Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Studien aller Art

Wien (OTS) - Jeden Tag werden zahlreiche Studien, Daten und Untersuchungen präsentiert. Es ist faszinierend zu beobachten, welche davon den Weg in die Öffentlichkeit finden und welche unbeachtet bleiben. Bei vielen Medien gilt offenbar das Motto: Nur wenn der Inhalt grün klingt, wird er abgedruckt.

Da wurde etwa fast überall in extenso eine Statistik referiert, dass Österreich EU-weit bei der Ausländerintegration ein Schlusslicht wäre (da diese Statistik den hierzulande sehr hohen Prozentsatz an Ausländern ignoriert hat, hätte ihre Schlagseite eigentlich klar sein müssen). Fast nirgendwo fand sich hingegen eine andere fast gleichzeitig veröffentlichte Statistik, derzufolge Österreich auch in anderer Hinsicht ganz hinten steht: nämlich was die Lust auf Selbständigkeit betrifft.

Man braucht kaum noch zu manipulieren, sondern lediglich selektiv zu berichten.

Ein anderes Beispiel: Es gibt immer Aufregung, wenn ein Monat überdurchschnittlich warm ist. Dass der September hingegen kälter war als der langjährige Schnitt, hat niemanden interessiert.

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Konsumentenorientiert klingt eine neue AK-Studie über die riesigen Zinsunterschiede (bis zu vier Prozentpunkte) bei Spareinlagen. Kein Wort aber zu dem, was man sich doch sofort fragen müsste: Erkauft man nicht höhere Zinsen mit einem höheren Risiko, dass splendable Banken krachen gehen?

Oder geht die Arbeiterkammer ohnedies davon aus, dass in diesem Fall andere den Schaden decken müssen, also die Steuerzahler und jene, die sich mit geringeren Zinsen begnügt haben? Ein schönes Beispiel von Moral hazard, wie ihn Christian Ortner unlängst auf dieser Seite skizziert hat.

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Noch faszinierender ist, dass eine einige Monate alte AK-Studie zur Pensionsfrage keinerlei Aufregung ausgelöst hat. Darin hieß es unter Verweis auf die künftige Verdopplung des Anteils der über 65-Jährigen: "Somit wird die gesetzliche Pension aus heutiger Sicht an die Grenzen der Finanzierbarkeit stoßen." Wer war das nur, der empörte Streiks und Kundgebungen veranstaltet hat, als die Regierung wegen genau dieser Grenzen eine - ohnedies zaghafte - Pensionsreform realisiert hat? Da hatte man offenbar noch eine andere Sicht.

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