Nordamerika: Innovation im stark umkämpften Kfz-Zuliefersektor weiterhin gefragt

AWO-Marktsondierungsreise: Österreichische Zulieferer präsentierten sich im Mekka der Automobilindustrie - Chancen sind gut, Unternehmen sollen sich Nischen suchen

Wien (PWK784) - Innovative Produkte oder Lösungen zur Kosteneinsparung sind in der US-Autoindustrie weiterhin sehr gefragt. "Neueinsteiger erhalten für Zulieferungen aber meist nur dann eine Chance, wenn zuvor auch schon die US-Ableger aus Europa bedient wurden. Eine lokale Präsenz, entweder durch eine eigene Niederlassung oder zumindest ein Servicebüro, ist somit unabdingbar", berichtet Franz Rössler, österreichischer Handelsdelegierter in Chicago, von einer Marktsondierungsreise mit österreichischen Unternehmen der Branche, die seine Außenhandelsstelle gemeinsam mit der Außenhandelsstelle Toronto und der Außenwirtschaft Österreich (AWO) soeben veranstaltet hatte.

Bei der Marktsondierungsreise trafen die österreichischen Firmenteilnehmer mit einigen der wichtigsten Einkäufern der nordamerikanischen Automobilindustrien zusammen und profitierten vom Erfahrungsaustausch mit Industriekollegen. Die Kfz-Zulieferindustrie befindet sich derzeit mitten in einer Konsolidierungsphase. Bis 2010 wird die Anzahl der US-Zulieferer sinken. Im gleichen Zeitraum wird die Kfz-Industrie jedoch weltweit um 5% pro Jahr wachsen und die Anzahl der produzierten Autos um 2,5% - die Fahrzeuge werden also hochwertiger. Rössler: "Das ist vor allem auf die steigende Bedeutung der Elektronik zurückzuführen. Die Industrie wird globaler und Beschaffungen werden zunehmend international durchgeführt." Die US-Kfz-Industrie hat erst 40% der Restrukturierung hinter sich, 60% stehen in den nächsten fünf Jahren noch bevor. Erwartet wird, dass rund 50% der US-Zulieferer vom Markt verschwinden werden. Für die US-Kfz-Produzenten werde Toyota immer mehr zur Meßlatte und China wird in den nächsten Jahren weniger als Zulieferer, sondern als Lieferant von selbst hergestellten Fahrzeugen eine Herausforderung für die US- und europäische Industrie darstellen. Rössler: "Detroit dürfte aber weiterhin das weltweite Engineering-Zentrum der Automobilindustrie bleiben, gleichzeitig wird aber auch mehr Engineering an asiatische Standorte ausgelagert werden, sind sich die amerikanischen Experten einig." Für österreichische Zulieferunternehmen wird es immer wichtiger, sich in einer Nische zu platzieren, wo es maximal vier bis fünf gleichartige Anbieter gibt.

Das Highlight der AWO-Marksondierungsreise war ein Termin mit dem wohl weltweit wichtigsten Einkäufer der Kfz-Industrie, Bo Andersoon von der General Motors Corp. (GM). Der Schwede leitet die 4.000 Personen der dezentral aufgestellten Einkaufsorganisation des Konzerns und gab den Teilnehmern eine Einschätzung der jeweiligen Kooperationsmöglichkeiten. In Europa gibt es solche vor allem in Zentral-, Ost- und Südosteuropa und weiterhin auch in Deutschland und Österreich selbst. Erst nachdem ein europäischer Lieferant seine ‚GM-Hausaufgaben in Europa’ erfüllt habe, solle er an einen Einstieg am hart umkämpften US-Markt denken. Österreich selbst sei für GM ein sehr guter Produktionsstandort. Geschätzt werde die hohe österreichische Kompetenz im Maschinenbau und die Marktpräsenz in Ost- und Zentraleuropa. Auch beim ‚neue Chrysler’ Konzern stand ein Termin mit Einkäufern am Programm. Dabei hieß es, dass bei Chrysler nach der Scheidung von Daimler ‚alle Türen für neue Lieferanten wieder offen stehen".

Die österreichischen Teilnehmer der Marktsondierungsreise profitieren vom Erfahrungsaustausch mit in den USA ansässigen europäischen Industriekollegen wie mit August Hofbauer von Magna Steyr North America und Don Manval von AVL North America. Bei den Terminen bei Brose North America und Karmann USA zeichneten sich gleich direkte Kooperationsmöglichkeiten mit den Österreichern ab. Die Empfehlung der Branchenkollegen: Während in Europa vor allem die Technologie der wichtigste Verkaufshilfe sei, sei es in den USA die gute Beziehung zum Kunden. Außerdem nie zu vergessen, dass die USA flächenmäßig rund 100 mal und einwohnermäßig rund 50 mal größer als Österreich sei und daher fast immer nur Nischen abgedeckt werden können. Der niedrige US-Dollar-Kurs erschwere zwar den Export aus Europa, mache aber gleichzeitig eine Investition in Nordamerika billiger. Generell ist die Kfz-Industrie einer der wichtigsten Industriezweige der USA und bietet jedem siebenten Beschäftigten einen Arbeitsplatz. (BS)

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Mag. Franz Rössler
Außenhandelsstelle Chicago
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