Jüdisches Museum Wien verlängert Ausstellung bis 28. Oktober

"Ordnung muss sein. Das Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien"

Wien (OTS) - Wegen des großen Publikumsinteresses verlängert das Jüdische Museum Wien die Ausstellung "Ordnung muss sein. Das Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien" um eine Woche bis zum 28. Oktober 2007. "Trotz der knappen Aufbauzeit für die Ausstellung "Wilhelm Reich. Sex! Pol! Energy!", die wir von 16. November 2007 bis 9. März 2008 zeigen werden, haben wir uns wegen der zahlreichen Anfragen vor allem von seiten der Schulen entschlossen, die Dokumentation um eine Woche zu verlängern, erörtert Direktor Karl Albrecht-Weinberger die Entscheidung. Die international viel beachtete Ausstellung zeigt nicht nur wesentliche Aspekte der Geschichte der Wiener jüdischen Gemeinde anhand historischer Dokumente, sondern beschäftigt sich auch mit der Frage des Archivs als Gedächtnisort sowie mit dem Problem der Systematisierung und Ordnung von historischen Informationen.

Anstoß zur Ausstellung war ein Aufsehen erregenden Fund, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien iIm Jahr 2000 machten. In einem Zinshaus im 15. Wiener Gemeindebezirk stießen sie in einer leerstehenden Wohnung auf 800 Umzugskartons gefüllt mit Akten und Dokumenten aus dem Bestand der Wiener Kultusgemeinde. Bei näherer Untersuchung stellte sich heraus, dass davon rund 500.000 Seiten aus der Zeit zwischen 1938 und 1945 stammten. Ein längst vergessener Teil des Archivs der IKG Wien war wiedergefunden worden. In Kooperation mit der Anlaufstelle der IKG Wien und mit Unterstützung der Central Archives for the History of the Jewish People Jerusalem zeigt das Jüdische Museum Wien im Sommer 2007 erstmals eine Ausstellung über das Archiv der IKG Wien.

Offiziell begründet wurde das Archiv 1816, wobei die ältesten verwahrten Patente und Dekrete bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen. Eine Professionalisierung in der Verwaltung und im wissenschaftlichen Umgang mit den Akten erfuhr das Archiv ab der Mitte des 19. Jahrhunderts. In Umfang und Vollständigkeit einzigartig belegen die Bestände die 300-jährige Geschichte einer jüdischen Gemeinde von ihrem Beginn bis zur Zeit nach dem Holocaust, dokumentieren die Gemeindeorganisation, ihre religiösen, edukativen, wissenschaftlichen, kulturellen und karitativen Einrichtungen und geben Auskunft über Funktionäre und Mitglieder. Anders als die aufgelösten Kultusgemeinden Deutschlands und des restlichen Österreich hat die IKG Wien während der NS-Zeit weiter bestanden. Ab Mai 1938 organisierte sie die Versorgung und Flucht zehntausender Jüdinnen und Juden, ab Februar 1941 war sie zwangsweise in die Deportation der verbliebenen jüdischen Bevölkerung eingebunden.

Nach 1945 bildeten die in der NS-Zeit entstandenen Karteien und Akten die Grundlage für Auskünfte über das Schicksal von Vertriebenen und Ermordeten und dienten zur Unterstützung der Restitutions- und Entschädigungsansprüche von Überlebenden und deren Nachkommen. Mit der leihweisen Übergabe eines großen Teils der Archivbestände an die Central Archives for the History of the Jewish People in Jerusalem kam es in den 1950er Jahren zu einer Zäsur.

Heute, 50 Jahre später, bemüht sich die IKG Wien darum, durch die Mikroverfilmung der in Jerusalem lagernden Bestände sowie durch die Ordnung und Erschließung der in Wien verbliebenen Bestände ihr eigenes institutionelles Gedächtnis wiederzugewinnen und darüber hinaus Österreich einen Teil seiner Geschichte wiederzugeben.

Das zu den Kulturbetrieben der Wien Holding zählende Jüdische Museum (1010 Wien, Dorotheergasse 11) ist von Sonntag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt

6,50 EUR/ 4,- EUR ermäßigt. Schulklassen haben freien Eintritt, Führungen und pädagogische Programme: Tel.: +43-1-535 04 31-311, 312 bzw. kids.school@jmw.at. Weitere Informationen unter www.jmw.at . (Schluss) sta

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