WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Vom ÖGB ruiniert, vom Höllenhund filetiert - von Wolfgang Unterhuber

Geht alles gut, wird die Bawag in fünf Jahren wieder verkauft

Wien (OTS) - Was mit der Bawag derzeit geschieht, ist völlig normal. Der US-Fonds Cerberus hat die Bank schliesslich nicht um knapp 3,2 Milliarden Euro gekauft, um gemütlich abzuwarten, wie sich die Dinge so entwickeln. Stattdessen wird saniert und Kohle gemacht. Also werden so schnell wie möglich alle Beteiligungen verkauft. Die Veräusserung des Immobilien-Portfolios wurde ja bereits vor einem Monat bekannt gegeben. Nunmehr folgen die osteuropäischen Banktöchter. Der Verkauf des restlichen Bauchladens, vom Klavierhersteller Bösendorfer über die Handelskette Stiefelkönig bis hin zum Lotterien-Paket, soll in den kommenden Monaten über die Bühne gehen.

In Summe könnte die Verkaufsaktion über 1,5 Milliarden Euro bringen. Geld, welches laut Vorstand und den Eigentümer-Vertretern in der Bank bleiben soll. Schliesslich wolle man ja das Kerngeschäft aufpäppeln. Unter anderem ist vom Ausbau des KMU- und Grosskunden-Geschäfts die Rede.

Das zeigt, wohin die Reise geht. Zunächst hat sich eindrucksvoll herausgestellt, dass auch Cerberus-Manager viel reden, wenn der Tag lang ist. Von Expansionsplänen, Jobgarantien und sonstigen Versprechungen, die vor dem Bawag-Kauf getätigt wurden, ist heute nichts mehr zu hören. Gerade die Ost-Offensive war bei der Übernahme übrigens ein zentrales Versprechen. Dass der Zug nun in die andere Richtung fährt, ist letztlich eine richtige Entscheidung. Die Bawag hat in der Vergangenheit den grossen Sprung nach Osteuropa wegen ihres Fokus auf die Karibik verpasst. Da ist es besser auszusteigen. Ohne Ost-Fantasie freilich wird der in Aussicht gestellte Börsegang daher wohl kaum stattfinden. Das sagt zwar niemand offiziell, ist aber logisch.

Letztendlich ist die Vorgehensweise der Amerikaner eine Rettungsaktion. Denn vergessen wir nicht: Der ÖGB war de facto am Ende. So wie die Bawag. An die Wand gefahren von einem Management, das aus diesem Grund derzeit vor Gericht steht. Und eines darf man den Amerikanern glauben: Dass sie das verbleibende Kerngeschäft aufpolieren wollen. Denn schliesslich geht es am Ende darum, die Bank so profitabel wie möglich zu verkaufen. Geht alles gut, dann wird das in rund fünf Jahren der Fall sein.

Zu diesem Zeitpunkt wird sich Ewald Nowotny längst gemütlich im Chefsessel der Nationalbank räkeln. Das sei ihm auch gegönnt. Denn es ist fast schon bewundernswert, was der Mann die vergangenen Jahre durchgestanden hat: Von der Unterwelt der Gewerkschaft zu den Höllenhunden, sozusagen. Man darf gespannt seiner Autobiografie harren.

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