Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband (SWV): Lehre aus der Misere holen

Matznetter fordert bessere BIldung, einen Lehrlingsfonds und die Einführung eines Modulsystems

Wien (OTS) - 70.000 SchülerInnen haben heuer mit der Pflichtschule begonnen und 80.000 haben sie 2007 beendet. "Die Lücke, die zwischen diesen Zahlen klafft, zeigt sehr deutlich, dass wir in 8-10 Jahren ein massives Lehrlings- und in Folge auch FacharbeiterInnenproblem haben werden. Es muss uns gelingen, der Lehre ein neues Image zu geben. Die Lehre ist erst der Beginn der Ausbildung und nicht dessen Ende. Mit Neigung und Willen muss es einem Lehrling künftig leicht möglich sein, einen Universitätsabschluss zu erreichen. Die Durchlässigkeit der Ausbildung muss in beiden Richtungen künftig viel besser gegeben sein. Dafür braucht es eine Bildungsoffensive", sagte Finanzsstaatsekretär Dr. Christoph Matznetter und Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands Österreichs (SWV) anlässlich des "Tages der Lehre" .

Bessere Bildungschancen für Jugendliche

Viele Betriebe klagen über fehlende Bildung, mangelnde Umgangsformen oder persönliche Probleme der Jugendlichen. "Das macht es den Selbstständigen nicht gerade leicht, den richtigen Lehrling zu finden", so Matznetter. Wesentlicher Grund seidie viel zu frühe Selektion der SchülerInnen in Hauptschule und AHS sowie die fehlende flächendeckende Frühförderung in den Kindergärten.
Die Kritik des SWV wird durch einen "Start up Check" für Lehrstellensuchende der Wirtschaftskammer Wien bestätigt, der seit 2004 durchgeführt wird. Dabei wird geprüft, ob die KandidatInnen für eine Lehre im Gewerbe und Handwerk geeignet sind. Auch wird erhoben, welche Defizite vorhanden sind. Die Bilanz ist verheerend - vor allem für Polytechnikum und Hauptschulen: Lediglich 54,3 Prozent der SchülerInnen bestanden den Test, der die einfachsten Anforderungen der Betriebe an Lehrlinge zum Inhalt hat. SchülerInnen weiterführender Schulen schnitten deutlich besser ab: 88,2 Prozent der KandidatInnen bestanden denselben Test. " Aus unserer Sicht müssen Bundeministerin Claudia Schmied und ihre bildungspolitischen Vorschläge unterstützt werden, um hier Abhilfe zu schaffen. Leider bremsen da wichtige Kräfte in der ÖVP", bedauert Matznetter.

Lehrlingsfonds gefordert

Zwei Drittel der Klein- und Mittelbetriebe (KMU) waren bisher zur Lehrlingsausbildung bereit. Aber werden sie das auch in Zukunft können? "Auszubilden erfordert Zeit; vor allem wenn die Grundkenntnisse fehlen. Aufgrund der knappen Kalkulationen können sich das heute aber immer weniger KMU leisten und daher fehlen die Facharbeitskräfte von morgen. Und immer öfter sind KMU damit konfrontiert, dass ihnen die Fachkräfte, die sie ausgebildet haben, von Großbetrieben abgeworben werden, die selbst nicht mehr ausbilden", bedauert Matznetter.

Ein Lehrlingsfonds, in den alle Betriebe einer Branche, für deren Ausübung qualifizierte Arbeitskräfte notwendig sind, einzahlen, könnte aus Sicht der sozialdemokratischen Wirtschaftstreibenden ein Lösungsansatz sein . "Auch die öffentliche Hand soll, da sie bei Lehrlingen deutlich weniger Geld als bei SchülerInnen aufwendet, einen dementsprechenden Beitrag zu diesem Fonds leisten. So würden KMU durch eine finanzielle Unterstützung aus diesem Fonds die Chance erhalten, wieder mehr Lehrlinge einzustellen. Mit den so aufgebrachten Mitteln könnten die lehrlingsspezifischen Kosten jener Betriebe, die Lehrlinge aufnehmen, weitgehend refundiert und Bildungseinrichtungen, die zur Lehrlingsausbildung beitragen, finanziell unterstützt werden", so Matznetter.

Einführung eines Modulsystems

Viele Betriebe würden gern Lehrlinge ausbilden, dürfen aber nicht, weil sie nicht die gesamte Ausbildungpalette anbieten können, die für den Lehrberuf notwendig ist. Als Beispiel nannte Matznetter Chinarestaurants. "Viele Chinarestaurants hätten gern Lehrlinge, aber sie können keinen aufnehmen, weil sie z.B.einer Köchin/Restaurantfachfrau laut den Vorschriften keine umfassende Ausbildung ermöglichen können", so der SWV Präsident . In Chinarestaurants lernt ein Koch-Lehrling weder ein Wiener Schnitzel noch einen Kaiserschmarrn. Der SWV setzt sich daher für ein Modulsystem ein, wo mehrere Spezialistenbetriebe einer Branche gemeinsam einen Lehrling ausbilden (etwa ein Kaffeehaus, ein Chinarestaurant und ein klassischer Gastronomiebetrieb). "Ich bin der Meinung, dass wir ausführlich und sozialpartnerschaftlich über ein neues Lehrlingsmodell diskutieren müssen. Wir müssen die Lehre aus der Misere holen. Wir sind bereit dazu, so der Finanzstaatssekretär abschließend.

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