Wurmböck: Boomende Containerschifffahrt erfordert neue Konzepte

"Europäische Häfen samt Hinterlandanbindungen rechtzeitig weiterentwickeln und zukunftstauglich machen"

Wien (PWK768) - Seit etwa fünf Jahren boomt die Weltschifffahrt, vor allem ge¬prägt durch den rasanten Aufschwung im Handel mit China. Der Containerverkehr zwischen Fernost und Europa konnte um mehr als 20 Prozent zulegen. Über alle Routen hinweg wird das Wachstum im Jahr 2007 etwa 12 Prozent erreichen und damit deutlich über dem langjährigen Trend liegen, so Hans-Georg Wurmböck, stellvertretender Obmann des Fachverbandes der Schifffahrtsunternehmen in der WKÖ und Geschäftsführer der österreichischen Lloyd-Gruppe, Österreichs einziger Hochseereederei.

Auch der weltweite Hafenumschlag ist zuletzt um mehr als 10 Prozent pro Jahr gewachsen. 2007 werden etwa 484 Millionen TEU erreicht, 2020 dürfte die Ein-Milliarden-TEU-Grenze fallen. Diese rasante Entwicklung erfordere jedoch neue Konzepte, denn der Ausbau der Infrastruk¬tur kommt zu langsam voran, warnt Wurmböck. Frachtraum sei wegen des starken Wachstums der Seeverkehre nicht mehr beliebig verfügbar. In den Häfen und bei den Verkehrsträgern im Hinterland werden die Kapazitäten zusehends knapper. Die maritimen Logistikketten stehen angesichts solcher Zuwächse auf dem Prüfstand. Deren Leistungsfähigkeit ist jedoch von entscheidender Bedeutung für den Wertschöpfungsprozess in international agierenden Unternehmen.

Trotz einer Vielzahl großer Termi¬nalausbauprojekte in Asien und Nordeuropa wächst die Nachfrage nach Umschlagleistungen im Contai¬nerbereich in den kommenden Jah¬ren schneller als das Kapazitätsange¬bot. Der glo¬bale Containerumschlag wird sich bis 2012 um 300 Millionen TEU erhö¬hen, während die Kapazität nur um 160 Millionen stei¬gen wird, erwartet der Experte. Der Druck auf die Linienreedereien, deren Schiffe angesichts der Termi¬nalengpässe häufig vom Fahrplan ab¬kommen, dürfte entsprechend zuneh¬men.

Ein vorrangiges Ziel sei die Entlastung und Optimierung der Infrastruktur in Europa. Hier sollte man sich Hongkong als Vorbild nehmen, so der Experte. Transhipment-Container, die 30 bis 50 Prozent des Umschlags in den Nordseehäfen ausmachen, sollten gar nicht erst an Land gesetzt, sondern direkt zwischen Linienschiff und Verteilern (Fee¬der) umgeschlagen werden. In Hong¬kong, dem weltweit größten Containerhafen, werde das schon seit langem praktiziert. "Wenn auf der einen Seite die großen Schiffe anlegen und auf der anderen die Feeder, kann ein großer Teil der Transitboxen di¬rekt umgesetzt werden. Das entlastet nicht nur die Terminals an Land, sondern führt auch zu kürzeren Laufzeiten."

"Europa muss unbedingt seine Häfen samt Hinterlandkapazitäten zukunftstauglich machen", hebt Wurmböck abschließend hervor. (hp)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Bundessparte Transport und Verkehr
Mag. Martin Deusch
Tel.: (++43) 0590 900-3255
mailto: bstv@wko.at
http://wko.at/verkehr

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0002