Wiener Spracherwerbskonzept: Erfolgreiches erstes Jahr!

Wien (OTS) - "Uns in Wien geht es um wahre Integration. Wir wollen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass eine Teilhabe aller Menschen an unserem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben möglich wird. Grundvoraussetzung dafür ist, dass wir in der Schule dafür Sorge tragen, dass alle entsprechend Deutsch verstehen und sprechen. Genau deshalb haben wir vor einem Jahr das 'Wiener Spracherwerbskonzept' gestartet - und es freut uns natürlich, dass die erste Bilanz ein Jahr später eindeutig positiv ausfällt", stellte Wiens Amtsführende Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl im Rahmen einer Pressekonferenz am Donnerstag fest.

Zum "Wiener Spracherwerbskonzept"

Das 2006/07 gestartete "Wiener Sprecherwerbskonzept" ergänzt Maßnahmen wie das BegleitlehrerInnen-Modell oder muttersprachlichen Unterricht. Das Besondere am Konzept: Mit Sprach-Förderkursen, die von eigens hierfür geschulten LehrerInnen abgehalten werden, bekommen die Kinder in der Grundschule 11 Stunden in der Woche die Möglichkeit, in Kleingruppen intensiv die Grundlagen der deutschen Sprache zu erarbeiten. Sie werden dabei genau dort abgeholt, wo sie stehen und so rasch wie möglich fit für den normalen Unterricht gemacht.

Generell wird bei den SchülerInnen zwischen drei (Sprach)-Kompetenzstufen unterschieden - Stufe A, B und C. Stufe C bezeichnet SchülerInnen, die problemlos dem Unterricht folgen können. Kinder der Kompetenzstufe B verfügen zwar über Kenntnisse der deutschen Sprache, können jedoch den Anforderungen des Lehrplans noch nicht voll genügen. Für diese Kinder in die Betreuung durch BegleitlehrerInnen eine wichtige Unterstützung. Das Wiener Spracherwerbskonzept wendet sich ausschließlich an Kinder der Kompetenzstufe A. Diese SchülerInnen verfügen über keine Kenntnisse der deutschen Sprache bzw. sind höchstens in der Lage, in Form einer so genannten "survival language" zu kommunizieren.

Zielgruppe sind etwa 2700 Kinder die auf Grundlage eines "Screenings" der (Sprach)-Kompetenzstufe A zugeordnet werden. Die Methode des "Screenings" basiert nicht allein auf einer punktuellen Testung. Dieserart wird erreicht, dass keine durch die Stresssituation einer punktuellen Prüfung provozierten "falschen Ergebnisse" ermittelt werden.

LehrerInnen, die im Rahmen des Wiener Spracherwerbskonzepts Kinder nicht deutscher Muttersprache unterrichten, bekommen auf das Konzept abgestimmte zusätzliche und verpflichtende Fortbildungsveranstaltungen angeboten. Viele der insgesamt 210 im Rahmen des Spracherwerbskonzepts verwendeten LehrerInnen an Grundschulen verfügen über Kenntnisse in den "klassischen MigrantInnensprachen" und können hierdurch ein noch individualisierteres Eingehen auf die einzelnen SchülerInnen garantieren.

Methodisch orientieren sich Sprachförderkurse an der Tatsache, dass Schulanfänger der Kompetenzstufe A in der Regel noch nicht literarisiert sind und der Erwerb der deutschen Sprache somit durch eine lebendige Methodik aus Sprechen und Hören zu erfolgen hat. Die Gestaltung des Unterrichts basiert auf den konkreten Lebensrealitäten der Kinder - insbesondere werden alle TeilnehmerInnen betreffende Themen wie Freunde, Familie, Schule etc. besprochen. Durch geringe Gruppengröße von 8 bis 15 Kindern (Maßzahl 8) ist diese Form des Unterrichtens auch tatsächlich verwirklichbar.

Dokumentationen, die für jedes Kind, das einen Sprach-Förderkurs besucht, eigens geführt und laufend aktualisiert werden, bieten die Möglichkeit, individualisierte Auswertungen vorzunehmen und jeden "persönlichen Erfolg" im Spracherwerb sichtbar zu machen. Die Dokumentation liegen sowohl in elektronischer wie auch in Papier-Form auf.

Integrativ ist das Wiener Spracherwerbsmodell durch die fein abgestimmte Balance zwischen parallel zum Regelunterricht abgehaltenen reinen Förderkursen und im Klassenverband stattfindendem Unterricht (mit zusätzlicher Unterstützung für die Kinder der Kompetenzstufe A). Positive Effekte: Durch die Förderkurse werden die Kinder nicht aus dem "Sozialverband Klasse" entfernt und können sich integrieren, große Lernrückstände in anderen Unterrichtsfächern werden vermieden.

Ziel der Förderkurse ist es, die SchülerInnen der Kompetenzstufe A darin zu unterstützen, rasch die Kompetenzstufe B zu erreichen.

~ Positive Bilanz des ersten Jahres Im Schuljahr 2006/07 wurden o an 154 Grundschulenstandorten o von 207 SprachförderkurslehrerInnen o in 220 Kursen o für etwa 2700 Kinder mit anderen Erstsprachen als Deutsch und der Sprach-Kompetenzstufe A (diese Zahl erfasst jedes einzelne Kind, das im Lauf des Schuljahrs teilgenommen hat) Sprachförderkurse eingerichtet. ~

Bis zur 30. Schulwoche hatten bereits 631 Kinder den Sprachförderkurs abgeschlossen, weil sie die Kompetenzstufe B erreicht haben. Von der Gesamtzahl der Kinder in Kursen sollten nur 431 den Kurs im Schuljahr 2007/08 fortsetzen. Generell aber kann man davon ausgehen, dass die überwiegende Mehrheit der Kinder ein Jahr Sprachförderung benötigen, um in die Kompetenzstufe B zu kommen.

Zum Hintergrund der SchülerInnen des ersten Jahres: o Die Kinder wurden in 83 Staaten geboren. o Insgesamt wurden 67 verschiedene Erstsprachen angegeben. o 1071 hatten Türkisch als erste Sozialisationssprache angegeben.

Brandsteidl abschließend: "Dass das 'Wiener Spracherwerbskonzept' erfolgreich ist, zeigt die Bilanz des ersten Jahres. Durch die verstärkte Förderung der sprachlichen Kompetenz von Kindern nicht-deutscher Muttersprache konnten wir deren Chancen für eine erfolgreiche Schullaufbahn deutlich erhöhen. Nachdem Integration ganz wesentlich auf der Fähigkeit, miteinander zu kommunizieren und eine 'gemeinsame Sprache' zu sprechen, basiert, bedeutet das Wiener Spracherwerbskonzept auch einen wichtigen Bestandteil städtischer Integrationspolitik überhaupt."
(schluss) ssr

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