht werden und die Möglichkeit haben, noch ein wenig weiter zu schlafen."

Diese Aussage erregte Widerspruch bei Familienbund-Geschäftsführerin Pitzinger-Ryba, die hervorstrich, dass "Kinder schon besser daheim ausschlafen sollen". Dementsprechend sei bei der Wirtschaft anzusetzen, die für Mütter Jobs ab 9.00 Uhr anbieten müsse. Generell plädierte Pitzinger-Ryba für steuerliche Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten und andere steuerliche Begünstigungen für Familien. So sei die höhere Fertilitätsrate in Frankreich und nordeuropäischen Staaten nicht in erster Linie auf die vorhandenen Kinderbetreuungseinrichtungen, sondern auf gute Bedingungen im Steuerrecht zurückzuführen.

Miedl betonte, dass der "Idealfall" nicht immer zu erreichen sei und plädierte daher für eine Vielzahl an Möglichkeiten im Betreuungsbereich. Man müsse weg kommen von Stereotypen, die berufstätige Mütter als "Rabenmütter" und Mütter zu Hause als "Heimchen am Herd" abstempeln. Zum Bereich Tagesmütter, die von Mikl-Leitner und Pitzinger-Ryba als wichtige Einrichtung bezeichnet wurden, bemerkte der Grazer Stadtrat, dass dieses Modell äußerst betreuungsintensiv sei. Eine oftmalige Klage betreffe außerdem den Totalausfall der Betreuung im Falle der Erkrankung einer Tagesmutter:
"Hier gilt es, zukunftsfähige Modelle zu entwickeln."

Mikl-Leitner wies in der Folge darauf hin, dass das Kinderbetreuungsgeld und das Recht auf Elternteilzeit familienpolitische Meilensteine gewesen seien: "Daher muss auch Schluss sein mit der Diskriminierung der Teilzeitarbeit, die viele Eltern selbst wünschen." Letztlich gehe es darum, die richtige Balance zwischen familiärer und außerhäuslicher Betreuung zu finden.

Hier setzte der ehemals karenzierte Vater Mazal ein und sagte:
"Netzwerke zu knüpfen ist unser täglicher Job. Ich halte es mit der Frage nach der richtigen Form der Betreuung mit meinem obersten Chef, Jesus von Nazareth: Man soll das eine tun, aber das andere nicht lassen!" Dementsprechend könne man ein Idealbild fördern, müsse aber zur Kenntnis nehmen, dass dieses nicht von allen erreicht werden könne.

Der Zweite Nationalratspräsident bedankte sich im Rahmen seines Schlusswortes bei den Diskutanten und freute sich, dass das Thema Familie bei der ÖVP einen hohen Stellenwert einnehme: "Es gibt viele Modelle und Ansatzpunkte, um für Familien das Beste herauszuholen. Es würde mich freuen, wenn auch die anderen Parteien hier in einen positiven Ideenwettbewerb eintreten!"
(Schluss)

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