Giovanni Mansuetis Meisterwerk "Die Gefangennahme und Verurteilung des Hl. Markus In Alexandria" ab 19. Oktober 2007 in der Dauerausstellung des Liechtenstein Museum

Wien (OTS) - Das Gemälde "Die Gefangennahme und Verurteilung des hl. Markus in Alexandria" von Giovanni Mansueti (aktiv 1484-1526), seit 1890 in den Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein, wurde immer als eine der Kostbarkeiten der Kollektion geschätzt, konnte aber aufgrund seines schlechten technischen Zustands nicht präsentiert werden. Die Anfragen der jüngsten Ausstellungen "Venedig und die Welt des Islam (828-1797)" des Louvre in Paris bzw. des Metropolitan Museum of Art in New York gaben den Anstoss, dieses äusserst delikate Gemälde durch fast zwei Jahre hindurch zu restaurieren und es trotz seines extrem empfindlichen Zustands diesen beiden Ausstellungen zur Verfügung zu stellen.

Durch die Restaurierung, bei der zahllose spätere Übermalungen entfernt werden konnten, wurde dem Bild seine ursprüngliche Klarheit und Farbenfrische wiedergegeben. Nunmehr kann es nach seiner Rückkehr erstmals dem Publikum in Wien ab 19. Oktober 2007 in Saal 4 der Dauerausstellung des LIECHTENSTEIN MUSEUM gezeigt werden.

Der hl. Markus, Begründer des Patriarchates von Ägypten und erster Bischof der ägyptischen Hafenstadt Alexandria, erlitt dort im Jahr 67 sein Martyrium. Er wurde während des Ostergottesdienstes am Altar verhaftet und am Strick durch die Stadt geschleift. Seine Gebeine brachten venezianische Kaufleute 829 unter abenteuerlichen Umständen in ihre Heimatstadt, die schnell zum Zentrum der Verehrung des Heiligen wurde und bis heute sein Symbol, den Markuslöwen, auf seine Fahnen heftet.

Giovanni Mansueti arbeitete an zwei Zyklen der Geschichte des heiligen Markus, kurz vor seinem Tod an einem monumentalen für die Scuola di San Marco in Venedig, an dem auch Gentile und Giovanni Bellini, Vittore Belliniano, Paris Bordone und wahrscheinlich Palma il Vecchio mitarbeiteten. Heute ist dieser Zyklus nach der Auflösung der Scuola im frühen 19. Jahrhundert zwischen der Accademia in Venedig und der Brera in Mailand geteilt.

Vorläufer war ein kleinformatigerer Zyklus für die Kirche Santa Maria dei Crociferi, von dessen ursprünglichen vier Tafeln sich zwei erhalten haben: eine Tafel Cima da Coneglianos mit dem Titel "Der hl. Markus heilt Anianu" (heute in der Eremitage in St. Petersburg) und die 1499 datierte und signierte Tafel Mansuetis aus den Fürstlichen Sammlungen. Der Zyklus war von der einflussreichen venezianischen Seidenweberzunft "Arte dei Setaiuoli" in Auftrag gegeben worden und verzeichnet auf dem cartellino neben der Signatur und dem Datum auch die Namen der verantwortlichen Stifter.

Mansueti zeigt die Gefangennahme des Heiligen vor einer reichen Architekturkulisse, wie sie wenige Jahre zuvor Vittore Carpaccio in seinem Ursula-Zyklus (heute in der Accademia in Venedig) vorgebildet hatte. Die Bauten Alexandrias erscheinen in perfekter Perspektivmalerei wie eine Vision eines idealen Venedig der Renaissance und bilden mit ihren Marmorinkrustationen die phantastische Kulisse für die Geschichte mit ihren Protagonisten, dem Heiligen, den Häschern und den zahllosen Zuschauern in ihren orientalischen Gewändern. Beeindruckend sind die mamelukischen Würdenträger in ihren kostbaren seidenen Roben und den aufwändigen hochgezwirbelten Turbanen dargestellt, wie man sie im Ägypten und Syrien der Mamelukenzeit getragen hatte. Offensichtlich hatte Mansueti Informationen über die Bekleidungsgewohnheiten im vorderen Orient aus erster Hand durch venezianische Kaufleute erhalten. Diese, insbesondere die Seidenweber, waren Nutzniesser der guten Beziehungen der Lagunenstadt zum türkischen Reich. 1480 weilte Gentile Bellini auf Einladung des Sultans Mohammed II. in Konstantinopel, in dem vorliegenden Bild seines Schülers kann der Betrachter den Nachklang dieser Reise und des grossen Interesses an der Welt des Orients wieder finden.

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