Gelebte Solidarität Fischer und Prammer würdigen 60 Jahre Volkshilfe

Wien (PK) - Aus Anlass des 60. Geburtstages der "Volkshilfe" lud Nationalratspräsidentin Barbara Prammer heute zu einem Festakt ins Hohe Haus. Höhepunkt der feierlichen Stunde war die Festrede von Bundespräsident Heinz Fischer, daneben sprachen weitere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Vertreter der "Volkshilfe" selbst. Umrahmt wurde die Veranstaltung von musikalischen Darbietungen des Chors "Gegenstimmen".

Prammer erklärte, es sei ihr eine große Freude, dass die Feier der "Volkshilfe" im historischen Sitzungssaal stattfinde, denn 60 Jahre "Volkshilfe" seien 60 Jahre gelebte Solidarität. In diesen sechs Jahrzehnten sei aus einem kleinen ehrenamtlichen Verein eine große Organisation geworden, die sich nach wie vor den Bedürfnissen der Bevölkerung annehme.

Die "Volkshilfe" bedeute aber auch internationale Solidarität, leiste diese Institution doch Hilfe zur Selbsthilfe in Indien und Sri Lanka, in der Ukraine, in Weißrussland und in Albanien sowie an zahlreichen anderen Orten, an denen menschliche Solidarität erforderlich sei. Dabei gehe es der Organisation stets darum, die Situation der Menschen nachhaltig und dauerhaft zu verbessern.

Eine gerechte Welt brauche Solidarität. Armut, Not und Hunger hätten immer noch ein Gesicht, mahnte die Präsidentin, die festhielt, es gehe darum, solidarisch eine gerechtere Welt zu gestalten. Dazu trügen die Angestellten, die ehrenamtlichen HelferInnen und die SpenderInnen der "Volkshilfe" bei, wofür ihnen herzlich gedankt sei. Zur geleisteten Arbeit könne man nur gratulieren, schloss die Präsidentin mit den besten Wünschen für das weitere Wirken.

Der Geschäftsführer der "Volkshilfe", Erich Fenninger, zitierte eingangs aus einer Grußbotschaft Bundeskanzler Gusenbauers, der die "Volkshilfe" als eine Stimme für die Gerechtigkeit würdigte, die sich unabhängig von Zeit- und Modeströmungen stets für andere Menschen eingesetzt habe. Die "Volkshilfe", so Fenninger, sei die Antwort auf individuelle und strukturelle Armut, auf individuelle und strukturelle Benachteiligung, auf ungerechte Verteilung. So lange diese bestünden, habe die "Volkshilfe" ihre Aufgabe. Und nach wie vor gelte die Sorge seiner Organisation den sozial Schwachen, denen man mit Respekt begegnen müsse und deren Würde es zu achten gelte.

Fenninger ging auf das Leistungsspektrum der Institution ein und wies darauf hin, dass dieses Angebot niemandem verwehrt werde. Jeder habe Anspruch auf Hilfe. Darüber hinaus gehe es um Armutsvermeidung, um gerechte Verteilung und um eine Flüchtlingspolitik, die nicht restriktiv sein dürfe. Viele Menschen seien mehr und mehr armutsgefährdet, hier gelte es gegenzusteuern, auch in einem internationalen Rahmen.

Josef Weidenholzer, Präsident der Volkshilfe, nannte die Organisation eine wichtige Säule der Zivilgesellschaft und blickte zurück auf die Geschichte der "Volkshilfe", die nach dem Zweiten Weltkrieg durch das Engagement von Bruno Kreisky begonnen habe und sich in der Folge zu einer der wichtigsten Institutionen auf sozialem Gebiet entwickelt habe. Menschen bedingungslos und ohne darauf zu achten, wer sie sind, zu helfen, heiße "Volkshilfe", so Weidenholzer. Dabei lasse man sich nach wie vor von den Grundwerten Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität leiten.

Das Bekenntnis zu diesen Werten bedeute aber auch, sich für Flüchtlinge einzusetzen. Vor 1945 seien viele Österreicher wie Bruno Kreisky in den Genuss solidarischer Hilfe gekommen, nach 1945 habe Österreich selbst 1956 und 1968 uneigennützig geholfen. Diese Geschichte sei der "Volkshilfe" Auftrag, denn die Menschenrechte seien unteilbar. Die "Volkshilfe" werde auch künftig ihre Stimme erheben, wenn es um Solidarität und Gerechtigkeit gehe, kündigte der Redner an. Dementsprechend werde man sich für Gesetze einsetzen, die diesen Ansprüchen genügten.

Es sei aber auch nach wie vor nötig, sich der Probleme der Menschen im eigenen Land anzunehmen. Seine Organisation wolle sich nicht damit abfinden, dass immer noch hunderttausende arm und Millionen armutsgefährdet seien. Armut sei ein von der Gesellschaft selbst verursachtes Unrecht, gegen welches angegangen werden müsse. Dabei gelte es auch die staatliche Verantwortung einzumahnen. Er sei stolz darauf, schloss Weidenholzer, dass seine Organisation so viel erreicht habe, dafür gebühre allen MitarbeiterInnen Dank und Anerkennung.

Bundespräsident Heinz Fischer brachte zu Beginn der von ihm gehaltenen Festrede seine besondere Freude über die so zahlreich erschienen Gäste und VertreterInnen anderer Organisationen zum Ausdruck. Um einer positiven Entwicklung der sozialen Strukturen Vorschub zu leisten, sei es wichtig, zusammen an einem Strang zu ziehen. Fischer sah zwei Intentionen mit der Feier dieses stolzen Jubiläums der Volkshilfe verbunden: einerseits wolle man gratulieren, andererseits aber auch Dank für die hervorragende Arbeit der Organisation sagen.

Das Jubiläum rufe vieles ins Gedächtnis, nicht zuletzt die geschichtliche Entwicklung der Volkshilfe. Die Gründungsphase sei stark von Grundsatzdiskussionen geprägt gewesen. So habe man sich schließlich gefragt, ob die durch das kapitalistische System herbeigeführten Schwächen eher mittels Sozialleistungen des Staates oder karitativer, persönlicher Hilfsbereitschaft ausgeglichen werden könnten. Die Volkshilfe habe diese Frage stets mit einem "sowohl als auch" beantwortet. Der Sozialstaat könne nie so perfekt funktionieren, dass Menschen in Not nicht stets auch durch Hilfsorganisationen unter die Arme gegriffen werden müsse, merkte Fischer an.

Die Geschichte der Volkshilfe sah der Bundespräsident in besonderer Weise mit den Namen Bruno Kreisky, Maria Matzner und Josef Afritsch verbunden. Dass Österreich und die österreichische Volkshilfe in Zeiten besonderer Katastrophen auch stets seinen mittel- wie unmittelbaren Nachbarn beigestanden sei, erfülle ihn mit besonderem Stolz, so Fischer. Jene LKWs mit der Aufschrift "Volkshilfe", welche die Ungarinnen und Ungarn 1956 mit Lebensmitteln versorgten und zahlreiche Menschen in das Flüchtlingslager Traiskirchen brachten, seien zu einem Symbol dieser Hilfeleistung geworden.

Fischer betonte abschließend, dass die Tätigkeit der Volkshilfe auch zukünftig als wichtig einzustufen sei, sie vielleicht sogar noch an Bedeutung zunehme. Der Bundespräsident verwies darauf, dass die Aussage "Je reicher eine Gesellschaft, desto gerechter" nicht in jedem Fall zutreffend sein müsse. Probleme der Gerechtigkeit und Chancengleichheit seien durch Wohlstand nicht unbedingt gelöst. Die Tätigkeit der Volkshilfe könne und solle man daher weder in Arbeitsstunden noch Geld umrechnen, schloss Fischer, welcher der Hilfsorganisation viel Erfolg für ihr weiteres Wirken wünschte.

Im Anschluss an die Rede des Präsidenten interviewte Moderatorin Barbara Stöckl herausragende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie Altbundeskanzler Franz Vranitzky, Bundesministerin Maria Berger, die ehemalige Landeshauptfrau Waltraud Klasnic und Volksanwältin Terezija Stoisits über ihren ganz individuellen Zugang zum Wirken der "Volkshilfe".

Die "Volkshilfe" wurde von engagierten Frauen und Männern im Jahr 1947 als überparteiliche Hilfsorganisation gegründet. Heute, 60 Jahre später, ist sie mit ihren Landesorganisationen eine der größten österreichischen Hilfsorganisationen und in vielen Bereichen der sozialen Arbeit tätig. Mehr als 6.000 MitarbeiterInnen, viele ehrenamtliche HelferInnen und FunktionärInnen stehen heute in der Tradition der GründerInnen der Organisation. (Schluss)

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