"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Der Präsident im Härtetest" (Von Monika Dajc)

Ausgabe vom 17. Oktober 2007

Innsbruck (OTS) - Für Mark Twain stand einst nach seiner Welterkundung fest: Frankreich kennt keinen Winter, keinen Sommer und keine Moral. Was die Regierenden im Land der Gallier freilich stets fürchten müssen, das ist der Herbst. Supersarko schien davon ausgenommen zu sein. Doch die Popularität des Präsidenten ist geschmolzen. Die Nation spekuliert über seine Eheprobleme. Im Regierungsgebälk kracht es. Die Wirtschaft ist weit entfernt von Traumwerten.Gewerkschaften wittern einen günstigen Augenblick, den Reformzug zu stoppen. Streik heißt die Devise. Der Präsident ist mit Klugheit und Standfestigkeit gefordert. Und er muss die Mehrheit im Land überzeugen. Der Abbau der Privilegien für Staats- und Bahnbedienstete bei den Pensionen wurde von den Fristen her ohnehin großzügig gestreckt. Knickt die Regierung jetzt ein, dann wird sie es sehr schwer haben, ihre weiteren und absolut notwendigen Vorhaben durchzusetzen. Frankreich steht erst am Anfang eines Prozesses, den andere Länder schon längst hinter sich haben. Der Präsident muss schlüssig erklären und Vertrauen gewinnen, das über den Beifall für spontane Visiten und Aktionen hinausgeht. Der Herr im Elysée steht am Beginn der Erfahrung, wie mühsam Politik sein kann. Auch in der Außenpolitik geht es um Glaub- und Vertrauenswürdigkeit. Seit dem Libyendeal herrscht bei Frankreichs EU-Partnern Skespis. Und die im Wochentakt erfolgenden Pariser Initiativen unter dem Motto "Frankreich weiß es besser" kommen manchen altbekannt vor, ohne zu überzeugen.

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