Wohnbaustadtrat Michael Ludwig präsentiert Passivhausstudie

Wien (OTS) - Das Wohnheim Molkereistraße - es wurde im September 2005 fertig gestellt - war das erste Studentenwohnheim weltweit in Passivhausbauweise. Die Stadt Wien förderte die Errichtung des Vorzeigeprojekts - es beherbergt 133 Wohneinheiten - mit insgesamt 3,87 Mio. Euro. Die Gesamtbaukosten betrugen rund 10,11 Mio. Euro. Nun liegt eine Studie über die Energieperformance des großvolumigen Passivhauses und die Zufriedenheit seiner NutzerInnen vor, die von MA 50-Wohnbauforschung und MIGRA beauftragt, und die von ExpertInnen der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) und der Forschungsgesellschaft für Wohnen, Bauen und Planen (FGW) durchgeführt wurde. Über die erfreulichen Ergebnisse dieser ersten, umfassenden Wiener Passivhausstudie informierten heute, Dienstag, Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig, Bezirksvorsteher Gerhard Kubik, ARWAG-GD KR Mag. Franz Hauberl, MIGRA-GF Arch. DI Manfred Wasner und Univ.-Prof.Arch.DI Dr. Martin Treberspurg, BOKU Wien.****

Hält das Passivhauskonzept was es verspricht und fühlen sich die BewohnerInnen wohl? Mit diesen Fragen setzten sich die ExpertInnen der BUKO und der FGW im Rahmen der Forschungsstudie auseinander. Die beiden Institutionen analysierten das zur Zeit seiner Fertigstellung im September 2005 weltweit größte Passivhaus, das Studentenheim "Molkereistraße" in Wien, das mit Mitteln der Wiener Wohnbauförderung und mit Bundesförderung errichtet wurde.

Die Ergebnisse, nach den ersten beiden Heizsaisonen, zeigen, dass das Gebäude von den BewohnerInnen sehr geschätzt wird und dass es eine erfreuliche Energieperformance aufweist und damit einen deutlichen Beitrag zum Klimaschutz leistet.

Wohnbaustadrat Michael Ludwig: "Die praktische Funktionstüchtigkeit der Passivhaus-Technologie im geförderten Wohnbau Wiens wurde dadurch erstmals umfassend nachgewiesen. Die Ergebnisse der Forschungsstudie sprechen für sich: Durch das Passivhaus Molkereistraße können gegenüber einer vergleichbaren, konventionellen Wohnhausanlage in Österreich rund 700 Megawattstunden pro Jahr an Energie und damit rund 40.000 Euro an Heizbetriebskosten eingespart werden. Die CO2-Belastung wird dadurch jährlich um rund 100 Tonnen reduziert."

Die Studie stelle damit einen ersten, wichtigen Schritt für die Evaluierung von Passivhäusern dar, so Ludwig. "Weitere Forschungsarbeiten sollen beispielsweise auch die Nachhaltigkeit der Passivhäuser und den technischen und finanziellen Aufwand bei einer künftigen Sanierung ganz genau unter die Lupe nehmen." Wien verfüge weltweit über die höchste Dichte an Passivhausbauten und über international führende Expertinnen und Experten im Bereich der Passivhaustechnologie. "Wir sind sehr stolz darauf, dass dieses Know-how weltweit gefragt ist und sich zunehmend zu einem Exportschlager entwickelt."

Bestnoten von den NutzerInnen, Top-Energieeffizienz

Seit mittlerweile mehr als zwei Jahren ist das Studentenheim Molkereistraße im zweiten Wiener Gemeindebezirk in Betrieb. Das Gebäude wurde von der ARWAG und von den Architekten Baumschlager & Eberle (P.ARC) geplant und von der MIGRA errichtet. Es umfasst sieben Geschosse mit insgesamt 278 Einzelzimmern. Generalmieter ist die ÖAD Wohnraumverwaltungs GmbH (Österreichischer Austauschdienst), die die Wohnplätze internationalen Studierenden zur Verfügung stellt, hauptsächlich im Rahmen des "Erasmus- Programms" des EU-weiten StudentInnen-Austausches. Im Rahmen der von der Wiener Wohnbauforschung finanzierten und von ARWAG, MIGRA, Fernwärme und ÖAD unterstützten Forschungsstudie wurden bis zum Ablauf der ersten beiden Heizperioden erstmals Fragen der Energieeffizienz, der Bewohnerzufriedenheit und der Objektfinanzierung umfassend erforscht.

Die Untersuchung erfolgte durch das "Institut für konstruktiven Ingenieurbau - ressourcenorientiertes Bauen" der Universität für Bodenkultur Wien, Univ. Prof. Dr. DI Martin Treberspurg und DI Roman Smutny, in Kooperation mit u.a. der MA50-Wohnbauforschung, mit dem ÖAD, der MIGRA, mit der Fernwärme Wien; mit der Bergischen Universität Wuppertal sowie mit der FGW.
Die Messungen der Universität für Bodenkultur ergaben, dass durch die Realisierung der Passivhaustechnik im Vergleich zu durchschnittlichen konventionellen österreichischen Wohnbauten trotz noch vorhandener Restfeuchte in den Mauern etwa vier Fünftel der Heizenergie und damit auch der Treibhausgasemissionen eingespart werden konnten. Weitere Einsparungen wären erreichbar, wenn Fenster weniger oft gekippt würden. Ein Verhalten, das auf individuell unterschiedliches Temperaturempfinden und Informationsdefizite der Nutzer zurückzuführen ist, wie sich im Zuge von Bewohnerbefragungen herausstellte.

Mehr als 80% der StudentInnen fühlen sich im Passivhaus wohl. Das Wohnheim in der Molkereistraße erhielt hinsichtlich Zufriedenheit mit der Unterbringung die zweitbeste Bewertung von insgesamt 26 analysierten Wiener Studentenheimen.

Durch die Forschungsergebnisse konnten einzelne Fehler in der Regelungstechnik aufgezeigt und Maßnahmen zur weiteren Steigerung der Gesamtenergieeffizienz gesetzt werden. Zusätzlich können aus den Befragungen der Bewohner Empfehlungen abgeleitet werden, um die Zufriedenheit in Passivhäusern sowie die Nutzerakzeptanz weiter zu steigern.

Funktionsweise Passivhaus - Molkereistraße

Passivhäuser bedeuten eine Weiterentwicklung des Niedrigenergiehaus-Standards. Sie schaffen sowohl im Winter als auch im Sommer ein behagliches Raumklima ohne Inanspruchnahme eines konventionellen Heizsystems. Diese Art von Häusern kann allein mit den vorhandenen Wärmequellen von Personen, Elektrogeräten oder Beleuchtung sowie der durch die Fenster eintreffenden Sonnenstrahlen und einer geringfügigen Nachwärmung der Frischluft warm gehalten werden.

Der Passivhausstandard von maximal 15kWh pro Jahr und m2, der eine Reduktion der Heizkosten bis zu 80 % nach sich zieht, wird wie folgt erreicht:

o hervorragender Wärmeschutz: 30 cm Wärmedämmung verhindern, dass das Gebäude auskühlt o eine luftdichte Gebäudehülle o Wärmeschutzverglasung: Speziell konstruierte 3-Scheiben-Wärmeschutzverglasungen o Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung: Der Wärmeinhalt der verbrauchten Luft wird zu 90% zurückgewonnen o Wohnraumlüftung: In herkömmlichen Wohnhäusern werden durch geöffnete Fenster bis zu 50% der Wärme verschwendet. In einem Passivhaus sorgt eine automatische Be- und Entlüftung für ausreichend Frischluft. o Passive Vorerwärmung bzw. Kühlung der Luft: Durch Erdwärme wird die Frischluft im Winter vorerwärmt und im Sommer durch die niedrigere Temperatur der Erde gekühlt. o Vermeidung von Wärmebrücken bei Übergängen und Materialwechseln

o Informationen über die Passivhausstudie Molkereistraße: MA50-Wohnbauforschung 19., Muthgasse 62 Mag. Dr. Wolfgang Förster, Tel.: 4000-74813, E-Mail: wolfgang.foerster@wien.gv.at

o Gemeinnützige Bau- und Siedlungsgesellschaft MIGRA GesmbH. 3., Würtzlerstraße 15 Arch. DI Manfred Wasner, Tel.: 01/794 58 E-Mail: wasner@arwag.at

o Universität für Bodenkultur Wien Arbeitsgruppe für Ressourcenorientiertes Bauen, Institut für konstruktiven Ingenieurbau, 19., Peter-Jordan-Straße 82 Univ.-Prof. Arch DI Dr. Martin Treberspurg, Tel.: 01/476 54-5260, E-Mail: martin treberspurg@boku.ac.at DI Roman Smutny, Tel.: 01/47654-5264, E-Mail: roman.smutny@boku.ac.at

o Forschungsgesellschaft für Wohnen für Wohnen, Bauen und Planen 3., Löwengasse 47/5 Mag. Andreas Oberhuber, Tel.: 01/712 625 123, E-Mail: andreas.oberhuber@fgw.at

Die Kurzfassung "Post-Occupancy-Evaluation des Passivhaus-Studentenheims Molkereistraße" in Wien ist bei der BOKU erhältlich! (Schluss) da

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