Zehn Jahre Österreichische Adipositas Gesellschaft - (k)ein Grund zum Feiern?

Wien (OTS) - Unter dem Motto "Gewicht ist uns wichtig"
diskutierten vom 19. - 21. Oktober 2007 auf Schloss Seggau zahlreiche Expertinnen und Experten der Österreichischen Adipositasgesellschaft über die Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten der Adipositas (krankhaftes Übergewicht).

Adipositas wurde bereits 1996 von der WHO als Erkrankung erkannt und definiert. Zu dieser Zeit galt sie in Österreich maximal als kosmetisches Problem. Unter dem Eindruck der weltweiten Explosion der Adipositas besonders in den USA wurde 1997 auch in Österreich eine Adipositasgesellschaft gegründet. Sie setzte sich zum Ziel, über die Erkrankung aufzuklären, Maßnahmen zur Einbremsung der Gewichtsentwicklung der Bevölkerung einzuleiten und eine entsprechende Behandlung verfügbar zu machen.

Hoffnungen und Befürchtungen

Ao. Univ. Dr. Prof. Hermann Toplak, Gründer der Österreichischen Adipositas Gesellschaft warnt anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Gesellschaft und der alarmierenden Steigerung der Adipositaszahlen auch in Österreich: "Wir haben heute mit 10-15 % Adipositas je nach Bundesland etwa die Zahlen aus den USA von 1991 erreicht, hinken der Entwicklung also um15 Jahre hinterher. Wir können nur hoffen, gemeinsam mit der Gesundheitspolitik bremsend einzuwirken, damit uns eine weitere Verdoppelung des Problems wie in den USA erspart bleibt". Die ÖAG konnte zur Bewusstseinsbildung in dem Sinn beitragen, dass "Gewicht wichtig ist". In den nächsten Jahren setzt sich die Gesellschaft zum Ziel, vor allem zur Ausbildung für Ärztinnen und Ärzte und Gesundheitsberufe beizutragen.

Prävention statt Therapie

"Adipositas sollte eigentlich nicht therapiert werden müssen, sondern verhindert werden", so ao. Prof. Dr. Thomas C. Wascher, derzeitiger Präsident der Österreichischen Adipositas Gesellschaft. Damit ist das Problem auch nicht durch ärztliche Intervention alleine zu lösen, sondern stellt ein gesellschafts- und gesundheitspolitisches Problem dar. Dabei gilt: "Die übergewichtigen und dicken Kinder von heute sind die adipösen und kranken Erwachsenen von morgen". Nur Vorsorgemaßnahmen, die bereits im Vorschulalter beginnen und die durchgängig bis zum Ende der Schulpflicht Kinder und Eltern erfassen, können hier langfristig und nachhaltig Erfolg haben. Dabei müssen Ernährung, Bewegung und verhaltenstherapeutische Maßnahmen berücksichtigt werden. Die Limitierung von Bewegung auf zwei bis drei Schulstunden etwa in der Oberstufe eines Gymnasiums stellt eigentlich eine grobe Fahrlässigkeit im Umgang mit der Zukunft unserer Kinder dar.

Fettrestriktion alleine ist nicht der richtige Weg

Die Ernährungstherapie spielt eine zentrale Rolle in der Behandlung des Übergewichtes. Traditionell galt die Fettrestriktion als der Grundpfeiler dieser Therapie. In den letzten Jahren mehren sich jedoch Hinweise, dass eine Reduktion der glykämischen Last (Menge und Art der Kohlenhydrate in der Nahrung) viele Komponenten des Syndroms besser zu beeinflussen vermag als die bloße Fettrestriktion. "Die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Studie haben beispielsweise gezeigt, dass durch Kohlenhydratrestriktion die Fettstoffwechselstörung des metabolischen Syndroms auch ohne Gewichtsreduktion verbessert werden kann, während eine Fettrestriktion nur dann zu einer Besserung führt, wenn es gleichzeitig zu einer Gewichtsabnahme kommt", sagt Univ. Doz. Dr. Bernhard Paulweber von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg. In epidemiologischen Studien konnte außerdem gezeigt werden, dass eine Ernährung mit hoher glykämischer Last zu einer signifikanten Erhöhung des Risikos für Typ 2 Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen führt. Eine kürzlich veröffentlichte Cochrane Analyse (Studienübersicht) zeigte, dass die Reduktion der glykämischen Last zumindest mittelfristig auch bezüglich der Gewichtsreduktion anderen Ernährungsstrategien überlegen ist.

Operation - was dann?

Von den Patienten immer häufiger angestrebt werden Operationen, da sie das Problem scheinbar unabhängig vom Verhalten des Patienten lösen können.

Bei der Enstehung der Adipositas spielen neben vielen anderen Faktoren (z. B. Genetik) psychische und psychosoziale Faktoren wie Depressionen, Persönlichkeitsstrukturierung, schwierige Aufwuchsbedingungen und Lebenssituationen eine wichtige Rolle. "Diese Faktoren müssen auch bei den Patienten und Patientinnen bedacht werden, die sich einer operativen Behandlung ihres Übergewichtes unterziehen. Das Ziel einer psychologisch-psychotherapeutischen Behandlung besteht darin, frühzeitig Anpassungsprobleme an die neue Situation zu erkennen und neue, konstruktivere Bewältigungsstrategien zu entwickelt", erläutert ao. Univ. Prof. Dr. Johann Kinzl von der Medizinischen Universitätsklinik für Psychiatrie in Innsbruck.

Was ist Adipositas?

Adipositas ist eine ernsthafte Erkrankung. Als Fettleibigkeit wird eine übermäßige Ansammlung von Fettgewebe im Körper bezeichnet. Zu einer solchen Anreicherung von Fett kommt es, wenn die Energiezufuhr (vor allem durch Fett, Zucker und insgesamt kalorienreiche Ernährung) den Energieverbrauch dauerhaft übersteigt. Die Adipositas führt zu Folgeerkrankungen und einer kürzeren Lebenserwartung.

Als Maß für Übergewicht dient der sogenannte Body-Mass-Index (BMI). Der BMI wird berechnet, indem man das Gewicht durch das Quadrat der Größe (in Meter) teilt (kg/m2).

Normalgewicht entspricht einem BMI zwischen 19 und 25 kg/m2.

Übergewicht liegt zwischen 25 und 30 kg/m2 vor.

Von Fettleibigkeit (Adipositas) spricht man ab einem BMI von 30 kg/m2.

Ein Mensch mit 1,70 cm Größe und 70 kg hat beispielsweise einen BMI von 24,2.

Wer ist die Österreichische Adipositas Gesellschaft?

Die Österreichische Adipositasgesellschaft ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft unter deren Dach sich seit 1997 jene Expertinnen und Experten zusammengefunden haben, deren zentrale Anliegen nicht nur die Forschung und der wissenschaftliche Austausch auf diesem Gebiet, sondern insbesondere auch die Verbesserung der medizinischen Versorgung der Betroffenen sind. Adipöse Patientinnen und Patienten sind in der öffentlichen Wahrnehmung unterrepräsentiert, werden in unserem Gesundheitssystem häufig gar nicht als Patientinnen und Patienten anerkannt. Die Österreichische Adipositas Gesellschaft versteht sich vor allem als "Anwältin" dieser Patienten.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichische Adipositas Gesellschaft
Präsident: Ao. Univ. Prof. Dr. Thomas C. Wascher
Mail: thomas.wascher@meduni-graz.at
Mobil: +436643824631
www.adipositas-austria.org

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