Internat. Tag gegen Armut: Unterwegs zu einem sozialen Europa

80 Millionen von Armut betroffene Menschen warten auf die Einlösung von Versprechen und eine Stärkung der sozialen Dimension Lissabons

Wien (OTS) - Am Vortag des Internationalen Tages gegen Armut ruft die Armutskonferenz in einem offenen Brief Wirtschaftsminister Martin Bartenstein und Bundeskanzler Alfred Gusenbauer zum Handeln auf: "80 Millionen armutsbetroffene Frauen, Männer und Kinder in Europa warten auf die Einlösung der Versprechen von Lissabon 2000 und auf die Realisierung eines sozialen Europas für alle."

"Wir appellieren daher an Sie, sich als Vertreter Österreichs in der europäischen Union mit Nachdruck für die Stärkung der sozialen Dimension von Lissabon einzusetzen, und damit einen Beitrag zur Realisierung des Versprechens eines sozialen Europas zu leisten.", heißt es im Brief wörtlich.

"Auf europäischer Ebene haben es Wirtschaftsminister und Bundeskanzler in der Hand, jetzt Weichen für ein soziales Europa zu stellen", so Michaela Moser und Martin Schenk von der Armutskonferenz:

1. Dabei gilt es insbesondere die Aufnahme sozialer Zielsetzungen in die sog "Integrierten Leitlinien für Wachstum und Beschäftigung" sicherzustellen. 2. Darüber hinaus müssen Schlüsselprozesse der Armutsbekämpfung und damit die Offene Methode der Koordinierung, sowie insbesondere die Nationalen Aktionspläne für soziale Eingliederung auf nationaler und regionaler, wie auch auf EU- Ebene höhere politische Priorität erhalten. 3. Im Interesse einer effektiven Armutsbekämpfungspolitik ist weiters eine verstärkte Zusammenarbeit und Abstimmung bei der Erstellung der Nationalen Reformprogramme und der sozialen Strategieberichte, sowie die Einbeziehung aller relevanten Akteure, darunter auch Armutsnetzwerke und soziale Organisationen und Betroffenengruppen in beide Prozesse sicherzustellen. 4. Entscheidend für die Realisierung eines sozialen Europas ist auch der transparente Einsatz von Strukturfondsmitteln für armutsbekämpfende Maßnahmen, auch hier ist die Einbeziehung zivilgesellschaftlicher Akteure und deren Expertise in Armutsfragen im Sinne eines effektiveren Mitteleinsatzes unerlässlich.

Vor über sieben Jahren haben die Staats- und Regierungschefs aller EU-Länder in Lissabon entschieden, bis zum Jahr 2010 einen entscheidenden Beitrag zur Armutsbekämpfung zu leisten.
"Die Umsetzung dieses Vorhabens steht bis dato noch aus.", bedauert Michaela Moser, Vizepräsidentin des Europäischen Armutsnetzwerkes.

Ökonomische Stabilität kann und muss nicht auf Kosten sozialer Zielsetzungen erreicht werden. Einsparungen im Sozialsystem sind nicht nur kurzsichtig sondern auch unproduktiv. "Wie die Entwicklungen einiger Länder belegen, vermögen gute soziale Sicherheitssysteme vielmehr einen wesentlichen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg zu leisten.", führt Diakonie-Sozialexperte Martin Schenk aus.

"Die Vernachlässigung der sozialen Dimension Lissabons in den letzten Jahren hat deutlich gezeigt, dass wachsender sozialer Zusammenhalt keine automatische Folge von verstärktem Wachstum und Beschäftigung ist, sondern als politische Priorität in Wirtschafts-und Beschäftigungspolitik integriert werden muss.", so die Armutskonferenz abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

DIE ARMUTSKONFERENZ.
www.armutskonferenz.at
Tel.: 01 /409 80 01 oder 0664/ 544 55 54

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | ARM0001