2010 ist jeder zweite Uni-Absolvent bereits "Bachelor"

Willkommen Bachelor! - Rektorenkonferenz und Wirtschaftskammer informieren und werben gemeinsam für hohe Akzeptanz der neuen Studienabschlüsse am Arbeitsmarkt

Wien (PWK802) - Seit dem Wintersemester 2006/07 ist die Mehrzahl
der Studienrichtungen in Österreich auf die neue Studienstruktur gemäß dem Bologna-Prozess umgestellt. Ab 2009/10 ist mit einer ersten großen Welle von Akademikern mit Bachelor-Abschluss am Arbeitsmarkt zu rechnen. Auf dem Weg zur flächendeckenden Einführung von Bachelor-Studien an Österreichs Universitäten treten Rektorenkonferenz und WKÖ als Informationsdrehscheibe zwischen Wirtschaft, Hochschulen und Studierenden auf, damit die Absolventen vom Arbeitsmarkt gut aufgenommen werden. Um die aktuellen Erwartungen an diese zu erheben, hat die Wirtschaftskammer Österreich 2007 die Studie "Bachelor Neu und der Arbeitsmarkt" in Auftrag gegeben. Die Studie basiert auf Interviews über die Erwartungen von Personalisten und Bildungsexperten und wurde heute bei einem Pressegespräch mit WKÖ-Präsident Christoph Leitl und dem Präsidenten der Österreichischen Rektorenkonferenz Christoph Badelt vorgestellt.

"Nach aktuellen Schätzungen werden ca. 50 Prozent aller Absolventen ab dem Jahr 2010, also rund 10.000 junge Menschen, einen Bachelor-Abschluss vorweisen. Bis dahin wird der Bachelor eine für den Arbeitmarkt mehr als relevante Größe geworden sein", weist Leitl auf die große Bedeutung der Akzeptanz der neuen Abschlüsse bei den Unternehmen hin. "In der Öffentlichkeit herrscht gegenüber Unbekanntem, in diesem Fall gegenüber neuen akademischen Graden, immer eine gewisse Skepsis. Die Universitäten werden ihren Beitrag dazu leisten, dass die Bachelor-Absolventinnen und -Absolventen vom Arbeitsmarkt nicht nur akzeptiert, sondern auch geschätzt werden", betont Badelt.

Die Umfrageergebnisse sprechen deutlich für eine Ausbildung auf Bachelor-Niveau, sie kommt grundsätzlich den Anforderungen der Wirtschaft entgegen:
- 1/3 der Unternehmer wollen mehr Akademiker anstellen
- 40% der Betriebe befürworten die akademische Weiterbildung ihrer Mitarbeiter
- 1/5 der Unternehmen unterstützt die akademische Weiterbildung ihrer Mitarbeiter aktiv (beispielsweise Reduktion der Arbeitszeit, finanzielle Unterstützung)
- Unternehmen wünschen sich beim Bachelor: Grundwissen und soziale Kompetenz gehen vor Fachwissen
- die neue Studienstruktur bietet nach Ansicht der befragten Unternehmen Chancen mehr internationale Berufs- und Sprachen-Erfahrung zu sammeln.

In der Studie geben die befragten Unternehmer und Führungskräfte einer Mischung von Fachwissen, Praxis bzw. praxisorientiertem Anwendungswissen sowie sozialen und persönlichen Kompetenzen bei Bachelor-Studien den Vorzug und sprechen sich mehrheitlich für "Breite statt Tiefe" aus. Leitl:"Die Unternehmen erwarten sich nicht die punktgenaue Ausbildung für die Wirtschaft, sondern dass ihre künftigen Mitarbeiter über die entscheidenden Grundqualifikationen verfügen."
Der Arbeitsmarkt nimmt die Bildungsexpansion der vergangenen Jahre -und damit die Zunahme an Absolventen des tertiären Bildungssektors -im Großen und Ganzen gut auf. Der Prozentsatz arbeitsloser Akademiker ist mit rund 2,4% nur halb so groß wie jener der übrigen Qualifikationsstufen. "Universitätsabsolventen müssen meist ihre erste Stelle nach Studienabschluss intensiver suchen und oft unfreiwillige Überbrückungsphasen sowie niedrigere Einstiegsgehälter in Kauf nehmen", beschreibt Badelt die aktuelle Situation. Zur Unterstützung der Absolventen bei der Arbeitssuche werden deshalb an den Universitäten zunehmend Vermittlungsstellen (Placement and Career Services) aufgebaut. In der Initiative JobNet Austria vernetzen mehrere Unis ihre Aktivitäten.

Auf Basis der Studienergebnisse formuliert die WKÖ auch ihre Anforderungen an die Umsetzung von Bachelor-Studien an den Universitäten. Dazu zählen vor allem:
- Verstärktes Angebot an fremdsprachigen Lehrveranstaltungen bzw. Studiengängen,
- die systematische Anrechnung von Berufserfahrung und Vorwissen -mehr Durchlässigkeit ohne Abstriche bei der Qualität,
- mehr berufsbegleitende und modulare Studienformen um lebensbegleitendes Lernen (auch für Ältere) zu ermöglichen, sowie - ein Hochschulentwicklungskonzept, das alle Institutionen des tertiären Bildungsbereichs berücksichtigt und eine abgestimmte Weiterentwicklung und Optimierung des gesamten Sektors sicherstellt.

Die Ausbildung auf Bachelor-Niveau ist die Basisqualifikation für die Wissensgesellschaft, sie wird in wenigen Jahren endgültig auf dem Arbeitsmarkt etabliert sein. Der generelle Anspruch des Bologna-Prozesses ist, dass die Studiendauer für das erste Grundstudium nicht zunimmt, sondern gleich bleibt oder abnimmt. "Die neue Studienarchitektur bringt auch den Vorteil, dass man zwischen Bachelor und dem möglichen Beginn eines späteren Master-Studiums einige Jahre Berufserfahrung sammeln kann. Über die gesamte Lebensspanne steigt somit der Anteil der Ausbildungszeit, wobei diese jedoch anders verteilt sein wird. Dies nützt den Studierenden und den Unternehmen, bei denen sie arbeiten bzw. arbeiten werden", sind Badelt und Leitl überzeugt.

Auf betrieblicher Seite wird die neue Studienarchitektur dazu führen, dass flexible Unternehmen von der erhöhten Weiterbildung ihrer Mitarbeitern profitieren. Dabei werden sie vor Herausforderungen wie mehr Zeitflexibilität, (Teil-)Karenzierungs-und Co-Finanzierungsmodellen sowie Angeboten zur Nutzung von Firmeninfrastruktur für Mitarbeiter bei berufsbegleitenden Studien stehen.

Die befragten Bildungsexperten wiederum gehen davon aus, dass die vorrangige Unterrichtssprache von Bachelor-Studien die nationalen Landessprachen sein werden und bei Master-Ausbildungen der Bedarf nach rein englischsprachigen Studien steigen wird. Im Bereich englischsprachiger Lehrangebote wird derzeit eine deutliche Zunahme verzeichnet: Bei Bachelor-Studien sind es bis zu 30 %, im Bereich der Master-Studien ist der Anteil erheblich höher. Letztere sind an manchen Institutionen teilweise oder zur Gänze auf Englisch geplant. Während BA-Studien mehrheitlich auf nationalen Sprachen basieren, könnte die Mehrheit der MA-Studien auf die englische Sprache fokussieren.

Bachelor-Welcome: Diskussionsveranstaltungen an Universitäten

Der WKÖ wird von den Befragten im Rahmen der Studie die "Schnittstellenfunktion" im Integrationsprozess der neuen Studien zwischen Hochschule und Wirtschaft zugeschrieben. Diese nimmt sie auch bei der Organisation der "Bachelor-Tour" 2007 ein: Gemeinsam mit der Österreichischen Rektorenkonferenz soll dabei positive Bewusstseinsbildung bei Unternehmen, Studierenden sowie innerhalb der Universitäten über die neuen Abschlüsse und die Chancen am Arbeitsmarkt betrieben werden.

Die Diskussionsveranstaltungen zum Thema "Willkommen Bachelor! -Bachelor- Absolventen und der Arbeitsmarkt" finden heuer im Herbst an den Universitäten Innsbruck (20.11.), Salzburg (21.11.), Klagenfurt (28.11.) und Graz (29.11.) statt. Unternehmer und Personalverantwortliche diskutieren dabei mit Studierenden über Anforderungen und Möglichkeiten der neuen Studienarchitektur und über ihre Relevanz für den Arbeitsmarkt. Abschließen wollen die beiden Präsidenten diesen Prozess zu Jahresende mit einer "Bachelor-Welcome-Erklärung" der österreichischen Wirtschaft. (Ne)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Stabsabteilung Presse
Mag. Markus Nepf
Tel.: (++43) 0590 900-4599
Fax: (++43) 0590 900-263
markus.nepf@wko.at
http://wko.at/Presse

Österreichische Rektorenkonferenz
Manfred Kadi
Tel.: 3105656-24
manfred.kadi@reko.ac.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0005