Neues Volksblatt: "Zuviel Janus" (von Christian Buchar)

Ausgabe vom 19. Oktober 2007

Linz (OTS) - Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Satte 185.000 Euro lag eine Kindergeld-Bezieherin, die trotzdem die Verwegenheit besaß, gegen die verlangte Rückzahlung vor Gericht zu ziehen, über der Zuverdienstgrenze zum Kindergeld. Und manche politischen Kräfte werden nicht müde, die Rückzahlungsforderungen als inhuman zu brandmarken. Ein Einzelfall? Natürlich. Aber kann man es sich wirklich so einfach machen, einmal den Einzelfall als Bagatelle abzutun - und ihn bei anderer Gelegenheit zur Basis zu nehmen, ein ganzes rechtliches System in Frage zu stellen? Oder offenbart sich darin ein doppelköpfiger Umgang mit Gesetzen, der sich sukzessive unter politisch Tätigen eingeschlichen hat? Auch, wenn sie selbst als Gesetzgeber fungiert haben - wie das BZÖ beim Kindergeld oder die SPÖ beim Fremdenrecht. Eine Doppelköpfigkeit, die auch vor Medien nicht stoppt - wenn eine Zeitung jetzt Menschlichkeit vor sich her trägt, während sie sonst etwa Schwarzafrikaner mehr oder weniger taxfrei zu Kriminellen stempelt. Die Grundlage einer Gesellschaft, ein sauberer Umgang mit Gesetzen ganz ohne Pranger, geht bei solchen Doppelköpfigkeiten zu rasch unter.

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